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Vorpommern Greifswald Uni Greifswald fordert feste Stellen für Digitalisierung
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10:52 14.08.2019
Smartphonenutzung war bei der Digitalisierungskonferenz in der Mensa am Wall erwünscht Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

Viele Millionen Euro stehen in Mecklenburg-Vorpommern für Digitalisierungsprojekte bereit. Aber es fehlt Geld für die Etablierung dringend nötiger neuer Studiengänge und Lehrstühle an der Universität. Die Greifswalder Unirektorin Prof. Johanna Weber sparte bei der Konferenz „Digitale Impulse in der Region setzen“ in der früheren Mensa am Schießwall nicht mit Kritik.

Sie sagte voraus, dass die zwei bewilligten Juniorprofessuren für Medienpädagogik in Greifswald und Rostock nicht besetzt werden könnten. Denn die sind auf sechs Jahre begrenzt und im Vergleich mit „richtigen“ Professuren schlecht dotiert. Allein Niedersachsen habe 30 Professuren für künstliche Intelligenz geschaffen, führte Weber aus. Da falle potenziellen Bewerbern die Entscheidung gegen den Nordosten leicht.

Land reicht vor allem Bundesmittel weiter

Laut Digitaler Agenda von MV stellt das Land bis 2025 zehn Millionen Euro Mittel aus dem Hochschulpakt, also Geld des Bundes, für die Digitalisierung in Studium und Lehre zur Verfügung. 1,5 Millionen Euro sind es für die beiden Juniorprofessuren und 8,5 Millionen für ein „standortbezogenes Wettbewerbsprogramm ,Digitale Lehre’“. Von Mitteln für unbefristete Beschäftigte ist nicht die Rede. Insgesamt umfassen die Mittel der Digitalen Agenda in der laufenden Wahlperiode 1,5 Milliarden Euro, das meiste sind Bundesmittel.

Mecklenburg-Vorpommern verpasst Entwicklung in der Forschung

„Ohne Dauerstellen werden wir ganz furchtbar abgehängt“, betonte Weber. Es gebe auch kaum Mittel für Schulung und Weiterbildung, kritisiert die Rektorin. „Digitalisierung ist für Mecklenburg-Vorpommern lebenswichtig. Wir brauchen dringend versierte Fachkräfte.“ Die müssten in MV ausgebildet werden, um sie für den Nordosten zu begeistern. Das Land hänge bereits bei neuen Forschungsfeldern, wie Techniken zur Generierung und Verarbeitung großer Datenmengen, hinterher.

„Wir brauchen neue und in der Regel interdisziplinäre Studiengänge“, führte Johanna Weber aus. „Zum Beispiel Data Science oder angewandte Data Sience.“ Die Rektorin hofft, dass das Land im Rahmen der Diskussion über die Eckwerte der Hochschulentwicklung ab 2020 Mittel für solche Studiengänge zur Verfügung stellt. Eigentlich sei es bereits viel zu spät.

„Wir wissen noch nicht, wie wir richtig digital lehren“

„Die Universität stelle sich fröhlich den Herausforderungen der Digitalisierung“, betonte Weber dennoch. Eine mehr als 560 Jahre alte Einrichtung habe Erfahrungen, mit Herausforderungen umzugehen. Man benötige dafür aktuell dringend wissenschaftliche Erkenntnisse zum richtigen Einsatz der Digitalisierung in der Lehre. „Wir wissen noch nicht, wie wir richtig digital lehren sollen“. Es sei naiv, dass das mit der Einstellung von Videos der Vorlesungen ins Netz getan sei. „Lehren und Lernen ist Interaktion“, betonte Johanna Weber. Über der Visualisierung dürfe man nicht die dringend benötigte Fähigkeit zur Abstraktion vernachlässigen.

Die Vertreter der Landesregierung bei der Konferenz lobten indes all die tollen, gut dotierten Projekte, die auf den Weg gebracht wurden. Sie sollen die Digitalisierung von Unternehmen, Verwaltung, medizinischer Versorgung und so weiter voranbringen. Allein für den Breitbandausbau steht über eine Milliarde Euro zur Verfügung. Stark profitieren soll auch der ländlichen Raumes. Viel war von Vernetzung die Rede. Gute Beispiele wie die erfolgreiche Greifswalder Firma Advocado, eines „digitalen Rechtsanwalts“, stellten sich vor. Wie Geschäftsführer Maximilian Block informierte, wuchs die Firma in nicht einmal sechs Jahren von zwei auf 50 Mitarbeiter und wolle diese Zahl 2020 verdoppeln.

Digitales Innovationszentrum „Alte Mensa“ vor dem Start

Gut unterwegs ist das Projekt „Digitales Innovationszentrum“ des Landes in der Mensa am Schießwall. Rektorin Weber kann es kaum erwarten, die Hausherreneigenschaft für das Denkmal abzugeben. Wie Frauke Hilgemann vom Schweriner Wirtschaftsministerium informierte, wurden die Gelder für die Machbarkeitsstudie zur Nutzung des Gebäudes jetzt bewilligt. Nach ihrem Eindruck auf der Konferenz ist die Mensa supergeeignet. Für Greifswalds OB Stefan Fassbinder (Grüne) ist das Innovationszentrum eine Chance, Fachkräfte für Greifswald und den Landkreis zu gewinnen. Greifswald sei ganz toller Kern des Kreises, pflichtete Landrat Michael Sack (CDU) bei. Eine Chance für eine Region, die ganz hervorragende Lebensbedingungen und Chancen für IT-Unternehmen biete. Laut Bildungsministerium befinden sich die Innovationszentren an den sechs Hochschulstandorten auf den Zielgeraden. Noch in diesem Jahr könne es losgehen.

Die Digitalisierungskonferenz in der Mensa am Wall war gut besucht Quelle: eob

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