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Greifswald Startups aus Vorpommern: Von schnellen Hasen und Schilfkohle
Vorpommern Greifswald Startups aus Vorpommern: Von schnellen Hasen und Schilfkohle
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19:00 04.11.2019
Matti Winkler und Marcel Welle wollen mit ihrer Idee Ökohle durchstarten Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-HGW
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Vorpommern

In den kommenden Tagen wird in Vorpommern „Gepitcht“, es gibt Tipps für die „Seed-Phase“ und Veranstaltungen der „Hackunity“*. Sie verstehen nur Bahnhof? Das ist nicht verwunderlich, all diese Begriffe stammen aus der Welt der Startup-Szene, der Szene der jungen Gründer, die auch international immer mehr Bedeutung bekommt.

Doch wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen einem Startup und einer konventionellen Existenzgründung? „Einen klar definierten Unterschied gibt es eigentlich nicht“, beschreibt Wolfgang Blank von Wissenschafts- und Technologiezentrum Nordost (Witeno). „Ich würde aber sagen, dass die meisten Startups aus dem universitären Umkreis kommen und eine innovative Geschäftsidee mitbringen.“ Der Bäcker, der eine weitere Filiale eröffnet, scheidet also auf den ersten Blick aus, „wenn er aber völlig neue Produkte oder Vertriebswege anbietet, sieht das schon wieder ganz anders aus.“

An Ideen mangelt es häufig nicht, auf dem Weg zum eigenen Unternehmen stehen die meisten jungen Gründer oft vor einem Berg an Herausforderungen. „Wo bekomme ich Startkapital her?, Soll ich auf Beteiligungen oder lieber ein Darlehen setzen? Und: hat meine Idee überhaupt Chancen?“ Wolfgang Blank verweist auf viele Beratungsangebote, die sich mittlerweile in MV entwicklen würden. „Bei der IHK kann man sich für den Bereich Handwerk beraten lassen, auch die Hochschulen haben Angebote für Studenten“, so Blank. „Witeno hat seinen Schwerpunkt im technologischen und kreativen Bereich.“

R: Zunächst lote man aus, wo denn die Reise hingehen soll. „Nicht jede gute Idee muss ja gleich zur Gründung eines Unternehmens führen.“ , sagt Gudrun Mernitz, Projektmanagerin der Witeno. „Vielleicht kann man die Idee ja auch an ein bestehendes Unternehmen andocken.“ Hilfestellung bietet Mernitz auch bei der finanziellen Planung. „Wir klären in Gesprächen, ob und wie sich das Produkt oder die Dienstleistung rechnen könnte. Und natürlich, ob der Bedarf da ist“, so Mernitz. „Dafür nutzen wir auch die Kontakte in unserem Netzwerk.“

Trotzdem gebt es noch viel Nachholbedarf im Land, die Gründerkultur würde sich rückläufig entwicklen. „Seit dem Jahr 2010 sind die Existenzgründungen in Mecklenburg-Vorpommern von rund 6600 auf knapp 3900 im Jahr 2018 zurückgegangen“, stellte Blank auf dem Jahresempfang der IHK in Neubrandenburg fest.

„Der KfW Gründungsmonitor 2017 führt den Rückgang bundesweit wesentlich auf den Beschäftigungsrekord auf dem Arbeitsmarkt zurück und wertet positiv, dass der Anteil der ,Notgründungen’ laufend sinke.“ Traditionell sei die Gründungs- und Selbstständigenquote im agrarisch geprägten Flächenland MV weniger ausgeprägt als im industriell starken und deutlich dichter besiedelten Süden Deutschlands. Auch Gründe wie die demografische Entwicklung, das Fehlen von erfolgreichen Vorbildern oder das Fehlen von Märkten vor Ort könnten eine Rolle spielen

Ideenförderung und Beratung sei das eine, die Finanzierungsmöglichkeiten das andere. „Die meisten Banken bei uns haben das Thema Startups noch nicht so im Fokus“, so Blank. „Dementsprechend mühsam ist es häufig für die Unternehmen, das Startkapital zusammenzubekommen.“

In Berlin zum Beispiel gebe es eine ganz andere Kultur der Gründungsfinanzierung. „Da sind die Banken bei Gründermessen mit dabei und präsentieren dann mit Stolz die Wall of Fame von Unternehmen, die es mit ihrer Unterstützung geschafft haben“. Trotzdem haben es viele spannende Ideen aus Vorpommern geschafft „ins Fliegen zu kommen“, wie man das wirtschaftliche Durchstarten in der Szene nennt. Hier eine kleine Auswahl:

