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Greifswald Die Basketballhochburg im Norden
Vorpommern Greifswald Die Basketballhochburg im Norden
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00:00 08.01.2018
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Greifswald

Die Hansestadt war die Hochburg des Basketballsports im Norden der DDR. Bekannte Männer des Greifswalder Sports, wie Gerd Müller, Gerhard Bartels und Eckhard Schulz, sind mit dieser Geschichte verbunden. „An der Erwin-Fischer-Schule hatte Lehrer Peter Multhauf eine Jugendmannschaft aufgebaut“, erzählt Thomas Frömming (57) über er die Anfänge. Er spielt seit 1976 Basketball und stellte der OZ für diesen Beitrag Unterlagen zur Verfügung.

Damals blieb zwar nur etwa ein Fünftel der Schüler in Greifswald, schätzt Frömmig. Aber schon dank ihnen konnte die Männermannschaft der HSG Uni Greifswald im November 1965 in der damaligen Mensa Bahnhofstraße gegründet werden. Entscheidenden Anteil hatte Günter Kopp vom Institut für Körpererziehung, der erste Trainer. Erster Vorsitzender wurde der Medizinstudent Hans-Jürgen Hahn.

Thomas Frömming wurde 1977 in die erste Männermannschaft aufgenommen. „Basketball gehörte damals nicht zu den in der DDR geförderten olympischen Sportarten. Es war ein Nischensport, der vor allem im Süden der DDR populär wurde.“ Der Grund: 1969 konzentrierte die SED die Förderung auf Sportarten, die viele Medaillen und Punkte versprachen. Basketball als aufwändige Mannschaftssportart gehörte nicht dazu. In den drei Nordbezirken war Greifswald die Nummer 1.

Internationale Turniere, wie sie regelmäßig zu Ehren des Vereinigungsparteitags von KPD und SPD im April ausgetragen wurden, fanden zunächst in der Sporthalle am Wall statt. Diese wurde zugunsten der Errichtung der 1975 eingeweihten Mensa abgerissen.

Die Herren spielten seit 1972 in der DDR-Liga, der zweithöchsten Klasse. „Das ist aber nicht vergleichbar mit heute“, sagt Frömming. „Von der Bezirksliga stieg man gleich in die zweite Liga auf.“

„Viele Zuschauer kamen nicht, so 20 bis 30“, schätzt Frömming. Zunächst wurde in der Halle Falladastraße 11 und dann in der Halle der Nexöschule zwei- bis dreimal in der Woche trainiert, und zwar abends nach 20 Uhr. 1982 stiegen die Greifswalder in die Bezirksliga ab, aber 1986 wieder auf.

1987 wechselte die Trägerschaft. Basketball gehörte nun zur Betriebssportgemeinschaft (BSG) der Zwischengenossenschaftlichen Bauorganisation (ZBO) im Ortsteil Eldena, einem Betrieb für landwirtschaftliches Bauen. Die Alternative KKW wollten die Basketballer nicht, weil sie beim Kernkraftwerk wie bei der HSG nur eine von vielen Mannschaften gewesen wären. Bei der ZBO gab es als weitere Sektion nur noch Segeln.

„Dank des Wechsels bekamen wir einen Bus“, erzählt Frömming. Ein besonderes Spiel? „Wir kamen im Pokal 1987 im Achtelfinale kampflos weiter und spielten in der Nexöhalle gegen AdW (Akademie der Wissenschaften) Berlin.“ Das war der Stamm der Nationalmannschaft. Alle Spieler waren viel athletischer und einen Kopf größer als die Greifswalder. Da waren die Hansestädter chancenlos.

Die Frauen qualifizierten sich bereits 1967 als einzige Mannschaft der drei Nordbezirke für das Finale der DDR-Studentenspartakiade und holten dort den dritten Platz. „Da unsere Damenmannschaft keinen gleichstarken Gegner in den drei Nordbezirken fand, konnte sie an den Aufstiegsspielen zur DDR-Liga teilnehmen und spielt seit 1968 in der DDR-Liga“, hieß es 1970 in der Universitätszeitung.

Carola Fieber hat ab 1973 in der Damenmannschaft gespielt. In der Saison 1988/89 holte die HSG-Frauenmannschaft sogar den ersten Platz in der DDR-Liga und stieg für eine Saison in die höchste Spielklasse, die Oberliga, auf.

„Wir waren recht vernünftig und nahmen keinen Alkohol zu den Spielen mit“, erzählt Carola Fieber über damalige Gepflogenheiten. „Es war eine schöne Zeit. Zu den Spielen sind wir gemeinsam mit dem Zug gefahren.“ Basketball sei ihrer Erfahrung nach seinerzeit ein guter Frauensport gewesen, weil es kaum Fouls gegeben habe. „Der Spaß, die Gemeinschaft stand im Mittelpunkt, und wenn wir verloren, haben wir gemeinsam geweint.“ Trainer Gerhard Bartels habe sich immer gute Taktiken ausgedacht. Freundschaftsspiele führten die Frauen nach Breslau (Wroclaw), Wilna (Vilnius) und Danzig (Gdansk).“

„Halle war in der Oberliga eine Klasse für sich. Da waren wir froh, wenn wir über die Mittellinie hinauskamen.“ Carola Fieber spielte schon als Schülerin in ihrer Heimatstadt, der Basketballhochburg Lauchhammer. Keine Stadt zum Leben wegen der großen Luftverschmutzung durch die Braunkohlekraftwerke der Umgebung. „Meine Mutter wischte morgens immer die Fensterbretter ab, und nach dem Radfahren musste ich mir das Gesicht waschen.“ Auch der Mann von Frau Fieber nahm am Wettkampfbetrieb teil. Das Paar hat drei Kinder. „Wir haben trotzdem am Wochenende gespielt“, erzählt sie. Die Töchter sind Basketballerinnen, und sogar Enkelinnen sind schon in diesem Sport aktiv.

Eckhard Oberdörfer

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