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Vorpommern Greifswald

Die Oldtimer der Feuerwehr

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15:06 07.02.2020
Die historische Handdruckspritze von 1911 der Velgaster Feuerwehr vor einem Einsatzfahrzeug aus der Gegenwart, das aber auch nicht mehr ganz taufrisch ist..   Quelle: Jörg Mattern
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Vorpommern

In den Feuerwehrgerätehäusern Vorpommerns stehen neben monderner Technik auch einige Relikte aus der Vergangenheit. Sechs Beispiele aus der Region.

Velgast: Acht Feuerwehrleute sorgen für den nötigen Druck

So erfolgte die Ausbildung an der historischen Handdruckspritze von 1911 in den 1930er Jahren in Velgast. Quelle: HST

Etwas abseits heutiger Feuerwehrtechnik steht im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Velgast ein Schmuckstück aus den Anfangstagen des Lösch- und Rettungswesens in der Gemeinde – eine Handdruckspritze von 1911, gefertigt von der Firma Gustav Ewald in Küstrin bei Frankfurt/Oder. „Unsere Wehr wurde am 20. August 1911 gegründet und kurz vor dem Jahreswechsel wurde die Spritze angeschafft, für stolze 1600 Reichsmark“, sagt Peter Tews, der heutige Wehrleiter. Untergestellt wurde das gute Stück, das von zwei bis vier Pferden gezogen werden muss, zunächst in der Scheune des Pfarrers, der die Feuerwehr ins Leben gerufen hatte. Erst 1912 baute die Gemeinde ein Gerätehaus. Acht kräftige Feuerwehrleute sind nötig, der Spritze den Druck zu verleihen, der etwa 70 Liter Wasser pro Minute aus dem Schlauch pumpen kann.

Bis 1942 war die Handdruckspritze im aktiven Einsatz. Dann kam das erste Feuerwehrauto der Marke Stoewer (Stettin) mit Motorspritze. Als dieses nach 1945 mit der Sowjetarmee gen Osten verschwand, wurde die alte Spritze wieder in Dienst gestellt.

Zum 50. Geburtstag der Velgaster Wehr wurde das Kleinod in einer Scheune wiederentdeckt, aufgehübscht und führte dann den damaligen Feuerwehr-Umzug an. Bis heute ist die immer noch funktionsfähige Spritze ein gern gesehener Gast bei Feuerwehrfeierlichkeiten im Landkreis Vorpommern-Rügen.

Rügens „Oma“ steht in Buschvitz

Der Granit K27, Baujahr 1953, in Buschvitz. Quelle: Uwe Driest

„Unsere 'Oma' dürfte das älteste Feuerwehr-Fahrzeug auf der Insel sein“, sagt Kai Niemann. Der kümmert sich aufopferungsvoll um den Granit K27 aus dem Baujahr 1953. Das Löschfahrzeug führt eine Tragkraftspritze und eine Holzleiter mit und machte schon zu DDR-Zeiten in der Feuerwehr von Buschvitz Dienst. Acht Feuerwehrleute fanden im Innenraum Platz. „Heute transportieren die Wehren ihre Leute mit einem separaten Mannschaftstransportwagen, aber früher hatte man ja nur ein Fahrzeug“, sagt Niemann. Wenn überhaupt. Manche Spritze sei auch von einem Trecker zum Einsatzort gezogen worden. Die „Oma“ wurde später an das Oldtimer-Museum in Prora ausgeliehen. „Nach dem Bau unseres neuen Feuerwehrgerätehauses vor 15 Jahren haben wir sie wieder zu uns geholt.“ In ehrenamtlicher Arbeit erneuerten die Kameraden 'Anstrich, Trittbretter und Leisten. Heute wird der Oldie nur noch als Traditionsfahrzeug bei Umzügen oder Veranstaltungen wie Feuerwehr-Geburtstagen oder dem traditionellen Oldtimertreffen in Buschvitz aus der Garage geholt.

Sundhagens Feuerwehrchef: Meistens springt er an

Sundhagens Wehrführer Heiko Schammel (v.l.), Tobias Lembke, Gemeindevertreter in Süderholz, Vincent Kokert, Landesvorsitzender der CDU Mecklenburg-Vorpommern und karsten Bleeck, stellvertretender Löschgruppenleiter in Miltzow vor dem Brandshagener Feuerwehrgebäude, das derzeit gebaut wird. Tobias Lembke und Vincent Kokert im W50 aus dem Jahr 1974. Quelle: Almut Jaekel

Noch tut er seinen Dienst – der W50 aus dem Jahr 1974. „Der kommt bei uns regelmäßig zum Einsatz und meistens springt er auch an“, sagt Sundhagens Wehrführer Heiko Schammel. Das Fahrzeug der Sundhagener Feuerwehr in der Löschgruppe Brandshagen ist vor allem als Wasserträger unterwegs. Wir verfügen über einen hydraulischen Rettungssatz, haben aber nur 600 Liter Wasser direkt am Fahrzeug“, erklärt Schammel. Vor allem deshalb werde der Oldtimer weiterhin gebraucht. Schließlich sei die Löschgruppe Brandshagen mit ihren 21 aktiven Mitgliedern auch für den Rügenzubringer zuständig.