Schiffsinspektion aus der Ferne: Nautitronix aus Putbus

Hartmann Schleifer von Nautitronix Quelle: Anne Ziebarth

Gerade einmal ein Jahr alt ist das Unternehmen Nautitronix – Kenner bescheinigen Hartmann Schleifer und Robert Garbe eine der interessantesten Ideen auf dem Markt. Basis der Unternehmensgründung ist ein Pilotprojekt mit der Reederei „Weisse Flotte“ aus Stralsund. „Das Unternehmen betreibt ganz unterschiedliche Schiffe, zum Beispiel Elektrofähren für die Berliner Verkehrsbetriebe, aber auch Dieselschiffe auf den Boddengewässern“, erklärt Hartmann Schleifer. „Ziel war es, ein System zu entwickeln, was alle wartungsrelevanten Daten der Schiffe live in die Zentrale nach Stralsund schickt.“

Gesagt, getan: Innerhalb weniger Monate entwickelten die beiden mit einem Expertenteam Soft- und Hardware, passten die Lösungen an die Technik und Sensoren der Schiffe an. „Jetzt können wir bis zu 320 unterschiedliche Parameter pro Schiff anzeigen“, sagt Schleifer. „Das können je nach Schiffstyp neben der Position zum Beispiel Batterielaufzeit, Abgastemperatur oder Brauchwasserstand sein, aber auch Bugstrahlruder oder die Effizienz der Solarzellen.“ Die Techniker in Stralsund wissen so jederzeit Bescheid, wie es ihren Schiffen so geht.

„Diese Projekt-Situation unterscheidet uns von vielen anderen Startups“, sagt Hartmann Schleifer, der vor einigen Jahren aus Österreich auf die Insel gezogen ist. „Wir haben ja quasi unseren ersten Kunden mitgebracht. Die Finanzierung des Pilotprojektes erfolgt durch Abschlagszahlungen der Weissen Flotte, die uns eine gewisse Sicherheit gegeben haben.“ Auch ungewöhnlich: Sowohl Schleifer als auch Garbe arbeiten neben Nautronix noch halbtags in ihren Berufen als IT-Berater und Leiter der Abteilung e-Mobilität der Weissen Flotte.Um den Arbeitsaufwand zu stemmen, ist seit August ein Projektmanager bei Nautitronix eingestellt.

Das Engagement von Land und Bund für Startups ist viel besser als oft behauptet, findet er. „Wir bekommen Fördermittel über das Energieministerium und die Zusammenarbeit war ausgezeichnet.“ Es gebe Förderprogramme für viele Einzelmaßnahmen, Beratungen, Messen, Weiterbildungen und Wettbewerbe. „Natürlich handelt es sich immer nur um Teilfinanzierungen, aber es kann sich ja auch kein Jungunternehmer hinstellen und sagen, bezahlt mir mal mein Unternehmen“, meint Schleifer. „Das wäre vermessen.“

Theoretisch stehen dem jungen Unternehmen mit Sitz in Putbus unbegrenzte Möglichkeiten offen. „Ja, man könnte die Hard und Software auch für Fuhrparks zum Beispiel nutzen. Aber wir wollen uns erstmal auf Schiffe konzentrieren.“

Flinke Entwickler aus Greifswald: Rapidrabbit

David Wulff (32) ist Geschäftsführer der Firma Müller&Wulff GmbH. Mit 21 gründete der Greifswalder seine erste Firma. Quelle: Archiv

Rapidrabbit – schneller Hase – haben die beiden Unternehmer Paul Müller und David Wulff ihre Marke genannt. Schwerpunkt der Firma aus Greifswald ist die App-Entwicklung, das sind kleine Anwendungen für das Smartphone, die das Leben einfacher und lustiger machen. Obwohl das Unternehmen bereits seit 2007 existiert, sieht sich David Wulff in der Tradition eines Startups. „Die meisten Mitarbeiter sind noch keine dreißig Jahre alt und wir haben einen technologischen Schwerpunkt“, sagt der 33-Jährige. „Angefangen haben wir allerdings in der Serverherstellung, als dann 2008 die App-Stores für Fremdentwickler geöffnet wurden, haben wir komplett umgesteuert.“

Das erste Projekt: Die App SprayCan. „Schüttelte man das Handy, hörte man das klackernde Geräusch einer Sprühdose – drückte man aufs Display, erklang ein entsprechendes Zischen.“ Obwohl das Programm eine Nonsense-App war, legte Rapidrabbit damit 2009 einen großen Wurf hin, rund 800 000 Nutzer entschieden sich dafür, das Produkt herunterzuladen. Anschließend bauten die Softwareentwickler das Programm zu einer Bildbearbeitunsapp mit Community und Chatfunktion auf.

