Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Muss Greifswalder Kirchenmusikprofessor evangelisch sein?
Vorpommern Greifswald Muss Greifswalder Kirchenmusikprofessor evangelisch sein?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:48 09.07.2019
Prof. Hans-Jürgen Modeß in Aktion im Greifswalder Dom Quelle: Peter Binder
Greifswald

Ist es nur die falsche Religion? Fakt ist eines: Es gibt immer noch keinen Nachfolger für den Greifswalder Professor Jochen Modeß. Dabei haben nach den Informationen der OZ die Bewerber um die Nachfolger des bekannten Kirchenmusikers und einfallreichen Intendanten der Bachwoche schon im Januar letzten Jahres „vorgesungen“, das heißt ihre Probevorlesungen gehalten. Die besten Drei wurden – wie üblich – ausgewählt. Allerdings, das bestätigen mehrere Quellen, ist die Nummer ein Katholik. Ein Dementi gibt es von keiner Seite.

Unabhängig davon ist die bis zum Ende der Dienstzeit von Modeß am 30. September 2018 ohne Weiteres mögliche Berufung eines Nachfolgers nicht erfolgt und auch nicht zum Sommersemester 2019.

„Wir haben unsere Arbeit auf allen Ebenen der Universität getan“, informiert der Direktor des Instituts für Kirchenmusik und Musikwissenschaften, Matthias Schneider zum Stand. Er ist Professor für Kirchenmusik/Orgel. „Der Ball liegt jetzt im Ministerium.“

Nordkirche muss gehört werden

Schwerin beruft indes den Professor für Kirchenmusik/Chorleitung nicht ohne Beteiligung der Nordkirche. Das regele der der 1994 zwischen Land und evangelischer Kirche geschlossenen Güstrower Vertrag und entsprechenden Folgevereinbarungen, erinnert deren Sprecher Stefan Döbler. „Für eine Anstellung ist die Zustimmung der Kirche hinsichtlich Lehre und Bekenntnis der beziehungsweise des Anzustellenden erforderlich.“

Ansonsten wiederholt er seine im April auf OZ-Anfrage geäußerte Antwort. Die Modeß-Nachfolge sei auf eine Personalangelegenheit der Uni, zu der man sich nicht äußern werde.

Möglicherweise kommt aber bald Bewegung in die Angelegenheit. „Seit wenigen Tagen liegt dem Bildungsministerium das Antwortschreiben der Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt vor, in dem sie sich zur Besetzung der betreffenden Professur an der Universität Greifswald positioniert“, informiert Pressereferentin Kathrin Siegert. „Wir werden die darin aufgeführten Punkte – auch in Absprache mit dem für Kirchenangelegenheiten zuständigen Justizministerium – sorgfältig prüfen und dann – ebenfalls in Absprache mit dem Justizministerium – eine Entscheidung treffen.“

Kantoren müssen evangelisch sein

Die Berufung eines Katholiken als Professor ist für die Nordkirche nicht nur wegen des Güstrower Vertrages von 1994 ein Problem. Kirchenmusikdirektor Modeß hatte auch eine halbe Stelle als Kantor von St. Nikolai und war eben künstlerischer Leiter der von der Nordkirche getragenen Bachwoche. „Ein sehr kompliziertes Konstrukt“, sagt ein Insider.

Kantor in der Nordkirche darf laut Mitarbeitsanforderungsgesetz der Nordkirche vom 29. November 2017 nur sein, wer „Mitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) oder einer Kirche, mit der die EKD in Kirchengemeinschaft verbunden ist“, so Stefan Döbler.

Für die Berufungskommission der Uni ist die Religionszugehörigkeit kein vorrangiges Problem, den Lehrstuhl bezahlt seit der Zusammenführung von Kirchenmusik und Musikwissenschaften 1996 das Land. Damals wurden Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik und die Kirchenmusikschule zusammengelegt.

Absolvent vertritt Chorleitungs-Professur

Eine einfache Möglichkeit wäre es, das Paket aufzuschnüren, so hört man. Zum Beispiel, indem das Amt des Kantors an St. Nikolai und künstlerischen Leiters der Bachwoche vom Lehrstuhl für Kirchengeschichte getrennt wird. Die schon bestehende Kooperation mit der Uni für das Festival geistlicher Musik könnte trotzdem bestehen bleiben.

Eine Bachwoche gab es 2019 auch ohne Modeß. Die Landeskirchenmusikdirektoren der Nordkirche Prof. Frank Dittmer (Greifswald), Hans-Jürgen Wulf (Hamburg) und Prof. Schneider als Direktor des Instituts für Kirchenmusik und Musikwissenschaften wirkten als Interimsintendanten.

Der frühere Modeß-Lehrstuhl für Kirchenmusik mit dem Schwerpunkt Chorleitung wird durch einen jungen Greifswalder Absolventen seit Beginn des Sommersemesters im April 2019 vertreten. Friedrich Kühn erwarb in der Hansestadt 2015 ein Kirchenmusik B-Diplom und absolvierte bis 2018 ein Aufbaustudium im Fach Chorleitung bei Modeß. Seit 2016 promoviert er bei Matthias Schneider über die Orgelgeschichte Anklams.

Lesen Sie weiter:

73. Bachwoche in Greifswald: Es lebe die Schöpfung

Monument des Glaubens 

Eckhard Oberdörfer

In der Woche vom 1. bis zum 7. Juli sind im Universitätsklinikum in Greifswald 22 Mädchen und Jungen geboren worden. Darunter befinden sich auch drei Sonntagskinder.

08.07.2019

Nachzucht von Moos soll den klimaschädlichen Abbau von Torf verringern. Welche Art dafür am besten geeignet ist, erkunden Naturwissenschaftler an der Universität Greifswald.

08.07.2019

Der erste Spatenstich für den Neubau der Integrierten Gesamtschule „Erwin Fischer“ in Greifswald wurde im Sommer 2017 von Schülern und Lehrern gefeiert. Jetzt gehen die Arbeiten dem Ende entgegen. Bis zu 50 Handwerker sind derzeit täglich auf der Baustelle, um alle Arbeiten bis zum Schuljahresbeginn fertigzustellen.

07.07.2019