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Greifswald „Die reinste Abzocke“: Hohe TV-Gebühr im Greifswalder Uniklinikum in der Kritik
Vorpommern Greifswald „Die reinste Abzocke“: Hohe TV-Gebühr im Greifswalder Uniklinikum in der Kritik
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14:33 10.11.2019
Patientin Katrin Watzke ist sauer über die hohen Fernsehgebühren im Uniklinikum Greifswald. Quelle: Petra Hase
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Greifswald

Katrin Watzke ist stinksauer. Seit Juli dieses Jahres liegt die 52-Jährige mit nur wenigen Tagen Unterbrechung im Universitätsklinikum Greifswald und hat seither 190 Euro für die Nutzung des Fernsehers bezahlt. Die Pauschale von 3,70 Euro pro Tag für das sogenannte „Patienten-Entertainment-System“ beinhaltet auch den W-Lan-Zugang fürs Internet sowie eine Telefon-Flatrate ins deutsche Festnetz. Mit diesen Kosten dürfte das Klinikum trauriger Spitzenreiter in Mecklenburg-Vorpommern sein. Nachfragen in anderen Kliniken des Landes ergaben, dass die Patienten dort weitaus weniger zur Kasse gebeten werden.

Patientin: „Das ist die reinste Abzocke

„Das ist die reinste Abzocke. Ich finde die Gebühren absolut unsozial“, wettert Katrin Watzke, die chronisch krank ist und daher regelmäßig und oft für lange Zeit auf Station muss. „Wer nur ein paar Tage hier verbleibt und dann wieder nach Hause kann, den stört die hohe Gebühr vielleicht nicht. Doch für einen Langzeitpatienten wie mich geht das richtig ins Geld. Hartz IV-Empfänger oder Senioren mit einer kleinen Rente können sich das garantiert nicht leisten“, schimpft sie. Unmöglich sei auch, dass jeder das Komplettpaket bezahlen müsse ohne Wahlmöglichkeiten. „Ich glaube kaum, dass sehr alte Patienten das W-Lan überhaupt nutzen“, so Watzke. Und auch mit dem Telefon sei es so eine Sache. „Fast jeder telefoniert doch hier mit seinem eigenen Handy“, sagt sie.

Dienstleister investierte in Ausstattung

In der Vergangenheit kosteten Fernsehen und Telefon pro Tag 1,50 Euro. Doch seit Jahresbeginn bedient sich die Universitätsmedizin Greifswald eines Dienstleisters. Laut Info-Tafel am Kassenautomat ist das die Elektronik-Service Mothes GmbH Leipzig. Sie investierte in die Ausstattung, was die Klinikleitung als positiv bewertete. Denn „die alten TV-Geräte waren bis zu 20 Jahre alt, das hauseigene W-Lan konnte den Bedarf durch Patienten bisher nicht in voller Leistungsstärke decken“, begründete Marie le Claire, Kaufmännischer Vorstand, den Vertrag mit dem externen Anbieter bereits im Januar gegenüber OZ. Allerdings sagte sie damals auch: „Für Patienten, die lange im Uni-Klinikum liegen, wird ab dem 16. Nutzungstag 40 Prozent Rabatt gewährt.“

Wiederkehrer haben das Nachsehen

Das jedoch ist nicht eingetreten. Zwar sinkt die Tagespauschale nach 50 Euro Umsatz oder ab dem 17. Aufenthaltstag von 3,70 auf 2,90 Euro. Das entspricht aber nur 22 Prozent Rabatt. Einen preiswerteren Tarif gebe es aufgrund der einfacheren Ausstattung nur noch auf der Weaningstation (Beatmungsstation). Gar völlig unberücksichtigt bleibt, wenn ein Patient nach wenigen Tagen erneut stationär aufgenommen wird – wie etwa Katrin Watzke. „Ich liege jetzt seit dem 25. Juli mit nur zwei kurzen Unterbrechungen im Klinikum, war zwischendurch einmal sechs Tage und einmal fünf Tage zu Hause“, erklärt sie und fügt hinzu: „Und jedes Mal musste ich mit dem vollen Preis von 3,70 Euro pro Tag wieder starten. Ich finde das eine Frechheit“, ärgert sich die Greifswalderin.

