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Greifswald Der Mann, der Frauen auf der Bühne zersägt und verschwinden lässt
Vorpommern Greifswald Der Mann, der Frauen auf der Bühne zersägt und verschwinden lässt
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14:02 25.06.2019
Seit 2014 ist Holger Pautz als Zauberer, Clown und Puppenspieler selbstständig und erfüllte sich damit seinen Kindheitstraum. Quelle: Christin Lachmann
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Greifswald

Mit seinem Miniatur-Spaßmobil düst der 25-Jährige durch den Greifswalder Tierpark. Zwischen dem Gehege der Sumpfbiber und dem Spielplatz stoppt er. Mit seinen überdimensional großen Schuhen steigt er aus dem Fahrzeug. Die Sonne scheint in sein geschminktes Gesicht. Eine rote Clowns-Nase ragt hervor. Innerhalb weniger Minuten bildet sich eine Menschentraube um ihn. Die Show beginnt:

Holger Pautz hat sich seinen Kindheitstraum erfüllt. Vor fünf Jahren hängte der gebürtige Wackerower seinen Beruf als Einzelhandelskaufmann an den Nagel. Mit Zauberei, Clownerie und Puppentheater verdient er nun hauptberuflich sein Geld.

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Es bleibt in der Familie

Wenn der „great Pautzinger“, so sein Künstlername als Magier, über seine Arbeit spricht, sprudeln Begriffe wie Fakir, Zauberkoffer oder Nagelbrett aus seinem Mund. Schnell wird klar: Dieser Beruf ist seine Berufung.

Als er im Alter von sechs Jahren seinen ersten Zauberkasten geschenkt bekommt, steht fest, was er später machen will. Die Ausbildung nach der Schule habe der Zauberkünstler seinen Eltern zuliebe absolviert. Doch auch sie wussten, dass sein Herz für etwas anderes schlägt. „Meine Familie stand und steht voll hinter mir, hat mich immer unterstützt und meine Eltern sind sehr stolz auf mich.“

Wie familiär Pautz arbeitet, zeigt sich bei der bezaubernden Assistentin, die jeder Zauberer haben sollte. Seine jüngere Schwester ist Teil der Zaubershow, lässt sich auf der Bühne von ihrem Bruder zersägen, verschwindet hinter einem Vorhang oder taucht in einer Kiste wieder auf. Auch Familienhund Lucky, mehrere weiße Tauben und Kaninchen gehören zur Show.

Der 25-Jährige lebt seinen Kindheitstraum und tritt regelmäßig in Greifswald und Umgebung auf.

Zauberhafte Requisiten aus zweiter Hand

In einer Halle am Greifswalder Stadtrand lagern hunderte Requisiten, die Holger Pautz, der auch auf Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern auftritt, für seine Shows benötigt. Eines seiner neuesten Schätze ist ein Miniatur-Vehicle aus einem Freizeitpark, das umgebaut wurde und nun Batterie betrieben fährt. „Damit erreiche ich eine Höchstgeschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde“, sagt Pautz und lacht. Das Fahrzeug komme vor allem auf großflächigen Veranstaltungen zum Einsatz, wenn Pautz zum Beispiel als Clown Hollino unterwegs ist.

Vieles in seiner Lagerhalle stamme aus Zirkus-Ausverkaufen. Erst im Februar dieses Jahres reiste Pautz zusammen mit seiner Schwester zu einem Abverkauf nach Holland. „Wir haben die Nacht im Auto geschlafen, weil ich nicht erst gegen Mittag da sein wollte. Dann wäre das beste vielleicht schon weg gewesen.“ Einige Hundert Euro hatte Pautz, der niederländisch spricht, bei sich. Dafür gab es unter anderem ein riesiges Elefanten-Kostüm, das Teil seines neuesten Projektes, eine Mini-Wanderzirkus, sein wird.

Seinem größten Vorbild ganz nah

Pautz ist Illusionist, Humorist und Perfektionist. Wer ihn in seiner Figur als Clown oder Magier erlebt, sieht einen witzigen, charmanten und talentierten jungen Mann. Vor den Shows ist Pautz hoch konzentriert, legt viel Wert auf gute Vorbereitungen. „Da kann ich manchmal auch recht ruppig werden, wenn etwas nicht klappt oder nichts gemacht wird“, gesteht er. Auch auf der Bühne klappt nicht immer alles. Doch Pautz nimmt es mit Humor und versucht es, beim nächsten Mal besser zu machen.

Eines seiner größten Vorbilder ist der weltberühmte niederländische Zauberkünstler Hans Klok. Als dieser im vergangenen Jahr mit seiner Show „House of Mystery“ in der Rostock Stadthalle zu Gast war, war auch Holger Pautz als Zuschauer dort. „Für einen Trick suchte er Leute aus dem Publikum. Ich habe mich natürlich gleich gemeldet und durfte dann tatsächlich auf die Bühne und ihn mit Schwertern durchbohren, als er in einer Kiste war“, erinnert sich Pautz. Wie der Trick funktionierte, weiß er bis heute nicht. Erfahren wird er es wohl kaum. Denn der Ehrenkodex von Zauberkünstlern ist, nichts zu verraten. Auch Pautz hält sich streng an diesen Kodex.

Obwohl er sich seinen Kindheitstraum erfüllt hat, hat er weitere Pläne: „Über ein Engagement in den Niederlanden würde ich mich sehr freuen. Ich könnte mir auch vorstellen, eine Saison in einem Freizeitpark zu arbeiten.“ Nur eines solle erhalten bleiben: dass er Kinder und Erwachsene in Zukunft mit seinen Shows verzaubert.

Christin Lachmann