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Greifswald Bienenpapst in Greifswald: Ältere Bienen sind schlauer
Vorpommern Greifswald Bienenpapst in Greifswald: Ältere Bienen sind schlauer
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18:16 08.11.2019
Diese Eldenaer Biene bestäubt an diesem Tag nur Krokusse Quelle: Erwin Rosenthal
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Greifswald

In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Imker kontinuierlich gewachsen. Bienenzüchter sind heute jünger und weiblicher und sie halten, weniger Völker. „Ihnen geht es mehr um die Bienen als um den Honig“, stellte Jürgen Tautz bei der 34. Greifswalder Rede im Krupp-Kolleg fest. Denn der Bestand der Bienen, ganz besonders der Wildbienen, ist wie die Natur unseres Planeten in Gefahr. Ginge es den Bienen gut, dann gehe es auch den Insekten gut. Für Menschen sind sie überlebenswichtig. Ein Drittel der Lebensmittelherstellung hängt direkt von den Bienen ab.

Großes Interesse bei jungen Leuten

Der emeritierte Würzburger Professor bekam lang anhaltenden Applaus für seine Rede und noch einmal nach der fast einstündigen Diskussion. Im Vorlesungssaal war kein Platz mehr frei, viele Besucher saßen draußen auf der Treppe. Es waren auch sehr viele junge Leute gekommen, um den begeisternden Redner mit vielen zumindest für Laien spannenden Fakten zuzuhören.

Wachstum in Greifswald

Laut Landwirtschaftsministerium werden in MV etwa 27 000 Bienenvölker von etwa 2800 Imkern gehalten. Die meisten sind Hobbyimker. Das sind rund 100 Imker und 400 Bienenvölker mehr als 2018.

48 Imker sind im Greifswalder Verein aktiv, vor zehn Jahren war es etwa die Hälfte.

Der Vorsitzende Dirk Fiedlerbestätigt, dass die Mitgliedschaft jünger und weiblicher wird. Die auch von ihm angebotenen Grundkurse werden gut besucht.

Ein großes Problem seien für die Imker die Monokulturen, das „Wegspritzen“ von Kornblume, Klatschmohn und Co. Wenn auf Raps Getreide ohne andere Pflanzen folgt, dann stünden die Bienenvölker vor „grünem Beton“, sagt Fiedler.

„Honigbienen sind nicht fleißig, aber sie machen glücklich“, meint Jürgen Tautz. Am Liebsten sind sie zu Hause, wo es einfach am schönsten ist. Nur die alten Bienen werden aus dem Stock geschickt und den Gefahren der Welt ausgesetzt. „Das ist biologisch clever“, schätzt Tautz ein. „Bienen werden im Alter klüger, mit zunehmendem Alter lernfähiger.“ An einem Tag sammeln sie nur auf den Blüten einer Pflanze Nektar. Bienen können Farben sehen und bis vier nahezu fehlerfrei zählen, ja den Stil von Malern unterscheiden.

Prof. Jürgen Tautz im Krupp Kolleg Quelle: Vincent Leifer

20 Drohnen und eine Königin

Es gibt Ammenbienen Heizerbienen, Tankstellenbienen, Wächterbienen, Maurerbienen.... Grundsätzlich kann jede der Bienendamen alles, aber nicht gleich gut. Und die Königinnen, die immerhin anders als die Arbeitsbienen ein paar Jahre leben? „Die gehören zu den dümmsten Insekten“, sagt Tautz. Aber sie müssten nicht schlau sein, sondern „nur“ täglich 2.000 Kinder bekommen, nachdem sie von bis zu 2o Drohnen begattet wurden, damit der Frauenstaat fortbestehen kann.

Im Bienenstock ist es immer schön warm

Die männlichen Drohnen seien nicht bloß gut für den Sex mit der Königin, der für diese tödlich endet. „Sie sind gute Isolatoren“, so der „Bienenpapst“. Denn die Wärme im Bienenstock, die ist ganz wichtig. Um die herrschenden 36 Grad zu erreichen, wird viel Energie benötigt, und genau dafür brauchen die Bienen den Honig. „Was die Imker ernten, ist nur die eiserne Reserve.“ Etwa eine halbe Stunde ist eine Heizerbiene im Einsatz, dann ist sie fertig und benötigt Hilfe, „Treibstoff“, von der Tankstellenbiene.

Gut besetzter Bienenstock Quelle: Ingo Arndt

Johannes Mehring hat im 19. Jahrhundert ein Bienenvolk als Einwesen bezeichnet“, führte Tautz aus. „Heute würden wir von Superorganismen sprechen.“ Bienenvölker seien mit Säugetieren wie uns vergleichbar. „Im Gegensatz zu den Insekten mit ihrer exponentiellen Vermehrungsrate ist sie bei den Bienen wie bei den Säugetieren gering, es zählen nur die wenigen Königinnen.“

Designerfood für Larven und Babys

Auch würde Designerfood, die Muttermilch, bei den Bienen die Schwesternmilch (Gelee Royale), für den Nachwuchs verwendet. Mit den für die Gehirnentwicklung nötigen 36 Grad werden Säugetierwerte erreicht. Einen mathematischen Verstand, wie Johannes Kepler 1611 vermutete, haben sie zwar nicht, aber sie bauen mit „unglaublicher Regelmäßigkeit“ ihrer Häuser aus sechseckigen Wachsziegeln. „Sie nutzen die Wärme und den tollen Baustoff.“ Die Sechsecke entstünden aufgrund der Zusammensetzung des verflüssigten Wachses.

Napoleon trug Bienenmantel

Die Bienenvölker mit den Arbeitsbienen und Königinnen haben schon die ägyptischen Pharaonen inspiriert. Das Insekt wurde Machtsymbol. Die Biene war das Wappentier Unterägyptens. Und als sich Napoleon zum Kaiser krönte, wählte er Bienen als Schmuck seines Mantels.

Das Bienenvolk repräsentiert indes keinen absoluten Staat, sondern eine basale Demokratie, in dem jede Biene eine wichtige Rolle spielt, führte Tautz aus. Denn sie treffen im Konsens nach Abwägung auf der Basis großer Informationsmengen kollektive Entscheidungen. „Uniformierte Individuen richten keinen Schaden an.“ Wenn Einzelleiter hingegen uninformiert seien, richten sie großen Schaden an. Genauso, wie sich das in menschlichen Gesellschaft sei. Die Anspielung auf einen bestimmten Präsidenten eines sehr mächtigen Staats war sehr deutlich.

Dass Bienen Staaten bilden, ist es allerdings die große Ausnahme. „Weltweit gibt es nur neun solche Arten“, so Tautz. Aber allein in Deutschland existieren (noch) über 500 Bienenarten, die außer zur Fortpflanzung nicht sozial miteinander agieren.

Beim Vortrag von Prof. Jürgen Tautz im Krupp Kolleg Quelle: Vincent Leifer

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