„In der ersten Zeit haben wir hauptsächlich eigene Ideen umgesetzt, dann kamen aber mehr und mehr Aufträge für Apps dazu“, so Wulff, der mittlerweile zwölf Mitarbeiter beschäftigt. „Zuletzt haben wir zum Beispiel für Tesa/Beiersdorf eine Scan-App entwickelt, die Produktfälschungen von Originalen unterscheidet. Das ist in Ländern wie China ein großes Problem für das Unternehmen.“

Größte Herausforderung für ein junges Unternehmen ist nach Wulffs Einschätzung das Startkapital. „Wir haben damals alles selbst zusammengekratzt, hatten keine Finanzierung oder Förderung“, sagt er. „Das hat auf der einen Seite den Vorteil, dass wir sehr nachhaltig gewachsen sind. Nachteil ist, dass man mit mehr Kapital wesentlich schneller hätte reagieren und auch wachsen können.“

Er hat beobachtet, dass das Geld von Investoren heute lockerer sitzt als vor zehn Jahren. „Es gibt viele Private und auch Firmen, die bereit sind, mittels Venture Capital in Startups zu investieren“, sagt er. „In Städten in Berlin gibt es richtige Messen, auf denen solche Partnerschaften vermittelt werden.“

Das aktuellste Projekt ist nach Aufträgen von Rolex, dem Diabeteszentrum in Karlsburg oder dem Springer-Verlag wieder eine eigene Idee. „Noch vor Weihnachten soll unsere Prüfungs-App für den Bootsführerschein fertig sein“, so Wulff. „Wir haben ein Modul geschaffen, das wir später noch beliebig weiterentwickeln können. Mit Fragen für Meisterprüfungen im Handwerk oder aber des Fischereischeins.“

Ökohle – alternative Grillbriketts aus Greifswald

Noch gibt es die „Ökohle“ nicht am Markt, aber die Idee der beiden Promotionsstudenten Marcel Wille und Matti Winkler ist so einfach wie überzeugend. Grillkohle aus regional nachwachsenden Rohstofffen zu gewinnen. „Die Idee entstand durch eine TV-Dokumentation, die ich gesehen habe. Für Grillbriketts werden auch Hölzer aus Südamerika oder der Tundra verwendet“, erzählt der Biologe Marcel Wille. „Ich habe gedacht, dass muss doch auch anders gehen.“

Mit dieser Idee im Gepäck zog er zum Unique-Ideenwettbewerbdes Zentrums für Forschungsförderung und Transfer (ZFF) der Universität Greifswald, einem Forum, das junge Forscher auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit berät und begleitet. „Dort haben wir uns kennengelernt“, erzählt Matti Winkler. „Ich bin Betriebswirt, fand die Idee spannend. Seitdem arbeiten wir zusammen und haben gemeinsam einen Businessplan entwickelt.“

In mehreren Versuchsreihen testeten sie die Effizienz von verkohltem Schilf und anderen Pflanzen im Gegensatz zu Holz als Brennstoff für den Grill. Das Ergebnis: Schilf kann voll und ganz mithalten und hätte den Vorteil das das schnellwachsende Gras sogar zwei Mal im Jahr geerntet werden könne. Gerade im Hinblick auf die Paludikultur, also die landwirtschaftliche Nutzung nasser Flächen wie Mooren, könne der Schilfanbau hier neue Möglichkeiten für Bauern eröffnen.

