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Greifswald Die Lebensretter vom Lubminer Seebad
Vorpommern Greifswald Die Lebensretter vom Lubminer Seebad
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18:18 14.07.2019
Die Lebensretter (v.l.): Hans Kuty, Heinrich Brinkmeier und Axel Vogt am Rettungsturm in Lubmin. Quelle: Christin Lachmann
Lubmin

Axel Vogt erinnert sich noch genau an die Hilfe-Rufe, als ein kleiner Junge auf dem Bauch bewegungslos auf dem Wasser trieb: „Seine Geschwister schrien laut. Ich bin so schnell los gelaufen, wie ich konnte“, sagt er. Wenig später zog er den Jungen aus dem Wasser und begann mit den Wiederbelebungsmaßnahmen. Der kleine Junge, er überlebte glücklicherweise.

Es ist nur einer von unzähligen Einsätzen, die der Rettungsschwimmer in den vergangenen 38 Jahren seines Ehrenamtes erlebte. Axel Vogt, Rechtsanwalt, Bürgermeister von Lubmin (CDU) und einer von 40 Rettungsschwimmer der Wasserwacht im Seebad.

Behandeln von Verletzungen und Insektenstichen Routine

Derzeit herrscht Hochbetrieb: Hunderte Touristen tummeln sich an heißen Tagen an dem etwa fünf Kilometer langen Strand, sonnen sich in der Mittagshitze, spielen Volleyball oder kühlen sich im Wasser des Greifswalder Boddens ab.

Vier Rettungskräfte vom Kreisverband des Deutschen Roten Kreuz (DRK) sind in der Hauptsaison, die mit den Sommerferien beginnt, zeitgleich täglich von morgens bis abends dort im Einsatz. Vom Rettungsturm aus, der sich direkt an der Seebrücke befindet, haben sie einen Blick über den gesamten Strand. Kleine Verletzungen oder Insektenstichen behandeln, gehört zur täglichen Routine. Badende aus dem Wasser zu retten, die ertrinken könnten, komme nicht jeden Tag vor, bestätigt Axel Vogt.

Kein ausreichender Schwimmunterricht und Unachtsamkeit der Eltern

Doch es passiert: erst Ende Juni wieder. Ein junger Mann um die 16 oder 17 Jahre, schätzt Vogt, ist einige hunderte Meter weit raus geschwommen. Plötzlich schlug das Wetter um. Die Strömung veränderte sich, Wellen türmten sich auf. Der Mann habe sich kaum noch über dem etwa drei Meter tiefen Wasser halten können. Mit letzter Kraft schaffte er es, sich an einem Holzbalken unter der Seebrücke festzuhalten. Vogt rettete ihn aus dem Wasser. Bis auf einige leichte Verletzungen durch Seepocken an den Balken habe er keine weiteren Folgen davon getragen.

Wetter und Wasser zu unterschätzen seien nur zwei Aspekte. Dass Kinder kaum noch ausreichend Schwimmunterricht bekommen und Eltern zu leichtfertig mit den Gefahren im Wasser umgehen, weitere, so Vogt. „Viele denken, dass das Absolvieren des Seepferdchens (Anm. R.: unter anderem mindestens 25 Meter weit schwimmen) ausreicht. Doch im Schwimmbad herrschen andere Bedingungen. Das Wasser ist warm und Wellen gibt es nicht.“ Ein Trend, der sich seit Jahren abzeichnet und bei Vogt Besorgnis auslöst: Eltern seien zu sehr mit ihren Handys beschäftigt und verlieren die Kinder immer mehr aus den Augen.

Nachwuchsmangel auch in Vorpommern zu merken

Einige Menschen konnte Axel Vogt nur noch tot aus dem Wasser bergen. Dabei bestehe nicht nur bei Badenden die Gefahr, zu ertrinken. Auch Wassersportler können in Seenot geraten. Eine brenzliche Situation erlebten zwei Segler, als ihr Boot kenterte. Nur mit großer Mühe konnten sie sich festhalten. Einer verlor das Bewusstsein. In letzter Sekunde wurden sie gerettet.

Hans Kuty und Heinrich Brinkmeier gehören zu den älteren Kalibern der Lubminer Rettungsschwimmer. Kuty, 71 Jahre, früher Lehrer, kommt mehrmals die Woche. Brinkmeier, Professor an der Greifswalder Uni und Triathlet, einige Mal pro Monat. Kreislaufprobleme durch Hitze und Wadenkrämpfe können selbst erfahrene Schwimmer in brenzlige Situationen bringen, sagt Brinkmeier. Auch diese Gefahren werden unterschätzt.

Lubminer Wasserwacht derzeit noch gut aufgestellt

Neben den beiden gebe es auch Studenten und Schüler, die als Rettungsschwimmer in Lubmin aktiv sind, sagt Vogt. Doch der deutschlandweite Nachwuchsmangel schlägt sich auch in Vorpommern nieder, sagt Franziska Krause, Öffentlichkeitsmitarbeiterin beim DRK. Über die Gründe für den Rückgang könne sie nur spekulieren.

Die neue Generation, die über andere Interessen verfügt, würde sich negativ auf dieses Ehrenamt auswirken, sagt Krause. Ein weiterer Grund, der auch auf Vogts Aussage beruht: „Immer weniger Kinder und Jugendliche lernen Schwimmen, die Wege zu den Schwimmbädern sind lang und so bringen weniger Menschen die erforderliche Qualifikation mit“, sagt die Öffentlichkeitsmitarbeiterin.

Derzeit ist Lubmin gut aufgestellt. Für die Zukunft plant Vogt Nachwuchs von der Freiwilligen Feuerwehr vor Ort zu gewinnen, um die Sicherheit der Strandbesucher zu garantieren. Denn ohne sie würde die Zahl der jährlichen Badetoten noch höher ausfallen.

Christin Lachmann

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