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Greifswald Diedrichshagen bei Greifswald ging ins Risiko
Vorpommern Greifswald Diedrichshagen bei Greifswald ging ins Risiko
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13:27 08.02.2019
Der Bürgermeister von Diedrichshagen, Detlef Neumann, vor dem Gemeindezentrum Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Diedrichshagen

Nach der Wende war Detlef Neumann zunächst für die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) Mitglied der Greifswalder Bürgerschaft. 1994 zog der Lehrer mit seiner Familie nach Diedrichshagen und kandidierte fünf Jahre später als Einzelbewerber fürs Bürgermeisteramt. Er gewann mit acht Stimmen Vorsprung. Seither wurde er drei Mal wiedergewählt. Durch die Eingemeindung Diedrichshagens nach Weitenhagen mit der Kommunalwahl am 26. Mai fällt auch das Bürgermeisteramt weg.

Treten Sie für die neue Gemeindevertretung von Weitenhagen an?

Nein. Ich bin seit 20 Jahren Bürgermeister, und einmal muss Schluss sein. Aber ich freue mich, dass Diedrichshäger für die neue Gemeindevertretung kandidieren. Die lose Gemeinschaft „Aktives Dorfleben“ will am 19. Februar eine Wählergemeinschaft gründen.

Trauern Sie der Vision Großgemeinde Landhagen nach?

Sie hat auf jeden Fall alle Beteiligten sehr viel Kraft gekostet. Für das Scheitern ist viel mehr das Bauchgefühl als der Verstand verantwortlich, das haben wir unterschätzt. Dass Dersekow ausstieg, war so etwas wie ein Geburtsfehler. Wir wären in so einer Großgemeinde auch nur der „Wurmfortsatz“ gewesen und sind schon während der noch laufenden Diskussion nach einer Einwohnerversammlung ohne Beschluss ausgestiegen. Diedrichshagen fuhr von Anfang an zweigleisig und es gab vor der Idee der Gemeinde Landhagen schon erste Verhandlungen mit Weitenhagen.

Was war denn der größte Erfolg Ihrer Amtszeit?

Die schrittweise Umwandlung unserer einklassigen Dorfschule mit Lehrerwohnung in das Gemeindezentrum war ein echter Erfolg. Seit zehn Jahren steht es vollständig zur Verfügung. Hier treffen sich zum Beispiel Frauen zum Sport, es wird Tischtennis gespielt und in der alten Schule befinden sich die Sanitärräume für die Sportler.

Er ist auch Kinoraum, wie kam es dazu?

Das Dorfkino ist wirklich ein Kleinod. Entstanden ist es im Februar 2006 aus einem kleinen Projekt für soziales Handeln. Blockbuster werden in Diedrichshagen nicht gezeigt, aber es gab schon viele Highlights. So kam der Regisseur eines finnischen Films mit seiner Hauptdarstellerin zu uns. Spannend war es auch, als ein polnischer Streifen durch einen Synchronsprecher ins Deutsche übertragen wurde.

Der Kunstrasenplatz mit Flutlicht neben der alten Schule ist etwas Besonderes, den hat auch Weitenhagen nicht.

Ja, er wird sehr gut genutzt, es kommen inzwischen auch viele Gäste. Ohne den Platz gebe es unseren Sportverein nicht, den Eberhard Lüdtke seit der Gründung leitet. Er hat etwa 80 Mitglieder. Regelmäßig wird Fußball gespielt. Daneben ist der Bogensport in Diedrichshagen Zuhause, der sogar international erfolgreich ist.

Wurde der Kunstrasenplatz wirklich ohne Fördermittel gebaut?

Ja, wir haben ihn mit dem Verkauf des Grundstücks finanziert, auf dem heute das Gebäude des Zweckverbandes Wasser Abwasser Boddenküste steht. Um dessen Ansiedlung hatte sich auch Groß Kiesow bemüht. Wir konnten noch die Möglichkeit zur Anlegung eines Parkplatzes bieten. Der wird jetzt am Tag für die ZWAB-Mitarbeitern und abends und am Wochenende von Sportler und Besuchern des Gemeindezentrums genutzt.

Sieht der Flächennutzungsplan noch Bebauungsgebiete für Eigenheime vor?

Wir haben gar keinen F-Plan. Meine Vorgänger haben leider die Zeit nicht genutzt, um sich, wie in den 1990er Jahren üblich, so einen Plan zu 100 Prozent fördern zu lassen. Wir arbeiten jetzt an einem Bebauungsplan für die Lange Reihe. Dort wird es Grundstücke für drei bis vier Einfamilienhäuser geben.

Braucht man für so ein kleines Vorhaben einen B-Plan?

Wir wollen, dass in Diedrichshagen ländlich gebaut wird. Mit dem B-Plan wird verhindert, dass Reihen- oder Mehrfamilienhäuser entstehen. Auch der B-Plan für den Gutshof in Guest dient der Erhaltung des Ortsbildes, sonst würden dort schon Carports oder Ähnliches stehen.

