Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Selbstversuch: Mit 25 Euro auf dem Greifswalder Fischerfest
Vorpommern Greifswald Selbstversuch: Mit 25 Euro auf dem Greifswalder Fischerfest
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:26 20.07.2019
Steven Borchardt verkaufte am Stand „Simmrows Zuckerfabrik“ Zuckerwatte für 2 Euro. Quelle: Anne Ziebarth
Greifswald

 Drei Tage Party in der Hansestadt: Das Fischerfest ist gestartet. 43 Stände mit Leckereien, weitere 45 Buden von Händlern und Kunsthandwerkern. 52 Schausteller sind mit ihren Fahrgeschäften am Ryck – dieses Ereignis lasse ich mir nicht nehmen und stürze mich mit 25 Euro ins Getümmel auf das Festgelände. Wie viel kann ich mir davon leisten und wie lange kann ich mich mit dem Geld vergnügen?

Start: 25 Euro

Mit 25 Euro starte ich also meine Tour über das Greifswalder Fischerfest. Da am Freitag erst ab Nachmittag Eintritt genommen wurde, komme ich kostenlos auf das Festgelände. Fairerweise ziehe ich mir die 3,50 Euro Kulturbeitrag vom Budget dennoch ab, denn ich hatte wohl Glück. 21,50 Euro bleiben mir also noch, als ich in Richtung Riesenrad gehe. Ich möchte mir zunächst einen Überblick von oben verschaffen. Bei dem langen Fußmarsch rieche ich die verschiedensten Gerichte, von Bratwurst über süße Crépes oder Champignonpfanne. Der Magen fängt schon leicht an zu knurren, doch mit dem Essen möchte ich noch etwas warten. Vier Euro zahle ich für die Fahrt mit dem Riesenrad. Nach wenigen Minuten und vier Umdrehungen ist die Reise zwar schon wieder vorbei, aber ich hatte einen tollen Ausblick über die Stadt und die vielen Segelboote auf der dänischen Wiek. Die Fahrt hat sich definitiv gelohnt.

17,50 Euro nach Eintritt und Riesenrad

7,50 Euro sind nun weg. Nach dem Riesenrad steht mir der Sinn nach weiterem Nervenkitzel – und wo kann man besser Adrenalin tanken als beim Fahrgeschäft „Breakdance“? Also geht es wieder zurück zum Eingang, denn dort gibt es verschiedene Fahrgeschäfte: Autoscooter, Achterbahn, ein Gruselkabinett ... und den von mir ersehnten Breakdancer. Für weitere 4 Euro gibt es eine ewig lange Fahrt, begleitet von der dröhnenden Musik des Fahrgeschäftes. Jetzt muss ich mich erstmal kurz ausruhen, bis es weitergehen kann. Doch wohin? Nach Essen ist mir gerade wirklich nicht, etwas Ruhiges muss her. Und ein Kassensturz: noch 13,50 Euro.

Auf dem Weg zurück zur Brücke sehe ich einen niedlichen Stoffhamster, der in einem Glaskäfig steckt. Der arme Kerl tut mir leid, weshalb ich für einen Euro versuche, das Tier mit den großen Kulleraugen mit dem Greifarm herauszuziehen: natürlich schaffe ich es nicht. Aber es liegt definitiv nicht an mir, sondern an dem Gerät. Wirklich! Und die Hälfte meines Geldes ist nun weg – ich war aber bestimmt schon eine Stunde hier und finde, dass ich bis hierhin mein Geld gut investiert habe. Nun muss ich aber planen: etwas essen möchte ich noch, danach Zuckerwatte. Ein Andenken hätte ich auch gerne und von dem Restbudget könnte ich ja noch etwas erleben. Mal schauen.

Den Hamster konnte OZ-Mitarbeiterin Stefanie Ploch leider nicht befreien. Quelle: Christin Lachmann

Die Hälfte des Geldes ist weg

Mein nächster Halt ist schließlich an einem Süßigkeitenstand. Dort kaufe ich mir ein niedliches Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Süße“. 2,50 Euro hat es mich gekostet: Dafür, dass es wahrscheinlich nicht gegessen, sondern steinhart wird, ist es relativ viel Geld. Aber wenn man das klassische Volksfest-feeling haben möchte, gehört das auch dazu. Weitere 3,50 Euro gehen dann für eine Bratwurst drauf, denn so langsam hat sich mein Bauch von der Breakdancefahrt erholt. Eine riesige, gebratene Wurst im Brötchen landet in meinem Bauch, während ich den nächsten Kassensturz mache: 6,50 Euro sind noch übrig.