R: Noch allerdings ist das Zukunftsmusik. „Schilf in größeren Mengen zu bekommen, ist gar nicht so einfach“, sagt Marcel Welle. „Es gibt zwar Bauern die Schilf für die Reetdächer anbauen, aber die Ware ist dementsprechend teuer. Ein Vorteil für uns ist aber, dass wir auch Schilf verwenden können, was für die Dachdeckung nicht gut genug ist.“

Den nächsten Tagen sehen die angehenden Unternehmer mit Spannung entgegen. Mit dem Businessplan stellen sie sich nicht nur beim Unique- Wettbewerb vor, sondern „Pitchen“, also präsentieren, ihre Idee auch auf der Nord-Messe. Kontakt zu möglichen Investoren nicht ausgeschlossen. „Wir suchen gerade nach Fördermöglichkeiten“, sagt Welle. „Das ist nicht ohne. Die Möglichkeiten gibt es zwar, aber das Angebot ist sehr unübersichtlich.“

Wunsch der Beiden wäre eine Mischung aus Mitteln der MBMV (Mittelständische Beteiligungsgesellschaft) und einem privaten Investor oder auch dem Venture Capital Fonds Genius. Diese Gesellschaft wurde 1998 auf Initiative des Landes gegründet und beteiligt sich an jungen, innovativen Unternehmen mit Kapital aus Landes- und Europäischen Fördermitteln. Übrigens suchen die beiden jungen Männer von Ökohle auch noch personelle Verstärkung. „Wir möchten noch jemand für Marketing und Vertrieb mit ins Team holen“, so Matti Winkler. „Nicht als Mitarbeiter, sondern als Teil des Gründungsteams“

Coldplasmatech – Heilung auf Knopfdruck

Martin Polak, Leiter Forschung und Entwicklung, und Tobias Güra, Mitgründer von Coldplasmatech und Medizinökonom, zeigen die Wundauflage mit Kaltplasma. In den Greifswalder Laboren wird mittlerweile die zweite Generation entwickelt. Quelle: Christopher Gottschalk

Eine Art Pflaster, ein Knopfdruck und Millionen Menschen mit chronischen Wunden wäre geholfen. Das ist die Hoffnung von Coldplasmatech, einem Greifswalder Start-up-Unternehmen. Dessen Wundauflage, das sogenannte „Patch“ soll kaltes Plasmagas über einer Wunde erzeugen und so zur Zellheilung beitragen. Auch multiresistente Keime werden von dem Plasmagas getötet.

Für die handflächengroße Erfindung gab es bereits mehrere Preise und Millioneninvestitionen. „Wir wurden nun als Hersteller von Medizinprodukten zugelassen. Das ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Marktzulassung“, sagt Carsten Mahrenholz, Mitgründer der Firma. „Gründen war die richtige Entscheidung, weil wir eine Lösung für ein Problem haben, für das auf dem Markt ein Bedürfnis besteht“, schätzt er ein.

Rund 4 Millionen Menschen sollen in Deutschland an chronischen Wunden leiden, weitere 800.000 seien von multiresistenten Keimen befallen. Coldplasmatech wurde 2015 aus dem Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie heraus gegründet. Die erste Generation der Auflage läge bereit zum Verkauf, so Mahrenholz. Die Weiterentwicklung solle nun in Serienproduktion gehen. Verantwortlich für die Entwicklung in den Greifswalder Laboren sind Plasmaphysiker, Chemiker, Ingenieure, Apotheker und ein Medizinökonom.

Rüganer wollen Modebranche mit Fashion-App grüner machen

Vivian Tasch und Frenzy Klöckner bei einem Shooting für Snazz im Bergener Stadion. Quelle: Matthes Trettin

Drei junge Rüganer wollen mit einer Eigenentwicklung die Modewelt verändern. Mit der Fashion-App Snazz soll die Branche nachhaltiger und grüner werden. An der Eigenentwicklung arbeiten der Softwareentwickler Toni Gurski (30) und die Brüder Hannes (29) und Matthes Trettin (34) seit rund einem Jahr. Erst im Juli 2019 wurde ihr Startup gegründet, derzeit tragen sie die Finanzierung allein. Die Testphase der App mit rund 150 Nutzern ist abgeschlossen. Jetzt sind die drei Gründer mit Foto-Shootings, Kampagnen und der Akquise von Investoren beschäftigt.

So funktioniert Snazz: Die App sammelt die Daten der Nutzer und lernt so deren persönlichen Stil kennen. Damit wird der eigene Kleiderschrank für den Nutzer und für die Gemeinschaft digital verfügbar. Perspektivisch soll so die Ressourcenverschwendung der Modebranche reduziert werden. „Aktuell wird ein Drittel der weltweit produzierten Kleidung nicht verkauft“, erklärt Trettin. „Wegen Überproduktion und weil der Kundengeschmack nicht getroffen wird. Oft wird die Kleidung einfach verbrannt – weil es günstiger ist.“ So werden jährlich Klamotten im Wert von 35 Milliarden Euro vernichtet. Snazz soll dies ändern. Ein Teil des Geschäftsmodells ist ein Abo für Unternehmen. Die Daten sollen Mikrotrends sichtbar machen, sodass Produktion und Verkauf von Kleidung planbarer wird. „Derzeit haben Filialleiter nur ein Gefühl, was in ihren Läden läuft“, sagt Hannes Trettin. „Mit unserer App wollen wir sichtbar machen, welche Stücke in welcher Farbe und Größe an welchem Standort benötigt werden.“ All dies wird über ein Dashboard dargestellt.