Problem bekannt

Das Problem ist der Unimedizin bekannt, wie eine OZ-Nachfrage bei Christian Arns, Leiter der Stabsstelle Kommunikation und Marketing, ergab. Der Betreiber des Entertainment-Systems suche bereits nach einer organisatorischen Lösung zur Rabattierung von Patienten, die innerhalb von 30 Tagen wiederkehren, so Arns. Doch das sei nicht so einfach. Denn: „Die Identifikation des Patienten geht über die Fallnummer, aus Datenschutzgründen ist dem Dienstleister der Name nicht bekannt. Wenn der Patient erneut ins Haus kommt, bekommt er eine neue Fallnummer und wird somit als neuer Patient erkannt“, erklärt er. Die Lösung dieses Problems müsse daher computertechnisch so erfolgen, dass sie auch den Vorgaben des Datenschutzes entspreche.

Kein Sondertarif für Hartz IV-Empfänger

Warum Fernsehen, W-Lan und Telefon nur im Gesamtpaket zu haben seien, begründet Arns so: Die jetzt angebotene Leistung sei das Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung. Neben dem bereits erwähnten Rabatt nach 50 Euro Umsatz sei ein weiterer nach 100 Euro Umsatz vertraglich vereinbart worden: Dann koste der Tagessatz nur noch 1,90 Euro. Sondertarife für Hartz IV-Empfänger, Studenten oder andere Personenkreise gebe es nicht. „Aber für Kinder sowie Patienten der Onkologie, Strahlentherapie und Palliativstation werden kostenfreie Dienste angeboten“, informiert Christian Arns.

„Da wird Geld mit den Armen gemacht.“ Volker Anklam (67) Quelle: Stefanie Ploch

„Da wird Geld mit den Armen gemacht“, sagt Volker Anklam. Für Patienten mit Grundsicherung sollte das Telefonieren seiner Meinung nach gratis sein. Grundsätzlich empfindet der 67-Jährige die Nutzungsgebühren für W-Lan, TV und Telefon als zu teuer. „Vielleicht könnte man ja einen Pauschalpreis einrichten, der sich je nach Liegezeit staffelt“, schlägt der gebürtige Greifswalder vor. Am schlimmsten sei aber, dass auch Angebote wie das W-Lan im Paket bezahlt werden müsse, wenn man sie gar nicht nutzt.

Genau das kritisiert auch Monica Schwert. „Ich habe ein Handy, mit dem ich telefoniere, und TV schaue ich auch nicht“, erklärt die 27-Jährige. „Meine Serien und Filme schaue ich im Internet. Dafür wäre ich auch bereit zu zahlen, aber nicht für Leistungen, die ich nicht in Anspruch nehme.“ Die Studentin findet es grundsätzlich richtig, für Angebote zu zahlen, jedoch sei der Preis übertrieben hoch. „Gerade für Leute mit wenig Einkommen ist das ein Problem“, findet sie. Ihr Vorschlag: Nur das zahlen, was man benötigt. „Man könne sich beispielsweise ein W-Lan-Passwort für einen Tag oder eine Woche kaufen, um es dann zu nutzen. Das wäre wahrscheinlich mehr Verwaltungsaufwand, aber es hätte weniger Diskussions-Potenzial“, sagt sie.

Kostenloses Fernsehen in anderen Kliniken

Patienten anderer Krankenhäuser müssen übrigens weit weniger oder gar nichts zahlen, weiß Katrin Watzke aus eigenem Erleben: „In Karlsburg etwa ist das Fernsehen kostenlos.“ Das bestätigt Kliniksprecherin Anette Pröber: „TV und W-Lan sind kostenfrei, ebenso die Parkplätze“, sagt sie. Lediglich für die Kopfhörer falle einmalig ein Euro an, falls jemand keine dabei habe. Auch die Universitätsmedizin Rostock gibt sich patientenfreundlich: „Unser W-Lan, Radio und TV sind derzeit kostenlos und das wird auch weiterhin so bleiben“, versichert Sprecherin Jenny Strozyk auf Anfrage.

Ebenso bieten die Helios-Kliniken in Schwerin und in Leezen ihren Patienten kostenfrei Fernsehen und Internetzugang an, berichtet Unternehmenssprecher Christian Becker. „In der Helios-Klinik Stralsund ist W-Lan frei, aber das Fernsehen kostet einen Euro pro Tag“, ergänzt er.

Im Kreiskrankenhaus Demmin sind Radioprogramme laut eigener Internetseite kostenlos, für Fernsehen, Telefon und Internet werden pro Tag zwei Euro kassiert. Die Asklepios Klinik Pasewalk informiert ihre Patienten auf der Homepage darüber, dass Fernsehen, Radio und Patiententelefon pro Tag zwei Euro kosten, bei Belegung in einem Zwei- bzw. Drei-Bett-Zimmer hingegen nur 1,50 Euro.

Von Petra Hase

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