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Greifswald Diese Jugendlichen mischen im Greifswalder Rathaus mit
Vorpommern Greifswald Diese Jugendlichen mischen im Greifswalder Rathaus mit
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12:44 25.10.2019
Kinder- und Jugendbeirat Greifswald mit Julian Döhler, Maria Löpke, Clara Michel Placido, Niklas Wagner und Johann Kowalzyck (v.l.n.r) Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Die Angst um den Klimawandel treibt die Greta-Thunberg-Generation weltweit auf die Straße, auch in Greifswald. Doch die Jugendlichen in der Hansestadt wollen nicht nur dieses Thema in den politischen Raum tragen. Seit August engagieren sich 13 Kinder und Jugendliche aktiv im Kinder- und Jugendbeirat. Einen ersten Erfolg haben sie bereits errungen, indem sie sich Rederecht in den Ausschüssen der Bürgerschaft erkämpft haben. „Wir machen keine Parteipolitik, sondern vertreten die Interessen unserer Generation“, sagt Clara Michel Placido. Wer sind die Macher im Kijubei und was hat sie motiviert, Politik zu machen? Die OZ stellt fünf Mitglieder vor.

Johann Kowalzyck, 11 Jahre, Ernst-Moritz-Arndt-Schule:

Johann Kowalzyck (11 Jahre) Quelle: Martina Rathke

Johann ist das jüngste Mitglied im Kinder- und Jugendbeirat und hat über einen Flyer von der Gründung des Gremiums erfahren. „Ich habe gedacht, das könnte interessant werden“, sagt Johann. „Ich interessiere mich für Politik und was die verschiedenen Parteien machen.“ Sein Hauptthema ist der Klimaschutz. Deshalb hat sich Johann auch in der ersten Ausschusssitzung des Umwelt- und Klimaausschusses zu Wort gemeldet. „Ich wollte wissen, warum für Kinder und Jugendliche die Buspreise nicht abgesenkt werden können.“ Die Antwort von Stadtwerke-Chef Thomas Prauße habe ihn nicht zufriedengestellt. „Ich habe im Ausschuss gemerkt, dass die Erwachsenen nicht so hart rangehen wollen“, so seine Beobachtung. Engagieren will er sich später einmal bei den Grünen.

Maria Löpke, 18 Jahre, Azubi als Fachkraft für Altenpflege:

Maria Löpke (18), Quelle: Martina Rathke

Mit ihrem Ausbildungshintergrund interessiert sich Maria besonders für soziale Themen. „Ich will mitreden, damit sich etwas verändert“, sagt Maria, die bereits den Sozialausschuss in der Bürgerschaft besuchte. Seit Jahren werde über notwendige Änderungen in der Pflege gesprochen, aber bislang sei wenig passiert. Auch wenn die Pflegegesetzgebung nicht in kommunale Hoheit falle, will sie sich für soziale Themen engagieren. „Die Politiker gehen zu lasch ran. Sie reden, reden, reden, aber es tut sich nichts“, sagt Maria. „Ich finde, dass mehr für Kinder und Jugendliche getan werden muss.“ So fehlten in Greifswald schöne Spielplätze. Dass sich die SPD so stark für den Klimanotstand einsetzt, habe ihr imponiert.

Clara Michel Placido, 17 Jahre, Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium:

Clara Michel Placido (17 Jahre) Quelle: Martina Rathke

„Ich interessiere mich seit Langem für Politik und politische Prozesse.“ In vier Ausschusssitzungen saß Clara bereits. Am intensivsten sei die Diskussion im Umwelt- und Klimaausschuss gewesen, als es um den Maßnahmekatalog für Klimaschutzmaßnahmen ging. „Politik lebt von der Diskussion und vom Meinungsaustausch.“ Neben der Klimapolitik liegt Clara die Schulpolitik am Herzen. Die Schule sei viel zu stark auf Leistung und zu wenig auf Persönlichkeitsentwicklung orientiert, sagt Clara. „Gute Noten werden die Menschen und die Welt nicht besser machen.“ Die 17-Jährige, die sich auch aktiv an der Bildungsdemo am vergangenen Samstag beteiligte, möchte später einmal beruflich mit Politik zu tun haben. Für welche Partei sie sich engagieren will, habe sie noch nicht entschieden. „Bei uns im Kinder- und Jugendbeirat spielt Parteipolitik keine Rolle, wir arbeiten überparteilich im Interesse der Kinder und Jugendlichen.“