Blick auf die Snazz-Analytcis: Ein Dashboard soll Mikrotrends in der Modebranche für Ladenbesitzer sichtbar machen. Quelle: Snazz

Ist der eigene Kleiderschrank erst digitalisiert, kann einem Snazz-Nutzern gezielt Werbung angezeigt werden – von nachhaltiger Mode. Ein weiteres Standbein soll eine Form des Empfehlungsmarketings werden. Kauft jemand bereits verlinkte Klamotten, erhält Snazz eine Provision. Davon sollen auch die Nutzer profitieren. „Verlinkt man seine eigene Kleidung, können darüber Gutscheine verdient sowie Bäume gepflanzt werden“, sagt Trettin.

Software für Landwirte: Stralsunder Start-up sagt Preise voraus

Zwei von fünf, die für „pigright AI“ arbeiten: Finanzer Tobias Schönberg (l.) und Firmengründer John Flemming. Quelle: Kai Lachmann

Die Stralsunder Firma „pigright AI“ will Bauern ein modernes Instrument anbieten, um ihre Ernte möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Dafür hat das fünfköpfige Team und Firmengründer John Flemming eine selbstlernende Software entwickelt, die Millionen von Daten analysiert. Denn Weizen, Mais, Soja und Raps werden in großen Mengen an der Börde gehandelt und unterliegen enormen Preisschwankungen. Das Computerprogramm soll den besten Zeitpunkt für den Verkauf bestimmen. „Ein Landwirt liegt mit seiner intuitiven Entscheidung in ungefähr 60 Prozent der Fälle richtig“, sagt John Flemming. „Mit unserem Programm ist eine Trefferquote von 75 Prozent und mehr möglich.“

„Unser Programm bezieht Millionen von Berichten und Statistiken und ihre Entwicklungen ein, um den besten Zeitpunkt vorher zu sagen“, sagt Benjamin Barnick, der sich ums Marketing kümmert. Die dafür benötigten Datensätze werden entweder von Datenbanken eingekauft oder sind frei zugänglich. Angelehnt ist die Idee an sogenannte Trading Robots – Programme, die automatisiert Handel an den Börsen treiben und in Sekundenbruchteilen An- und Verkäufe tätigen. Als Zielgruppe hat „pigright AI“ Betriebe ausgemacht, die 100 Hektar oder mehr bewirtschaften. In MV sind das Firmenangaben zufolge 2260, in ganz Deutschland rund 36 000. Die magische Grenze für das Startup sind 105 Kunden, ab dem 106. macht die Firma Gewinn. Derzeit wird die Software von Landwirten getestet. Die Veröffentlichung ist für 2020 anvisiert.

* Pitch –Kurzvorstellung einer Unternehmensidee; Seed Phase – Finanzierungsphase; Hackunity – interdisziplinäres Lösen von Problemen mithilfe digitaler Konzepte.

Links zum Weiterlesen:

Gründertage in Stralsund und Greifswald

Witeno: Initiative Startup Nordost für Vorpommern

Übersicht über Fördermöglichkeiten für junge Unternehmen

Informationen über den Unique-Ideenwettbewerb und Unique-Businessplanwettbewerb

Existenzgründer-ABC

Von Anne Ziebarth, Kay Steinke und Christopher Gottschalk.

Ob Fliesenleger, Raumausstatter oder Böttcher: Wer in Zukunft einen eigenen Betrieb gründen will, muss einen Meister vorweisen. Das könne Vorteile für Kunden bringen und die Qualität von Betrieben steigern. Mit Sorge sehen Experten schwindende Ausbildungszahlen.

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Jedes Jahr bringt die Wochenzeitung „Focus“ eine Liste der Top-Mediziner in Deutschland heraus. Wiederholt ist Greifswald mit etlichen Ärzten gut vertreten.

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Zwillinge in Greifswald / Anklamer Klinik feierte 300. Geburt dieses Jahres

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