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Greifswald Dem Schlips geht’s an den Kragen
Vorpommern Greifswald Dem Schlips geht’s an den Kragen
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05:00 12.06.2019
Lässig nach Regeln: seit Mai gilt eine gelockerte Kleiderordnung bei der Sparkasse Vorpommern.  Quelle: Sparkasse Vorpommern
Greifswald/Stralsund

In Vorpommerns Büros und an so manch anderem Arbeitsplatz zieht eine neue Lässigkeit ein. Galten früher teils strenge Kleidervorschriften, werden diese nach und nach gelockert. Dem Schlips geht’s zunehmend an den Kragen – und auch Kostüme bei den Frauen oder Anzüge bei Männern sind zum Beispiel bei Banken oft keine Pflicht mehr. Mitarbeiter der Sparkasse Vorpommern etwa dürfen seit Mai im so genannten „Casual Business Stil“ zur Arbeit erscheinen, einer weniger strengen Variante der Bürobekleidung. „Kolleginnen und Kollegen sind mit dem Vorschlag auf uns zugekommen, unsere Bekleidungsstandards zu lockern. Die bisher dominierenden dunklen Farben bei Anzug und Kostüm, bei den Herren die Krawatte – das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Ulrich Wolff, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Vorpommern. Ein weiterer Aspekt war, dass man mit einer weniger strengen Kleidung näher bei den Kunden sei. „Und wir erhöhen unsere Attraktivität als Arbeitgeber“, so Wolff. Besonders jüngere Angestellte würden sich im Anzug oft verkleidet fühlen und könnten nun durch den „Casual Business Stil“ mehr Individualität in der Kleidung ausdrücken.

Flip Flops und Spaghetti-Träger bleiben tabu

Lässig nach Regeln: seit Mai gilt eine gelockerte Kleiderordnung bei der Sparkasse Vorpommern.  Quelle: Vincent Leifer

Richtlinien gibt es für die Angestellten trotzdem: „Wir haben gemeinsam einen Stilratgeber erarbeitet, der den Kolleginnen und Kollegen Unterstützung bietet“, schildert Sparkassen-Sprecherin Kati Ambrosat. „Flip Flops und Spaghetti-Träger sind weiter tabu“, macht Wolff deutlich. Die Neuerung sei jedoch nur ein Angebot an die Mitarbeiter: „Wer sich in Kostüm oder Anzug wohler fühlt, kann gerne so bleiben“, so Ambrosat. Beides werde nicht verschwinden, man könne es von nun an aber lockerer kombinieren: „Zum Beispiel mit einem schicken T-Shirt anstelle einer weißen Bluse. Unsere Herren können auf die Krawatte verzichten.“

Student und Bankkunde Joel Thoma kann sich mit der Neuerung anfreunden: „Für die Mitarbeiter ist das sicherlich stressfreier“, glaubt er. Zudem bräuchten seiner Meinung nach Mitarbeiter keine Krawatte, um ernst genommen zu werden: „Die Servicequalität eines Unternehmens sollte nicht von der Kleidung ihrer Arbeiter abhängig sein.“ Bei den Sparkassen-Angestellten findet die neue Regelung unterdessen Anklang. „Wir in Greifswald und Stralsund haben mitbekommen, dass sich schnell rumgesprochen hat, dass wir die Standards gelockert haben. Die Mitarbeiter kaufen jetzt auch gerne mal farbige Blazer, Chinos und buntere Blusen“, sagt Sparkassen-Angestellte Sabrina Courtois.

Commerzbank: Gute Erfahrungen mit der neuen Lockerheit

Bei der Commerzbank sieht man das ähnlich. „Wir geben unseren Kolleginnen und Kollegen schon seit Langem die Möglichkeit zu einem leger gepflegten Kleidungsstil“, so Sprecher Mathias Paulokat. „Mit dieser Offenheit zum persönlichen Stil haben wir gute Erfahrungen gemacht.“ Eine offizielle Bekleidungsordnung gebe es nicht, aber „natürlich erwarten wir wie auch unsere Kunden ein gepflegtes und ordentliches Äußeres von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, Daniela Rubbert-Göhner, die für MV zuständige Niederlassungsleiterin für Privat- und Unternehmerkunden. Die Krawatte sei keine Pflicht. Aber: „Reine Freizeitkleidung ist für eine Bank sicher unangemessen und dies habe ich bei uns im Geschäftsalltag auch noch nie beobachtet“, so Rubbert-Göhner.

Dresscode und Schlips-Pflicht bei der Feuerwehr

Eine strenge Anzugsordnung ist auch in anderen Betrieben Vorpommerns kein Standard mehr, etwa bei den Stadtwerken Greifswald: „Konkrete Kleidungsvorschriften gibt es nur dort, wo das Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung erforderlich ist“, sagt Sprecherin Steffi Borkmann. Darunter fallen Berufe im gewerblichen Bereich. „Diese Arbeitskleidung bekommen die Mitarbeiter von Unternehmen gestellt und müssen sie auch nicht selbst reinigen.“ In der Verwaltung gebe es keine Anzugspflicht. Die Angestellten dürfen in einer Mischung aus Büro- und Alltags-Outfit erscheinen.

Im Bayern-Trikot in den Bundestag

Im Deutschen Bundestag ist die Kleiderordnung nicht genau geregelt. In Paragraf vier der Hausordnung ist lediglich festgelegt, dass „die Würde des Hauses zu achten“ sei. In den vergangenen Jahren hatte es mehrfach Diskussionen um die Bekleidung der Abgeordneten gegeben, so zum Beispiel 2011, als der Grünen-Politiker Uwe Kekeritz sich weigerte, eine Krawatte zu tragen und aus Protest sein Amt als Schriftführer niederlegte. Oder 2015, als Dorothee Bär (CSU) mit einem Trikot des FC Bayern an einer Sitzung teilnahm.

