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Greifswald Johann Carl Dähnert – Aufklärer, Reformer und Wissenschaftler aus Schwedisch-Pommern
Vorpommern Greifswald Johann Carl Dähnert – Aufklärer, Reformer und Wissenschaftler aus Schwedisch-Pommern
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12:11 16.11.2019
Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Saalbibliothek von 1750 zur Uniaula umgestaltet, die bei Führungen zugänglich ist. Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Stralsund/Greifswald

Johann Carl Dähnerts (1719 bis 1785) Bild hängt an der „Schwedenwand“ der Uniaula in Greifswald. Der Gelehrte besaß das Vertrauen des schwedischen Königs und war – seinerzeit völlig unüblich – drei Jahre Rektor der Alma Mater. 38 Jahre hat er als Hochschullehrer gewirkt. Dähnert zählt zu den bedeutendsten Professoren der 563-jährigen Geschichte der Universität. Er gilt als Wegbereiter der Aufklärung, sorgte für den Ausbau der Bibliothek und war auch als Wissenschaftler zumindest in Deutschland und Schweden sehr erfolgreich. Jens Olesen, Professor für Nordische Geschichte, hat ihm in der Blütezeit der Aufklärung eine Hauptrolle bei der kulturellen Vermittlung zwischen Schweden und Pommern zugewiesen.

Johann Carl Dähnert in der Uniaula Quelle: eob

Vor 300 Jahren, am 10. November 1719 wurde Johann Carl Dähnert in Stralsund als Sohn des erfolgreichen Kaufmanns Johann Christoph Dähnert geboren. Seine wohlhabende Familie ermöglichte ihm eine umfassende Bildung in seiner Vaterstadt. Hier besuchte er das Gymnasium. „Für Bücherkenntniß und Gelehrtengeschichte hatte er, eine echt bibliothekarische Natur, schon als Gymnasiast ungemeine Neigung“, heißt es in der Allgemeinen Deutschen Biographie.

1738 verließ Dähnert Stralsund und studierte in Greifswald Theologie, seine Mutter war die Tochter eines Geistlichen. Daneben hat er eine bunte Mischung weiterer Lehrveranstaltungen besucht. Die Spanne reicht von der Poesie und Geschichte bis zu den Naturwissenschaften. Nach drei Semestern stand Dähnert finanziell auf eigenen Füßen. Er gab Nachhilfeunterricht und war Hilfsprediger in der Nikolaikirche.

Sekretär der ersten wissenschaftliche Sozietät Pommerns

Seine wissenschaftlichen Leistungen auf vielen Gebieten sind beeindruckend, er veröffentlichte außerordentlich viel. Er wirkte mit großem Erfolg in der 1739 gegründeten Deutschen Gesellschaft. Sie wird als erste wissenschaftliche Sozietät in Pommern bezeichnet. Ab 1743 war Dähnert ihr Sekretär. Er gab außerdem die „Pommerschen Nachrichten“ heraus, mit der wissenschaftliche Erkenntnisse verbreitet wurden.

1748, also mit nicht einmal 30 Jahren, wurde der vielseitige Wissenschaftler ordentlicher Professor der Philosophie in Greifswald. Zusätzlich war er nun Leiter der Universitätsbibliothek und hat sich um diesen Schatz der Gelehrsamkeit große Verdienste erworben. Schriften der Aufklärer wurden verstärkt angeschafft und ein neuer Katalog erarbeitet. Der Festband zur 400-Jahr-Feier der Unibibliothek 2004 rühmt seine „rührige Erwerbungstätigkeit, seinen Kampf um die bessere Finanzierung und die Fähigkeit, in großem Umfang Geschenke von Gelehrten, Kaufleuten und auch Fürsten einzuwerben.“ Ein Meilenstein war der Kauf der Bibliothek des Wolgaster Schulrektors Johann Bötticher (1687–1748) mit ihren 4163 Bänden, die Dähnert nach dessen Tod zum Schnäppchenpreis von 600 Reichstalern erwarb. So kam Greifswald unter anderem zu einer Bibel von 1483, einem niederdeutsches Exemplar der Heiligen Schrift von 1558 und einer Vulgata, also einer lateinischen Bibel, von 1525.

