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Greifswald Greifswald soll 2019 „Wegweiser Demenz“ bekommen
Vorpommern Greifswald Greifswald soll 2019 „Wegweiser Demenz“ bekommen
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07:18 25.04.2019
Einblick in die häusliche Pflege von Angehörigen in der eigenen Familie bei einer Demenzerkrankung. Quelle: imago-images.de
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Greifswald

 Isabell Larenz* hielt durch, bis sie ihren Ehemann, der an Demenz erkrankt ist, nicht mehr alleine pflegen konnte. Nach zehn Jahren häuslicher Pflege lebt ihr Mann nun in einem Heim. „Ich bin unendlich dankbar für die Hilfe“, sagt die 74-jährige Greifswalderin. Als Angehörige eines Demenzpatienten gehört sie zu einer wachsenden Gruppe Millionen Deutscher. „In so einer Situation muss man sich Hilfe suchen. Sich alleine durchzukämpfen steht keiner durch.“ Die Stadt Greifswald erstellt derzeit einen „Wegweiser Demenz“. Nur: Die Arbeit kommt schleppend voran.

Online Fragebogen zu Demenz ausfüllen

Der „Wegweiser Demenz“ soll alle Pflege, -Beratungs- und Hilfsangebote bündeln. „Wir wollen wissen, welche Angebote es in der Stadt gibt. Dann können Anbieter ihre Leistungen wiederum erweitern oder anpassen“, sagt Ines Gömer, Familien- und Präventionsbeauftragte der Stadt, bei der die Fäden im „Netzwerk Demenz“ zusammen laufen. Die Anbieter müssten sich selbst beim Netzwerk Demenz melden, ansonsten fehlen sie im Wegweiser. Online können Pflegedienste, Ehrenamtliche und jeder, der zum Thema Demenz ein Angebot hat, einen Fragebogen ausfüllen (siehe Infokasten). Gesucht sind Informationen in insgesamt acht Themenfeldern. Ganze Felder sind derzeit noch leer. Gömer hofft, dass mehr Anbieter sich melden.

Stadt plant Veröffentlichung für 2019

Grundlage für den „Wegweiser Demenz“ ist das Seniorenförderkonzept der Hansestadt für 2015 bis 2020, das Demenz als Handlungsfeld nennt. Dass eine Gesamtübersicht Zeit brauche sei normal, heißt es von einer Vertreterin des Seniorenbeirats. Das Projekt sei auf einem guten Weg. Noch ist Zeit: Ende des Jahres soll die Broschüre ausgedruckt und digital veröffentlicht werden, sagt Ines Gömer.

Zugleich erstellt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft Mecklenburg-Vorpommern eine Übersicht für das Land unter dem Namen „Demenzkompass“. Alle Daten sollen online veröffentlicht werden, sagt Sarah Schüler, Projektmitarbeiterin im Kompetenzzentrum Demenz der Alzheimergesellschaft in Rostock.

Ehrenamtliche für Selbsthilfegruppe gesucht

Dreiviertel aller bundesweit 1,7 Millionen Demenzpatienten werden zu Hause gepflegt. Im Nordosten sind es von 91.000 Pflegebedürftigen 71.000. „Die Angehörigen suchen sich zu spät Hilfe, sie muten sich zu viel zu und entscheiden teilweise zu spät, einem Erkrankten im betreuten Wohnen oder einem Heim helfen zu lassen“, sagt Jens Langosch, Ärztlicher Direktor des Evangelischen Krankenhauses Bethanien der Johanna-Odebrecht-Stiftung in Greifswald.

Die Gedächtnissprechstunde der Odebrechtstiftung ist eines der Angebote zur Früherkennung von Demenz. Andere Angebote verschiedener Anbieter umfassen Beratungen, Angehörigenschulungen oder Selbsthilfegruppen. Isabell Larenz ist froh, dass sie so andere Angehörige kennen lernte. Die wissen, wie es sich anfühlt, wenn die Nacht zum Tag wird, weil schwere Demenzpatienten einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus haben oder wissen, wie das schlechte Gewissen bleiben kann, wenn die Geliebten in ein Heim gegeben werden.

Odebrechtstiftung bietet Beratung zu Demenz

Ein Problem sei derzeit, Ehrenamtliche zu finden, die Selbsthilfegruppen betreuen, sagt Anja Eberts vom Bürgerhafen, der zum Pommerschen Diakonieverein gehört.

Die Alzheimer-Gesellschaft wiederum wolle für die Region Greifswald eine Gruppe aufbauen, die pflegenden Angehörigen hilft, damit diese Termine wahrnehmen können oder entlastet werden, sagt Sarah Schüler. Der Aufbau werde dauern.

Um Erkrankte besser zu versorgen, gründete sich Mitte April ein Netzwerk zum Umgang mit Demenzerkrankungen in Vorpommern-Greifswald. Zum Ziel gesetzt hätte sich der Zusammenschluss, der im Juni seine Auftaktveranstaltung haben solle, offene Kommunikation, Entstigmatisierung und eine bessere Pflegesozialplanung, teilt Kreissprecher Achim Froitzheim mit. Der Kreis, die Alzheimer Gesellschaft und Ines Gömer waren bei einem ersten Arbeitstreffen dabei.

Pflegestützpunkt ist wichtiger Ansprechpartner

Die Pflegestützpunkte seien und blieben ein guter Ansprechpartner bei Fragen zum Thema Demenz, empfiehlt Familienbeauftragte Ines Gömer. Und in Notsituationen könne die Polizei kontaktiert werden, beispielsweise, wenn eine verwirrte Person in der Öffentlichkeit angetroffen wird und weder Angehörige noch Passanten wissen, was zu tun ist. „Wir sind der erste Ansprechpartner. Wir sind auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen und wissen, was wir vor Ort tun müssen“, sagt Peter Keding, Pressesprecher der Polizeiinspektion Anklam. Im konkreten Fall würden stets Rettungskräfte hinzugezogen.

Teilnehmer gesucht

Verantwortlich für den Wegweiser ist das Netzwerk Demenz, zu dem die Stadt, der Landkreis Vorpommern-Greifswald, der Seniorenbeirat, die Pflegestützpunkte und weitere Partner zählen.

Gesucht werden Angebote aus den Bereichen Beratung für Betroffene, Beratung für Angehörige, Freunde und Nachbarschaft, Hilfe in Akutsituationen, Medizinische Versorgung, Betreuung und Pflege, Hilfe und Begleitung im Alltag, Aufklärung/Information und Fortbildung.

Der Fragebogen ist online hier zu finden: https://www.greifswald.de/de/.galleries/Goemer/Netzwerk-demenz-Angebotserfassung.pdf

Für Fragen zum Thema Demenz: Pflegestützpunkt Greifswald, Feldstraße 85a, Telefon: 03834 8760 2514 oder E-Mail unter: Pflegestuetzpunkt-Greifswald@kreis-vg.de

*Name auf Wunsch der betroffenen Person von der Redaktion geändert.

Christopher Gottschalk

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