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Greifswald Das Salz auf den Straßen: Greifswalder Winterdienst ist startklar
Vorpommern Greifswald Das Salz auf den Straßen: Greifswalder Winterdienst ist startklar
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11:04 28.11.2019
Der Winterdienst ist auf Schnee und Blitzeis vorbereitet (Symbolbild). Quelle: Peter Binder
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Greifswald

Es gibt nur wenige Menschen, die sich nicht über weiße Weihnachten freuen. Dazu zählen die Mitarbeiter des Bauhofes. Denn für sie bedeutet Schnee über die Feiertage viel Arbeit.

Auf dem Bauhof in der Gützkower Landstraße stehen 240 Tonnen Salz, die im Silo lagern, 250 Tonnen Streusand, drei Lkw, sechs Multicars, drei Kleintraktoren und ein Bagger bereit, um die Straßen in den kommenden Monaten von Schnee und Eis zu befreien. Hinzu kommen insgesamt 300 Tonnen sogenannter Big Bags, große Säcke, die mit Salz gefüllt sind und als Reserve für ein hohes Schneeaufkommen dienen. In einer Schicht sorgen 14 Mitarbeiter für verkehrssichere Straßen. Der Bauhof setzt auf ein Zwei-Schicht-System, die erste beginnt bereits um drei Uhr morgens. Sollte es zu starkem Frost oder Schneefall kommen, müsse auf drei Schichten aufgestockt werden. Anfang November rückten die Mitarbeiter zur ersten Kontrollfahrt in der Stadt aus, sagt Uwe Adam, Technischer Leiter des Bauhofes.

Zuständigkeit: Alle Jahre wieder Unwissenheit

Doch welche Straße und Gehwege räumt der städtische Winterdienst eigentlich und welche müssen von den Hausbesitzern und Anliegern selbst von Schnee und Eis befreit werden? Die Antwort darauf scheint so manchen Eigentümer Jahr für Jahr zu entfallen, sagt Dieter Schick, der für die Verkehrs- und Grünanlagen der Stadt zuständig ist. „Es gibt einige wenige, die den Gehweg vor dem Haus nicht frei machen. Die werden dann angeschrieben und bekommen eine Frist gesetzt. Doch meistens ist bis dahin der Schnee wieder geschmolzen.“ Den Eigentümern drohe im schlimmsten Fall eine Geldbuße, die sich auf 50 bis 100 Euro beläuft, so Schick weiter: „Aber das passiert sehr selten.“

Generell gilt: Der städtische Winterdienst räumt nur jene Straßen, die auch gereinigt werden. Häufig handelt es sich hierbei um Hauptstraßen wie die Wolgaster oder Anklamer oder auch die Fußgängerzone in der Langen Straße, für die in diesem Jahr 25 Tonnen Granulat parat stehen. „Da sind wir für den Mittelweg verantwortlich. Bis zur wasserführenden Rinne ist der Grundstückseigner zuständig“, so Dieter Schick. Der Ärger über ungeräumte Gehwege, auch wenn die Hauseigentümer selbst dafür verantwortlich sind, landet dennoch oftmals beim städtischen Winterdienst. Auf der Insel Riems hat die Stadt eine private Firma beauftragt, die Straßen frei zu halten. In Friedrichshagen wird der Schnee von einer Fremdfirma geräumt, die Stadt übernimmt dort das Streuen.

Insgesamt 300 Tonnen in Säcken mit Salz hat der Greifswalder Bauhof laut Uwe Adam, Technischer Leiter, zusätzlich in Reserve. Quelle: Christin Lachmann

Winterdienst rechnet mit Wetterextremen

Wie der kommende Winter genau verläuft, lässt sich derzeit nur schwer vorhersagen. Tendenziell seien die Wintermonate in den vergangenen neun Jahren „auf einem geringen Level geblieben“, sagt Schick. Mit Schneemassen wie im Winter 2010 sei daher nicht zu rechnen. „Österreich hat es dieses Jahr schon Dicke abbekommen, das erwartet uns sicherlich nicht“, schätzt auch Uwe Adam vom Bauhof. Vielmehr rechnen sowohl Adam als auch Schick mit Wetterextremen. „Vor zwei oder drei Jahren hatten wir ein ganzes Wochenende massiven Schneefall. Einige Tage später hatten wir zehn Grad plus“, erinnert sich Schick.

Kreisstraßenmeisterei bewirtschaftet 370 Kilometer Straße

Auch der Landkreis Vorpommern-Greifswald hat sich auf die Wintermonate vorbereitet. „Die Einsatzfahrzeuge sind in den vergangenen Wochen auf Vordermann gebracht worden, fast 300 Tonnen Salz sind in unseren Silos in Anklam und Behrenhoff eingelagert und die Schneefräsen liegen für die Montage bereit“, erklärt Henrik Friedrich von der Straßenmeisterei des Landkreises.

Insgesamt bewirtschaftet die Kreisstraßenmeisterei 370 Kilometer Straße mit vier eigenen Fahrzeugen und sechs vertraglich gebundenen Winterdienstfahrzeugen. Das Einsatzgebiet umfasst die Kreisstraßen im ehemaligen Kreis Ostvorpommern. Ausgenommen ist die Insel Usedom und Greifswald sowie der Bereich Loitz und Jarmen. Weitere 430 Kilometer werden in Auftragsverwaltung von Straßenmeistereien des Landes beziehungsweise des Bundes abgefahren, kontrolliert und beräumt. In der Hansestadt stehen insgesamt 165 Kilometer Straße und 50 Kilometer Geh- und Radwege auf dem Tourplan.

Tipps für Autofahrer bei Glätte und Eis

Fahren Sie bei Glätte besser im zweiten Gang an. Machen Sie eine leichte Bremsprobe auf freier Strecke, um den Bremsweg besser einschätzen zu können. Vorsicht statt Nachsicht: Passen Sie die Geschwindigkeit an das Wetter an und fahren Sie nicht zu dicht auf den Vordermann auf. Verzichten Sie auf hektische Manöver, wenn das Auto aus einer Kurve ausbricht. Besser kurz und fest bremsen und Ruhe bewahren. Lassen Sie das Auto lieber stehen, wenn die Fahrbahn mit Eis überzogen ist, etwa nach einem Eisregen, und warten Sie den Winterdienst ab. Denn zwischen Reifen und Straße liegt so keine Haftung mehr.

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