Ehtendoktorwürde für Unterstützung der Greifswalder Mensa
Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Gutsherr und Greifswalder Ehrensenator
Vorpommern Greifswald

Ehtendoktorwürde für Unterstützung der Greifswalder Mensa

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:47 24.11.2020
Der Ort Boltenhagen mit seinen Stallanlagen ist Privatbesitz. Wie zu Franz Briest Zeiten ist der Ort faktisch nur ein Gut Quelle: Eckhard Oberdörfer
Anzeige
Boltenhagen

In der Weimarer Republik erhielt eine Reihe von Unternehmern und Gutsbesitzern für ihre Unterstützung, für Geld und Sachspenden die Ehrensenatorwürde der Universität Greifswald. Einer von ihnen war der Gutsbesitzer Franz Briest (1864 bis 1932). Ihm gehörte Boltenhagen Allodial, heute nur noch Boltenhagen, bei Greifswald, seinerzeit Kreis Grimmen. Allodialgüter sind Privateigentum des jeweiligen Besitzers.

Dr. h. c. für Verdienste um Wohlergehen der Studenten

In dem Schreiben des Rektors Theodor Vahlen vom 10. November 1923 heißt es, dass der Senat beschlossen habe, „Ihnen in Anerkennung ihrer Verdienste um unsere Universität und Ihres allzeit bewiesenen Interesses für das Wohlergehen unserer Studentenschaft“ diese Würde zu verleihen. Dieses Schreiben und andere Unterlagen stellte Gustav Seils zur Verfügung.

Anzeige

Franz Briest war vielseitig interessiert und förderte die Erforschung der Heimatgeschichte durch Preisaufgaben für Studierende zur Erforschung pommerscher Flur- und Ortsnamen und deren Veröffentlichung. Er sammelte archäologische Artefakte und stiftete viele Hinterlassenschaften unserer Vorfahren den Museen in Greifswald und Grimmen und regte Schulsammlungen an.

Vorbildliche Arbeiterwohnungen gebaut

Vor 130 Jahren übernahm Franz Briest die Wirtschaftsführung von Boltenhagen Allodial, das er aus seiner Kinderzeit kannte. Sein Vater hatte dieses Gut 1866 übernommen. Franz Briest heiratete 1896 die Besitzerin Boltenhagens, Anna Gleß. In einem Nachruf heißt es, dass er das etwas heruntergekommene Gut wieder hochbrachte, neue Wirtschaftsgebäude baute und für vorbildliche Arbeiterwohnungen sorgte.

Briest unterstützte Mensa

Die Ehrensenatorwürde erhielt Briest laut Nachruf unter anderem, „weil er bei der Einrichtung der Mensa (heute Stralsunder Straße 10/d. Red.), an der er ausschlaggebend beteiligt war und die er durch Belieferung mit Kartoffeln und (extra zu diesem Zweck angebautem) Gemüse nach Kräften unterstützte.“

Im Haus Stralsunder Straße 10 befand sich die Mensa Quelle: OZ-Archiv

Franz Briest starb nach schwerer Krankheit am 11. Juli 1932. Die „Gutsleute in Boltenhagen allod.“ bezeichnen ihn in ihrer Traueranzeige in der Grimmer Kreis-Zeitung als „edlen Mann“, als „jederzeit hilfsbereiten Arbeitgeber.“ Die Predigt bei seiner kirchlichen Beerdigung hielt der Theologieprofessor Walter Glawe. Mit ihm war er durch die gemeinsame Arbeit für die Linderung der wirtschaftlichen Not der Studenten gut bekannt.

In niederdeutscher Sprache gedichtet

Franz Briest engagierte sich sehr für eine Niederdeutschprofessur in Greifswald. Er schrieb selbst Gedichte in der Heimatsprache. Aber die Weltwirtschaftskrise brachte auch Boltenhagen allodial in wirtschaftliche Schwierigkeiten, sodass das nötige Geld fehlte. Dass er nicht so viel helfen konnte wie früher, habe ihrem Arbeitgeber sehr zu schaffen gemacht, schreiben die Gutsleute. Auf Franz folgte als Besitzer des 216 Hektar großen Boltenhagen Allodial Hans Briest.

Von Eckhard Oberdörfer