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Greifswald Mysteriöse Geräusche: Woher kommt das Brummen von Spandowerhagen?
Vorpommern Greifswald

Das mysteriöse Brummen von Spandowerhagen

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09:30 14.01.2020
Einwohner von Spandowerhagen, wie Ingo Gudusch, beklagen ein andauerndes Brummen durch Transformatoren des Umspannwerks. Quelle: Martina Rathke
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Spandowerhagen/Lubmin

Ein permanentes tiefes Brummen, ein anhaltender Ton, der vor allem bei Südwestwind über der Gemeinde Spandowerhagen hängt und sich langsam ins Gehirn einschleicht – bewusst wahrgenommen haben Kathrin und Ingo Gudusch dieses Geräusch seit Februar/März 2019. „Als die Tage länger wurden und wir häufiger draußen waren, fiel uns der Brummton auf“, erzählt der Kanuhof-Betreiber Ingo Gudusch. Anfangs dachte das Paar, dass die Geräusche von Bauarbeiten auf dem KKW-Gelände oder von der Nord-Stream-Baustelle stammen und irgendwann nachlassen würden.

Doch als der Brummton nicht aufhörte, machten er und Gemeindevertreter Gerd Basler sich auf den Weg, dem Ton nachzuspüren. „Wir haben herausgefunden, dass die Transformatoren des Umspannwerks von 50Hertz das Brummen verursachen“, sagt Basler und bringt das mit dem Ausbau des Umspannwerkes durch 50 Hertz in Verbindung. Davor, so Basler, seien keine Geräusche zu hören gewesen.

Mehrere potenzielle Quellen für die Geräusche

Das Unternehmen 50Hertz bestreitet auch nicht, dass das 380-kV-Umspannwerk, das in den Jahren 2017/2018 erweitert wurde, die Geräusche verursacht. „Die Messungen vor Ort haben mehrere potenzielle Quellen für Geräusche ergeben, die jetzt genauer zu untersuchen sind. „Dabei kommen verschiedene Ursachen in Betracht und unsere Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagte Unternehmenssprecherin Yvonne Post.

Der Ausbau des Umspannwerks stehe im direkten Zusammenhang mit der Planung und dem Bau der Leitungsanbindungen der Offshore-Windparks vor der Insel Rügen, wie Yvonne Post sagte. Über die Stromtrasse „Ostwind 1“ mit einer Übertragungsleistung von 750 Megawatt wird bereits der Windstrom der Ostsee-Windparks „Wikinger“ und „Arkona“ abgeführt. Eine weitere Leitung unter dem Namen „Ostwind 2“ mit gleicher Übertragungsleistung wird derzeit geplant.

Beschwerde beim Umweltministerium

Das Ehepaar Gudusch, das etwa 700 Meter vom Umspannwerk entfernt wohnt, wandte sich an 50Hertz, an den Bürgerbeauftragten des Landes sowie an das Umweltministerium. Das Paar bekam freundliche Antworten, doch die Situation hat sich bis heute nicht gebessert. Wenn der Wind aus Südwest bläst, ist der Brummton im westlichen Teil des Ortes weiterhin zu hören, so auch beim OZ-Besuch.

„Die Beschwerde ist uns bekannt“, sagte 50Hertz-Sprecherin Post. Bereits im Mai informierten Spandowerhagener das Unternehmen. Im September gab es eine Anhörung im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt, infolge dessen eine Messung veranlasst wurde, deren Ergebnisse im Dezember vorlagen und bestätigen, dass die Grenzwerte nicht überschritten werden. „Die für 50Hertz genehmigten, bereits verminderten Immissionsrichtwerte liegen bei 37 dB (A) für den Warsiner Weg und bei 33 dB (A) für den Strandweg. „Diese Immissionsrichtwerte werden eingehalten bzw. an allen Immissionsorten unterschritten“, so Post. Das hätten die aktuellen Emissionsmessungen bestätigt.

Das Umspannwerk des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz in Lubmin: Einwohner von Spandowerhagen beklagen ein andauerndes Brummen durch Transformatoren des Umspannwerks. Quelle: Martina Rathke

Gemeindevertretung will sich einschalten

Gerd Basler bezweifelt, ob die Geräusche tatsächlich in Spandowerhagen gemessen oder nicht vielleicht nur die Werte des Umspannwerkes auf den Ort heruntergerechnet wurden. Auch Ingo Gudusch hat Zweifel an der Genauigkeit der Ergebnisse. Im Herbst sei ein Behördenmitarbeiter bei ihm gewesen, habe die Installation eines Messgerätes angekündigt. „Seitdem haben wir aber nichts mehr vom Amt gehört“, so Gudusch.

Die Gemeindevertretung will nun erneut mit 50Hertz Kontakt aufnehmen, denn es brummt weiter. Messungen im Ort seien unausweichlich, sagt Basler. „Denn der Dissens zwischen unserer Wahrnehmung in Spandowerhagen und den 50Hertz-Ergebnissen bleibt.“ Vor allem will die Gemeinde wissen, welche Belastungen möglicherweise noch auf den Ort zukommen, wenn der Offshore-Ausbau in der Ostsee voranschreitet und die zweite Stromtrasse „Ostwind 2“ in Betrieb geht. Auf jeden Fall müsse der Geräuschpegel gesenkt werden, findet Basler. Ob durch den Einbau anderer, leiserer Transformatoren oder den Bau einer Lärmschutzwand, das müsse im Gespräch mit 50Hertz geklärt werden.

Belastung durch Geräusche enorm

Ingo Gudusch betont, dass er nicht gegen Windenergie sei. Der erzeugte Strom aus diesen Anlagen sei willkommen. Doch die Belastungen durch die Geräuschkulisse seien enorm. „Während wir früher an lauen Abenden gerne draußen saßen, ziehen wir uns nun in unsere Wohnung zurück. Bei offenem Fenster zu schlafen, ist fast unmöglich geworden“, so Kathrin Gudusch. Das Paar vermietet drei Ferienwohnungen. Auch den Gästen sei das Brummen bereits aufgefallen, sagt Kathrin Gudusch, die nun wirtschaftliche Einbußen befürchtet, wenn künftig Gäste wegbleiben.

Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz kündigt Gesprächsbereitschaft an. „Für 50Hertz ist es wichtig, alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, die dazu beitragen können, die Auswirkungen der technischen Anlagen effektiv zu minimieren“, sagt Firmensprecherin Post. Das Unternehmen betont aber auch, dass Ausgangspunkt sei, ob die genehmigten Immissionsrichtwerte eingehalten werden. Und dies sei beim Umspannwerk Lubmin der Fall.

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Von Martina Rathke

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