In einigen Betrieben, wie bei der Feuerwehr, wird indes eine vorgeschriebene Schutzkleidung wohl auch künftig unerlässlich sein. Dort gibt es jedoch auch außerhalb der Gefahrenzone einen Dresscode, erläutert Andrea Reimann, Pressesprecherin der Stadt Greifswald. „Während der Schicht haben die Wachdienstkollegen eine leichte Arbeitsschutzbekleidung an“, sagt sie. Dazu würden je nach Witterung eine leichte Arbeitsschutzhose, Fleecejacke und T-Shirt oder Polo-Hemd gehören. Für manche Arbeiter besteht sogar eine Krawattenpflicht: „Der Tagesdienst hat eine andere Bekleidung: eine dünne Bundhose und normale Hemden – wer ein langes Hemd anzieht, muss Krawatte tragen.“ Bei einem kurzen Hemd sei ein Schlips kein Muss. Doch auch bei der Feuerwehr hat es Bemühungen um einen moderneren Stil gegeben: „In den letzten Jahren wurde die Uniform moderner geschnitten – weg vom Blouson, hin zum Hemd“, so Reimann.

Kittel hilft bei der Identifikation

So erkennen die Patienten Sie: Krankenschwester Jenny Diedrich in ihrer Arbeitskleidung.   Quelle: Carla Blecke

Neben einer schützenden Funktion, erfüllt Dienstkleidung oft auch weitere Zwecke – so etwa im Krankenhaus: „Wir tragen den Kittel natürlich aus einem hygienischen Aspekt. Außerdem kann man so unsere Berufsgruppe leicht identifizieren. Nicht nur Kollegen, auch Patienten und Angehörige erkennen einen dann“, sagt Jenny Dietrich, gelernte Krankenschwester der Universitätsmedizin Greifswald. Zu ihrem Arbeits-Outfit gehören das Oberteil, der sogenannte Kasack, sowie eine weiße Hose. Wenn sie gerade nicht beim Patienten, sondern im Büro arbeitet, müsse sie sich an keine Vorgaben halten: „Aber natürlich komme ich nicht in Jogginghose“, so die 26-Jährige.

Klare Regelungen bei der Bundeswehr

Eindeutige Vorgaben gibt es indes bei der Bundeswehr: Was etwa aus welchem Anlass bei der Deutschen Marine angezogen wird, ist klar geregelt. „Das hängt weniger von den Temperaturen ab als vielmehr davon, was in den Vorschriften dazu festgehalten ist“, sagt Stabsbootsmann Nicole Kubsch, Sprecherin des Marinekommandos für die Marinetechnikschule Parow. Da gilt bei Veranstaltungen – etwa zur Vereidigung oder der Zeugnisübergabe – was die Anzugsordnung befiehlt.

Schlips oder nicht Schlips hängt auch davon ab, was gerade für Tätigkeiten geleistet werden. Wer etwa am Schreibtisch zu tun hat, für den gilt: Zum langärmeligen weißen Hemd unter der Uniform gehört die Krawatte. „Wer jedoch bei den gegenwärtigen warmen Temperaturen etwas Erleichterung haben will, trägt ein kurzärmeliges Hemd, zu dem die Krawatte keine Pflicht ist“, so Kubsch. Klar, dass die auch weggelassen wird, wenn man etwa im Hafen oder auf dem Boot etwa im blauen Arbeitshemd im Einsatz ist. Ärmel-Aufkrempeln etwa beim Flecktarn-Kampfanzug ist im Geländeeinsatz auch bei großer Hitze untersagt, bei normalen Tätigkeiten jedoch durchaus möglich.

In Karlshagen auf Usedom dominieren orangefarbene Shirts

Das Team der Karlshagener Touristinformation begrüßt die Urlauber in orangefarbenen Polo-Shirts. Quelle: privat

Eine uniforme, aber ansprechende Kleidung hat indes die Gemeinde Karlshagen auf Usedom für ihre Mitarbeiter eingeführt. Das wie die Sonne strahlende Orange findet sich aber nicht nur in den sportlichen Polo-Shirts des Teams der Tourist-Information wieder. Es ist auch im Logo des Ostseebades zu finden, auf allen Printprodukten bis hin zum Mobiliar im „Haus des Gastes“ und auch auf dem Pullover des Ortsmaskottchens. Die Farbe soll Lebensfreude, Leichtigkeit, Frische, Fröhlichkeit, Aktivität und Lebens- und Abenteuerlust nach außen ausstrahlen. Nach „innen“ gedacht für das Team steht sie sinnbildlich für Stärke, Dynamik, Optimismus, Ehrgeiz und Stolz, so Christina Hoba von der Kurverwaltung.

Zum Orange kommen in Karlshagen noch das Blau für Wasser und Hafen sowie das Grün für Wald, Natur und Campingplatz. „Insgesamt bringen die drei Farben somit alles das zusammen, was einen erholsamen Urlaub verspricht“, so Christina Hoba. Und warum Poloshirts? „Weil wir unsere Gäste direkt in ihrem Urlaub beraten. Die Shirts wirken sportlich und wir darin nicht unnahbar oder urlaubsfremd.“

Carla Blecke, Jörg Mattern, Henrik Nitzsche und Thomas Pult

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