Vom Riesenrad aus habe ich vorhin ein lustiges Spiel entdeckt. Dort muss man Bälle in Toiletten werfen, deren Deckel auf und niederklappen. Für 4 Euro darf ich sieben Bälle in die Toilette werfen. Geübt bin ich darin leider nicht, deswegen ging ein Ball daneben. So wurden es nur 60 Punkte. Die Auswahl der Preise ist für 60 Punkte ordentlich: Eine Barbiepuppe, ein Mikadospiel oder doch lieber ein Kuscheltier? Ich habe ein Auge auf ein hellblaues Plüsch-Alpaka geworfen, wofür ich aber 10 Punkte mehr gebraucht hätte. Der nette Mann am Stand drückte ein Auge zu und gab mir das Alpaka. Ich freue mich.

Mein Fazit

Nun habe ich noch 2,50 Euro übrig. Davon kaufe ich mir eine Zuckerwatte für 2 Euro am Stand gegenüber des Toilettenspiels. Die süße, klebrige Speise begleitete mich bis zum Ausgang, wo ich die letzten 50 Cent in das Waschen meiner Hände und einen Besuch der Toilette investierte. Mein Fazit: Für 25 Euro bekommt man auf dem Fischerfest eine Menge geboten. Ein Getränk habe ich mir nicht gekauft, die kleine Plastikflasche Wasser von Zuhause hat ausgereicht. Ansonsten wäre es tatsächlich knapp geworden. Etwa drei Stunden kam ich mit dem Geld hin, hätte ich mich an eine der Bühnen gesetzt; um der Live-Musik zu lauschen, hätte ich mit dem Geld auch länger dort bleiben können. Das Budget reichte auf jeden Fall für das Nötigste aus: Essen, Spaß und noch etwas Kleines zum Mitnehmen.

Doch wie viel geben eigentlich andere Besucher auf Greifswalds größtem Volksfest aus? Susanne Ewert und Uwe Siebert haben 30 Euro im Portemonnaie. Das muss reichen, sagen die Touristen aus Rendsburg. "Wir wollen nur etwas bummeln und etwas essen. Aus dem Alter für Karussells sind wir ja schon raus", sagt Uwe Siebert. Anders als Familie Potratz aus Süderholz. Nach einigen Karussell-Fahrten und einem Ritt auf der Achterbahn war das meiste Geld der vierköpfigen Familie schon weg. "Um die 50 Euro hatte ich mit. Meine Frau hat auch noch etwas, aber wir müssen wohl noch etwas Geld abholen", sagt Papa Jörn Potratz. Schließlich stand noch eine Fahrt mit dem Riesenrad und etwas zu essen auf der Liste der Familie.

Hier gehts zum Video:

Lesen Sie auch:

Was findet man wo auf dem Greifswalder Fischerfest?

Teurer Spaß: Greifswalder Fischerfest kostet rund 191.000 Euro

Fischerfest Greifswald: Riesenrad wächst in den Himmel

Der Anblick der Geschichte: Gaffelrigg mit neuem Klang

Greifswald: Hangeln um den Weltmeistertitel

Stefanie Ploch

Weggefährten, Freunde und Familie kamen zum Trauergottesdienst für den überregional bekannten Pastor in den Greifswalder Dom. Schorlemmer war Anfang Juli nach schwerer Krankheit verstorben. Er wurde in Groß Kiesow beigesetzt.

20.07.2019

Wir sammeln das ganze Wochenende über Eindrücke vom Fischerfest in Greifswald. Hier kommt die laufend aktualisierte Bildergalerie.

20.07.2019

In Groß Ernsthof gibt es Landwirtschaft „wie früher“, mit Weidehaltung und Familientradition. Modern ist aber die Form der Vermarktung. Kunden holen sich Milch, Kartoffeln und Wurst am Automaten.

20.07.2019