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Greifswald Sie nimmt Pflanzen vor Krankheitserregern in Schutz
Vorpommern Greifswald Sie nimmt Pflanzen vor Krankheitserregern in Schutz
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08:12 28.03.2019
Professor Ulla Bonas ist wissenschaftliche Direktorin des Krupp-Kollegs Quelle: Anne Ziebarth
Greifswald

Das Alfried Krupp Kolleg Greifswald hat seit Oktober letzten Jahres eine neue wissenschaftliche Direktorin. Jetzt hielt Professorin Ulla Bonas ihre Antrittsvorlesung und stellte sich dem Greifswalder Publikum vor. Ihr Fachgebiet „Molekulare Pflanzenpathologie mit Schwerpunkt Genetik“ hört sich für den Laien zunächst recht sperrig an, Ulla Bonas schaffte es aber nicht nur, das Thema verständlich aufzubereiten, sondern auch noch ihre eigene Begeisterung für die Naturwissenschaften ins Publikum zu tragen. „Wir wollen verstehen, wie bakterielle Krankheitserreger Pflanzen krank machen können und welche Mechanismen sie dafür nutzen“, erklärt die 63-Jährige. Viele Bakterien würden eine Art molekularer Spritze nutzen, mit der Proteine in die Pflanzenzelle injiziert werden würden. „Diese bakteriellen Proteine manipulieren die Zelle so, dass die zelleigene Abwehr außer Kraft gesetzt wird. Diese Prozesse und auch die Reaktionen der Pflanzen auf solche Angriffe untersuchen wir.“ Da diese Interaktionen auch bei Nutzpflanzen vorkommen, kann ein Verständnis der Prozesse auch neue Pflanzenschutzkonzepte hervorbringen. Studiert und promoviert hat die Biologin in Köln, danach ging es weiter nach Berkeley, Berlin und Paris bevor sie eine Professur für Pflanzengenetik in Halle annahm.

Die Wissenschaftlerin ist vielbeschäftigt, neben ihrer Arbeit in der Forschung und Lehre ist sie seit 2015 Vizepräsidentin der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften, mit Sitz in Halle. „An meiner neuen Aufgabe im Krupp-Kolleg haben mich die Nähe zur Wissenschaft und die Gestaltungsmöglichkeiten gereizt “, sagt sie. „Die Fellows der Krupp-Stiftung sind hier intensiv mit ihrem jeweiligen Projekt beschäftigt, es gibt sehr bereichernde und interessante Gespräche. “ Als Fellows werden exzellente Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen bezeichnet, die in Greifswald die Möglichkeit bekommen, fernab von ihrer sonstigen universitären Forschungsarbeit ein umfangreiches Projekt zu bearbeiten. Kooperationen mit Greifswalder Wissenschaftlern sind dabei ausdrücklich erwünscht. Die Plätze sind heiß begehrt. „Auf die zwölf zur Verfügung stehenden Plätze hatten wir zuletzt 340 Bewerbungen“, erzählt Bonas. „Fast alle aus den Geisteswissenschaften. Das liegt daran, dass für naturwissenschaftliche Forschungen in der Regel Labore benötigt werden, die wir nicht stellen können.“

In Zukunft wünsche sie sich vermehrt Bewerbungen von Naturwissenschaftlern. Einige Kollegen der Universität Greifswald hätten bereits ihre Bereitschaft geäußert, Laborplätze zur Verfügung zu stellen. Ihr Fachgebiet in die Ausrichtung der Alfried Krupp Stiftung einfließen lassen, will Bonas aber nicht. „Nein, das sind zwei ganz unterschiedliche Dinge“, sagt sie. „Meine Forschungsgruppen sind in Halle gut aufgehoben.“ Ihre Energie will sie in Greifswald auch in die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses stecken, schließlich treffen sich im Kolleg auch die Deutschland-Stipendiaten unterschiedlicher Studiengänge. „Ich habe viel Führungserfahrung und setze auf Dialog“, sagt Ulla Bonas von sich. Sie gibt gerne Anregungen, vernetzt die Akteure und verfolgt dann die Entwicklungen. „Das Krupp Kolleg ist exzellent aufgestellt, ich habe ein gut bestelltes Haus übernommen “, konstatiert sie. Neue Ideen hat die umtriebige Professorin natürlich trotzdem mitgebracht. „Ich möchte zum Beispiel eine Vortragsreihe mit Leibniz-Preisträgern starten“, erzählt sie. „Das ist der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland.“

Das Krupp Kolleg Greifswald veranstaltet in der Regel mehrere wissenschaftliche Lesungen und Diskussionen in der Woche, die kostenfrei sind. Zu den nächsten Veranstaltungen im Krupp Kolleg zählen ein Vortrag von Claus Kleber am 9. April (Nur mit Anmeldung) über die Zukunft des Journalismus in Zeiten von Fake News und Digitalisierung. Am 16. April folgt ein öffentlicher Abendvortrag über Meta-Omics in Greifswald: von Mikroben, Menschen, Mäusen und Mooren. Das vollständige Programm findet man hier: Alfried Krupp Stiftung Sommersemester

Anne Ziebarth

Grundsicherung im Selbstversuch: Die OZ-Redakteure Christin und Kai Lachmann leben einen Monat vom Hartz-IV-Regelsatz. Im Blog berichten sie täglich von ihren Erfahrungen.

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