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Greifswald Der Verwalter der Greifswalder Unischätze
Vorpommern Greifswald Der Verwalter der Greifswalder Unischätze
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10:10 29.08.2019
Der Greifswalder Unikustos Thilo Habel zeigt die Verwendung eines Dicatopter Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

Mit ihren Bauten, wie dem Ensemble um das barocke Hauptgebäude am Rubenowplatz und dem historischen Medizinercampus, prägt die Universität entscheidend die Greifswalder Innenstadt.

Als über 550-jährige Einrichtung verfügt die Hochschule über wertvolle Sammlungen. Insgesamt sind es über 21 wissenschaftliche Sammlungen mit rund 5,74 Millionen Einzelobjekten. Dazu kommen Sammlungen, wie die des Bühnenbildners Heinz Beiske oder des Vaters der Freester Fischerteppiche, Rudolf Stundl. Wertvolle Stücke der Kunstsammlung, wie die Zepter, der historische Rektormantel und der Croy-Teppich, werden im Landesmuseum ausgestellt.

Thilo Habel, Kustos seit 2018, ist auch sehr an technischen Objekten interessiert. Ein Mikroskop aus der Botanik bezeichnete er als sein Lieblingsobjekt, als er in der OZ vorgestellt wurde. Aktuell findet er das von Friedrich von Hagenow (1797 bis 1865) erfundene Dicatopter als besonders interessant. Der Gelehrte und Unternehmer hat 1850 dafür ein Patent bekommen. Erhaltene Exemplare sind äußerst selten. Von Hagenow hat den Dicatopter zum Beispiel genutzt, um versteinerte Lebewesen in der Rügener Kreide zu zeichnen.

Was Habel bei den Kunstschätzen aktuell besonders faszinierend findet? Der Kustos nennt nach kurzem Überlegen herausragende Ölskizzen des Malers Wilhelm Titel (1784 bis 1862). Drei würden gerade restauriert. „Es ist gar nicht so leicht, dafür geeignete Restauratoren zu finden“, sagt er.

Mathilde Böwing führt durch Uni, hier zeigt sie den Rektorstuhl von 1906, den die Professorenfrauen finanzierten Quelle: eob

„Ich bin gern in den Sammlungen unterwegs“, erzählt Habel. Die Sammlungen der Geologen, die Gustaf-Dalman-Sammlung der Theologen, überall gebe es spezielle Schmankerl zu entdecken. Die Kustodie übernehme gerade Sammlungen der Botaniker mit bedeutenden Herbarien, die zum Teil bis in das 18. Jahrhundert zurückreichen. Professoren, wie Christian Ehrenfried von Weigel (1748 bis 1831) und Christian Friedrich Hornschuch (1793 bis 1850), seien dicht dran an der Spitzenforschung des 18. und 19. Jahrhunderts gewesen.

Als Einzelkämpfer hat Thilo Habel mehr als genug zu tun, schon um die erforderliche Inventarisierung voranzutreiben. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sei gegenwärtig die Deutsche Digitale Bibliothek, das heißt, die Eintragung von Objekten in dieser Datenbank. „Es sind Nacharbeiten bei den genormten Datensätzen nötig“, sagt der Kustos. „Es gibt Nachholbedarf bei der Digitalisierung.“

Ausstellungen werde es in absehbarer Zeit eher nicht geben. „Es fehlen geeignete Ausstellungsräume“, sagt er. Die Präsentation von Objekten in der Reihe „Wissen sammeln“ im Foyer der Unibibliothek in der Vergangenheit sei „verpufft“. Er trete dafür ein, erst einmal im Haus zu arbeiten, bevor man nach außen gehe. Habel möchte in Ausstellungen Wissenschaftsgeschichte der Uni erzählen und nicht bloß Objekte präsentieren.

Nach außen präsent ist die Kustodie auf jeden Fall durch ihre Führungen. Rubenowdenkmal, Hauptgebäude, Aula, historische Hörsäle und Karzer sind auch für Touristen interessant.

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Mathilde Böwing (3. von rechts) führt Interessenten durch Uni, hier in einem alten Hörsaal des Audimax Quelle: Eckhard Oberdörfer
Im bis 1914 als Gefängnis benutzten Karzer Quelle: eob

Von eob

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