Allerdings soll das fast fünf Jahrzehnte alte Fahrzeug ersetzt werden. „Wir sollen drei neue Tragkraftspritzenfahrzeuge/Wasser (TSF-W) bekommen“, sagt Schammel. 170 dieser neuen Fahrzeuge sind fürs gesamte Land MV geplant. Deshalb rechnet der Feuerwehrchef noch nicht so schnell mit dem Ersatz. Aber wenn die neuen Feuerwehrfahrzeuge kommen, dann werde der alte W50 endlich außer Dienst gestellt. Ob er dann ebenfalls wie ein „G 5“ TLF 15 von 1953, der auch der Sundhagener Wehr gehört, im Technikmuseum Grimmen landet?

Tempel: 48 Jahre alt und noch immer im Einsatz

Tempel bei Ribnitz-Damgarten, hier leistet ein 46 Jahre alter Ford TSF seinen Dienst. Quelle: Robert Niemeyer

Wirklich viele Einsätze fährt er nicht, doch die Kameraden der Feuerwehr in Tempel bei Ribnitz-Damgarten hegen und pflegen ihr Ford Tragkraftspritzenfahrzeug. Am 21. Juli 1972 wurde der Ford Transit zugelassen. Und der Ford TSF ist tatsächlich bis heute im Einsatz. Dreimal rückten die Tempeler Kameraden im vergangenen Jahr aus. Die Feuerwehr Tempel gehört als Einheit zur Freiwilligen Feuerwehr Ribnitz-Damgarten.

Knapp 20000 Kilometer hat das fast 48 Jahre alte Gefährt erst auf der Uhr. Nicht wirklich viel. „Aber wenn wir gebraucht werden, sind wir da“, sagte unlängst Helmut Rapp, Chef der Einheit Tempel. Über Ribnitz-Damgartens Partnerstadt Buxtehude fand der Ford den Weg nach Tempel. Die Ortswehr Ovelgönne/Ketzendorf, eine Einheit der Buxtehuder Wehr, „verkaufte“ das TSF kurz nach der Wende für eine symbolische D-Mark.

Die Kameraden der Tempeler Feuerwehr kennen sich glücklicherweise im Kfz-Bereich aus und sorgen dafür, dass der Ford in Schuss bleibt. Allerdings sind Ersatzteile nur noch bei speziellen Händlern zu bekommen.

Garz auf Usedom: Wenn der erstmal läuft...

Wehrführer Matthias Renz steht vor dem 50 Jahre alten Tanklöschfahrzeug im Garzer Gerätehaus. Quelle: Henrik Nitzsche

Er braucht ein bisschen, um in Fahrt zu kommen. Wenn er erstmal läuft, bringt er noch seine 85 km/h“, sagt Wehrführer Matthias Renz und meint damit sein ältestes Gefährt im Stall. Im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Garz auf der Insel Usedom steht ein Fahrzeug, das ein halbes Jahrhundert alt ist und zu den ältesten im Landkreis zählen dürfte. Das Tanklöschfahrzeug vom Typ Mercedes Kurzhauber hat trotz Baujahr 1970 laut Renz nur knapp 24 000 Kilometer auf dem Tacho. Der Oldie kann sechs Kameraden und 2500 Liter Wasser zum Einsatzort bringen.

Die Garzer haben das Fahrzeug 1999 von der Ahlbecker Feuerwehr gekauft, berichtet der Wehrführer. Technisch sei der Mercedes noch gut in Schuss. „Wenn er auf Touren kommt, ist es im Wagen aber so laut, dass man kaum den Funk versteht“, sagt Renz, der im März 2019 die Führung bei der Feuerwehr übernommen hat. „In naher Zukunft brauchen wir ein neues Fahrzeug. Das weiß die Gemeinde“, sagt Renz. In der Nähe befinden sich der Flughafen Heringsdorf, die Begegnungsstätte auf dem Golm und mehrere Ferienhausgebiete.

Weitenhagen: Vom Lückenbüßer zur Dauerlösung

Das Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Weitenhagen feiert bereits im Sommer 2020 sein 50. Jubiläum. Quelle: Lena-Marie Walter

Es sollte nur zwei bis drei Jahre bleiben, bis zum Kauf eines neuen Fahrzeugs. Heute, nach 16 Jahren, steht das Tanklöschfahrzeug noch immer in den Hallen der Feuerwehr Weitenhagen. Die „Oma“ wie sie den Mercedes 1113 nennen, feiert in diesem Jahr ihr 50. Jubiläum. „Wir haben das Fahrzeug 2003 von einem bayerischen Sammler geholt. Eigentlich stand es dort schon ausgesondert mit anderen Fahrzeugen in der Garage – aber wir haben es dann gekauft“, erzählt der stellvertretende Wehrführer Torsten Krumm. Die „Oma“ hielt die Männer von Beginn an auf Trab: „Als wir das Auto geholt haben, hielten wir an einer Tankstelle und haben nach dem Tank gesucht. Selbst unsere Berufskraftfahrer fanden ihn erst nicht.“, erinnert sich Krumm. Letztlich hätten sie ihn gefunden – unter dem Beifahrersitz.

Die 21 aktiven Feuerwehrleute investieren viel Zeit und Kraft, um das Fahrzeug von 1970 am Laufen zu halten. Trotz seiner Mängel habe es die Männer und Frauen noch nie im Stich gelassen: „Wenn es anspringt, fährt es auch, bis der Tank leer ist“, sagt Torsten Krumm.

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Von Jörg Mattern, Almut Jaekel, Uwe Dreist, Lena-Marie Walter, Robert Niemeyer, Henrik Nitzsche

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