Die Guester Straßen sind holprig. War für mehr kein Geld da?

Wir wollen jetzt sehen, ob die Ausbaubeiträge für Anwohner wirklich wegfallen und waren auch wegen fehlender Fördermittel bisher sehr zurückhaltend. Immerhin wurde 2010 der Kastanienweg ausgebaut. Bis heute fehlt eine Lösung für die Pflege des Kleinen Wegs. Wegen der örtlichen Gegebenheiten wäre das sehr teuer. Wir haben bisher keine Lösung.

Kann dafür nicht die Fusionsprämie für die Hochzeit mit Weitenhagen eingesetzt werden?

Die ist schon für andere wichtige Vorhaben wie die Erneuerung des Kunstrasenplatzes vorgesehen. Vordringlicher ist ohnehin die Entwässerung. Bei den starken Regenfällen 2011 stand Diedrichshagen in einigen Bereichen unter Wasser. Die mit Hilfe der Agrar GbR Groß Kiesow geschaffene Entwässerung hat sich inzwischen wieder zugesetzt. Um den Vorfluter, den Graben 46, zu erreichen müssen wir eine sehr lange Verbindung vergleichbar dem Kohlgraben in Neuenkirchen schaffen.

Stimmt es eigentlich, dass man jeder Diedrichshäger mit mindestens 50 Megabyte im Internet surfen kann. Wie haben Sie das geschafft?

Wir haben uns gegen die Kommunalaufsicht durchgesetzt, die meinte, dass für uns eine Funklösung reicht. Tobias Zimmermann, der Verantwortliche für den DSL-Ausbau im Osten, war hier, der Saal war voll. 20.000 Euro fehlten der Telekom laut Prognose für die Wirtschaftlichkeit der Investition. Diese Summe hat die Gemeinde garantiert. Aber das Interesse war so groß, dass wir nicht zahlen mussten.

Die Legalisierung des Übergangs über die Bahnstrecke Greifswald-Lubmin bei Guest war einer ihrer ersten Erfolge.

Es fahren selten Züge und sie kündigen sich mit Signal an. Illegal wird der Übergang genutzt. Der Weg dorthin wurde immer wieder überpflügt. Die jetzige Drängelsperre hat sich bewährt, hat aber die Gemeinde viel Geld gekostet. Wir konnten wir dort außerdem eine 300 Meter lange Hecke anlegen, die im Frühling immer ganz toll blüht.

Warum gibt es eigentlich keinen Jugendklub mehr?

Das ist schade, aber die Aktiven wurden immer älter. Als der Erste 40 wurde, haben wir dem Klub noch ein halbes Jahr gegeben, um junge Leute zu gewinnen. Das hat nicht geklappt. Inzwischen hat sich das Freizeitverhalten geändert, die Jugendlichen sitzen Zuhause vor ihren Rechnern, sie brauchen wohl keinen Klub mehr.

In Greifswald ärgert man sich immer noch mit den Grundstücken des ehemaligen Greifswalder Immobilienunternehmers Torsten Abs herum wie der Brandvilla in der Schützenstraße. Der Wohnblock, der ihm und seinem Vater gehörte, ist ja inzwischen saniert. Hat er verkauft?

Nein, das Grundstück wurde zwangsversteigert. Kurz vor Ablauf der Frist um 24 Uhr hat er mit einem handgeschriebenen Fax beim Amtsgericht noch Widerspruch eingelegt und damit das Verfahren verzögert. Herr Abs hat ja Jahre lang immer wieder versichert, dass es demnächst losgeht. Den Block hat ein Berliner übernommen, saniert und einfache Wohnungen geschaffen. Diese sind gefragt.

Also ist Torsten Abs in Diedrichshagen Geschichte?

Nein. Er hat seit Jahren Grundsteuern nicht bezahlt. Ihm gehört noch die frühere Schweinemastanlage. Aber wir haben keine Adresse. 2011 gab es den letzten Kontakt. Dabei gab es sogar eine Lösung, die den Abriss der Ruinen wirtschaftlich ermöglicht hatte. Das Amt für Raumordnung und Landesplanung wollte anstelle der Mastanlage eine kleine Siedlung zulassen.

20 Jahre Bürgermeister hat es Spaß gemacht?

Ja, ich habe dadurch sehr viele Leute kennengelernt und Verbindungen, zum Beispiel für die Organisation des Dorffestes, geknüpft. Wenn dann Leute sagen „Bürgermeister, das hast Du toll gemacht“, ist das ein schönes Gefühl.

Sie waren auch in der Bürgerschaft, wo ist der Unterschied zum Amtsausschuss, den sie seit vielen Jahren leiten?

Die Sitzungen dauern nicht so endlos lange. Es gibt nicht dieses Parteiengezänk, sondern Sacharbeit. Man kann schon von einer anderen Qualität sprechen.

Eckhard Oberdörfer

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