Als Dähnert starb, war die Zahl der Bände der Unibibliothek von 5268 auf fast 30 000 gewachsen. Die äußeren Bedingungen verbesserten sich ebenfalls deutlich. 1750 wurde das neue Universitätsgebäude eingeweiht und damit stand zugleich eine neue Bibliothek zur Verfügung, die heutige Aula. Zeitgenössische Abbildungen zeigen ein beeindruckendes Bild des Saals.

Das Original des Ölgemäldes von Johann Karl Dähnert hängt in der Universitätsbibliothek Greifswald Quelle: RUE

1758 wurde ein Lehrstuhl für schwedisches Staatsrecht eingerichtet und mit Dähnert besetzt. 1765 bis 1770 erschien seine fünfbändige „Sammlung pommerscher und rügenscher Landesurkunden“. Dähnerts Beitrag zur Geschichtswissenschaft ist beachtlich und wird von Experten hochgelobt. Sein 1781 in Stralsund erschienenes „Platt- Deutsches Wörterbuch, nach der alten und neuen Pommerschen und Rügenschen Mundart“, wird noch heute als Nachschlagwerk genutzt.

Kaum zu glauben, dass Dähnert, der 1761 der Greifswalder Freimaurerloge beitrat, auch um die Verbreitung der Freimaurerei große Verdienste erwarb.

Die schwedische Regierung hielt große Stücke auf Dähnert. 1775 wurde er für drei Jahre Rektor, um den Visitationsrezess, die Vorgaben des schwedischen Königs Gustav III., umzusetzen. Die Uni sollte stärker auf praktischen Nutzen und die Ausbildung für den Bedarf Pommerns, also beispielsweise Kaufleute, Beamte und Landwirte, ausgerichtet werden. 1776 legte Dähnert sein Programm vor. Die deutsche Sprache erhielt nun einen höheren Stellenwert, aber auch schwedischer Sprachunterricht wurde Teil des Lehrprogramms. „Bemerkenswert ist neben den allgemeinen aufklärerischen Tendenzen des Programms die zunehmende Ausrichtung auf schwedische Themen, wo es sich anbot“, schätzt Uniarchivar Dirk Alvermann. Im „Großen und Ganzen sei der Reformversuch dennoch ein Schlag ins Wasser“ gewesen, die angestrebte Erhöhung der Studentenzahlen wurde nicht erreicht, räumt der Uniarchivar unter Berufung auf Ivar Seth ein, der sich eingehend damit befasst hat.

Dähnert war zweimal verheiratet

Dähnert unterhielt zudem ein große Korrespondenz. Elf Bände umfasst sein Briefwechsel. Wohltätig, gefällig, mitteilend gegen jedermann, beschreibt ihn Theophilus Coelestinus Piper in seiner „Gedächtnißschrift auf Herrn Johann Carl Dähnert, gewesenen Königl. ordentlichen Professor der Philosophie und des Schwedischen Staatsrechts, und Bibliothecarius auf der Königl. Universität zu Greifswald“. Tisch, Haus und Garten hätten demnach jedermann offen gestanden, insbesondere auch wohlmeinenden Fremden. Dähnert war zwei Mal verheiratet. 1748 ehelichte er die Greifswalder Ratsherrentochter Ilsabe Christina Trendelenburg, die aber von 1763 an sehr krank war. Kinder bekam das Paar indes in 35 Jahren bis zum Tod Ilsabes nicht.

Dähnert heiratete, zu diesem Zeitpunkt schon sehr krank, 1781 die aus Hohendorf bei Wolgast stammende Pastorentochter Sophia Eleonora Peerschius. Zwei Jahre später erlitt der Gelehrte bei einer Tischgesellschaft einen Schlaganfall, von dem er sich nicht wieder erholte.

„Dähnert war in seinem ganzen Leben ein gemeinnützig thätiger Mann, der Verbesserer des Geschmacks in seinem Vaterlande und des Lehrwesens auf der Akademie, der Stifter vieler nützlicher Einrichtungen und die Zierde seines Zeitalters in der Provinz“, fasst Piper zusammen.

Von Eckhard Oberdörfer

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