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Greifswald Der letzte Wohnzimmer-Vortrag im Lütten Schlott
Vorpommern Greifswald Der letzte Wohnzimmer-Vortrag im Lütten Schlott
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17:07 27.06.2018
Hier haben Elke Maier und Adolf Müller 17 Jahre lang Gäste zu Vorträgen empfangen, darunter auch Prominenz.
Hier haben Elke Maier und Adolf Müller 17 Jahre lang Gäste zu Vorträgen empfangen, darunter auch Prominenz. Quelle: Sybille Marx
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Greifswald

An diesem Freitag, 29. Juni, geht für Elke Maier und Adolf Müller in Göslow eine Ära zu Ende: 17 Jahren lang hatten sie einmal im Monat Politiker, Professoren, Schriftsteller und andere Persönlichkeiten zu einem Vortrag eingeladen - in ihr ganz normales Wohnzimmer. Ministerpräsident Erwin Sellering saß zum Beispiel auf ihrem Sofa, der Schriftsteller Hermann Kant, die Schauspielerin Karin Ugowski...fast alle ohne Gage.

Nun kommt der Abschied: Wilfried Kropka vom Greifswalder Verein „Greifenfedern“ erzählt an diesem Freitag ab 19 Uhr noch „Olles und Nieges up Platt“. Dann war es das mit den Vorträgen im „Lütten Schlott“, wie Maier und Müller ihr Haus nennen.

Das Alter ist schuld. „Ich kann die Dinger nicht mehr bewegen“, sagt der 78-jährige Müller und deutet auf die wuchtigen roten Sofas in ihrem Wohnzimmer. Jedes Mal, wenn ein Vortrag bevorstand, räumte der gelernte Maler Sofas und Sessel aus der Stube, holte 25 Stühle von den Landfrauen her, reihte sie alle im Raum auf. „Nun bin ich fast 80, das geht nicht mehr“, sagt er.

Für die Fans in der Region ein Verlust: 13 bis 30 Gäste seien meist dagewesen, erzählt die frühere Lehrerin Elke Maier. Einmal in der Anfangszeit, als sie die Zahl noch nicht beschränkten, quetschten sich sogar 78 ins Haus. Über die Jahre verteilt sollen es 6 200 Gäste gewesen sein.

Einer davon: Paul Kroll aus Greifswald. „Es war eine ungemeine Bereicherung, mit der Erkenntnis, was man für sich und Andere über einen längeren Zeitraum machen kann“, schreibt er dem Paar zum Abschied. Göslow werde in die kulturelle Geschichte der Region eingehen.

Sybille Marx