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Greifswald Dieses Greifswalder Labor untersucht Patientenproben auf Vibrionen
Vorpommern Greifswald Dieses Greifswalder Labor untersucht Patientenproben auf Vibrionen
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12:30 02.09.2019
Die MTAs Antonia-Charlotte Harfenstein und Daniela Nagel untersuchen im IMD-Labor Patientenproben auch auf Vibrionen. Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Wenn die Fachärztin für Mikrobiologe Veronika Balau zum Telefonhörer greift, um eine Klinik auf dem kurzen Dienstweg über einen Laborbefund zu informieren, wird aus der Nummernfolge ein Patient. „Es lässt einen nicht kalt, wenn man einen wichtigen Befund mitzuteilen hat,“ sagt sie. Dass am Ende der Laborkette immer der Patient steht – diese Botschaft versucht die Ärztin auch ihren 15 Medizinisch-Technischen Assistenten im mikrobiologischen Labor des IMD-Labors Greifswald mitzugeben. Bei Erregern wie dem Staphylokokkus aureus greift die Ärztin zum Hörer, damit das Ergebnis schnell den behandelnden Arzt erreicht. Auch bei einem Nachweis einer Vibrionen-Infektion ist das so. „Staphylokokken und Vibrionen können zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung führen“, sagt Balau. Da sei schnelles Handeln gefragt.

Vibrionen: Risikogruppen sollten zügig zum Arzt

Vibrionen vermehren sich bei Temperaturen über 20 Grad in salzarmen Gewässern und damit in der Ostsee besonders gut. In diesem Jahr erkrankten nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales bislang landesweit neun Menschen, eine ältere Frau starb. Dennoch: „Vibrionen sind keine Killerbakterien“, reagiert die Ärztin auf alarmistische Schlagzeilen dieses Sommers. Rechtzeitig erkannt, lasse sich eine Infektion mit den richtigen Antibiotika gut therapieren. Wer aber eine offene infizierte Wunde habe, an einer Grunderkrankung wie Diabetes oder einer chronischen Lebererkrankung leide oder immungeschwächt ist und zudem vor der Wundinfektion in der Ostsee baden war, sollte zügig den Arzt aufsuchen. „Wenn der Erreger in der Blutbahn ist, dann können die Verläufe sehr schwerwiegend sein und zum Tod führen.“

Hunderte Patientenproben werden pro Tag untersucht

Rund 500 bis 600 Patientenproben gehen in dem Greifswalder Labor pro Tag ein – Wundabstriche, Blut, Harn, Speichel oder Stuhl, die auf Bakterien, Viren, Parasiten und Pilze untersucht werden. Die Proben stammen von niedergelassenen Ärzten aus dem gesamten Bundesland sowie aus den Krankenhäusern in Bergen, Ueckermünde, Anklam, Pasewalk und Wolgast. Nur bei einem Bruchteil der Wundabstriche und Blutkulturen weisen die Mikrobiologen Vibrionen nach. „Im Sommer etwa ein bis zwei im Monat“, sagt die Bereichsverantwortliche MTA, Diana Griesch.

Ergebnisse liegen nach 24 Stunden vor

Im Labor mit der Sicherheitsstufe S 2 arbeiten Antonia-Charlotte Harfenstein und ihre Kollegin Daniela Nagel an der Sicherheitswerkbank. Abgeschirmt durch einen gläsernen Sichtschutz und mit Handschuhen tragen sie hier die eingehenden Patientenproben unter einer Lüftung auf die Nährböden auf. Jede Probe ist mit Barcode und Patientennamen markiert. „Im Labor erhalten die Proben zudem eine laborinterne Nummer, um Verwechslungen auszuschließen“, berichtet Balau. Angst, sich zu infizieren, haben die beiden MTAs nicht. Die Luftführung ist so gestaltet, dass keine Krankheitserreger nach draußen gelangen, zudem werden die Proben vor Kontamination geschützt.

Rund 18 bis 24 Stunden werden die Nährböden bei 36 Grad Celsius im Brutschrank bebrütet. „Vibrionenbakterien wachsen sehr gut auf den Nährböden“, so Balau. Bei einem Verdacht auf diesen Erreger werde zudem sofort ein Präparat gefertigt, das sich die Experten unter dem Mikroskop ansehen. Die typisch leichtgekrümmte Form und die Färbung könnten bereits einen Hinweis auf den Erreger geben, wie Balau erläutert. Sicher sind sich die Mikrobiologen aber erst, wenn sie die bebrütete Kolonie in einem Massenspektrometer untersuchen. Das Massenspektrogramm der Moleküle ergibt quasi den Fingerabdruck des Bakteriums. Der Erreger ist identifiziert. Spätestens jetzt greift die Ärztin zum Telefonhörer, um die Klinik über den Vibrionenverdacht zu informieren.

Grunderkrankung birgt erhebliche Risiken

Allerdings ist die Arbeit des Labors noch nicht beendet. Um eine Therapieempfehlung abzugeben, geht die bebrütete Kolonie noch in ein Gerät zur Antibiotikaresistenz­bestimmung. „Mit dieser Untersuchung erfahren wir, wie empfindlich ein Bakterienstamm gegen bestimmte Antibiotika ist.“

Zweimal in der Woche besucht Veronika Balau bei sogenannten Antiinfektiva-Visiten Patienten auf Intensivstationen, um gemeinsam mit den behandelnden Ärzten und Apothekern die optimale Therapie für schwerkranke Patienten zu finden. Dennoch sind trotz bester Antibiose auch die Möglichkeiten der Ärzte beschränkt. „Bei jeder Infektion spielen die Grunderkrankungen, eine wichtige Rolle. Sie bringen ganz viele Risiken mit und sind letztendlich prognoseentscheidend.“ Die Prävention und Aufklärung der Patienten mit einer Grunderkrankung sei daher sehr wichtig, so Balua.

Von Martina Rathke

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