Julian Döhler, 15 Jahre, Ostseegymnasium:

Julian Döhler (15 Jahre) Quelle: Martina Rathke

Julian ist über eine Klassenkameradin auf den Kinder- und Jugendbeirat aufmerksam geworden. Was macht für ihn den Reiz aus, in dem Gremium mitzuarbeiten? „Wir bekommen eine Stimme gegenüber höheren politischen Instanzen“, sagt Julian. Die politische Arbeit finde er spannend. „Man muss versuchen, auch kleine Ideen in größere politische Konzepte einzubinden.“ Als Beispiel nennt Julian das Thema Mobilität. Die Politiker sollten nicht von Vornherein sagen, kostenloser ÖPNV geht nicht, ist zu teuer. Man müsse Alternativen suchen und in der gemeinsamen Diskussion einen Weg finden. Er wünscht sich, dass sich der Kinder- und Jugendbeirat in der ersten Wahlperiode so etabliert, dass Kinder und Jugendliche von allein auf den Beirat zukommen und ihre Probleme benennen. Über das Kinder- und Jugendforum, das der Kijubei in regelmäßigen Abständen organisiert, tragen sie die Informationen aus dem Rathaus an ihre Generation heran.

Niklas Wagner, 17 Jahre, Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium:

Niklas Wagner (17 Jahre) Quelle: Martina Rathke

Der Schüler ist bereits bei den Jungen Liberalen, der Jugendorganisation der FDP, politisch aktiv. „Man sieht, dass international das Interesse von Jugendlichen an Politik wächst.“ Jugendliche müssten sich aber auch auf kommunaler Ebene politisch engagieren, weil man dort die größten Veränderungen bewirken könne. Sein Interesse sind die Verkehrs- und Schulpolitik. „Wenn ein kostenloses Busticket für Schüler nicht geht, dann muss die Politik Alternativen schaffen“, sagt er. Dazu müssten Politiker auch kooperieren und nach Kompromissen suchen. Auch er kritisiert das Bildungssystem. „Wir als Schüler können aber unsere Erfahrungen an die Politiker herantragen, damit diese etwas verändern können.“

Was denken Jugendliche?

Vor einer Woche wurde die Shell-Jugendstudie veröffentlicht. Sie gibt Einblick, was die Generation der 12- bis 25-Jährigen in Deutschland denkt und was ihr wichtig ist. Wurden 2010 noch die wirtschaftliche Lage und steigende Armut sowie Angst vor Arbeitslosigkeit oder davor, keinen Ausbildungsplatz zu finden, als Probleme der Generation benannt, hat sich das Bild seitdem deutlich verändert. Aktuell benennen fast drei von vier Jugendlichen die Umweltverschmutzung als das Hauptproblem, das ihnen Angst macht, gefolgt von der Angst vor Terroranschlägen (66 %) sowie dem Klimawandel (65 %). Das politische Interesse von Jugendlichen ist zu 2015 leicht rückläufig. Als stark interessiert bezeichnen sich 8 Prozent der Jugendlichen, weitere 33 Prozent sehen sich als interessiert. Die Studie ergab aber auch, dass mindestens ein Drittel der Jugendlichen für populistische Positionen empfänglich ist. Neun Prozent stimmen rechtspopulistischen Positionen zu.

Von Martina Rathke

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