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Greifswald Bezahlbare Eigenheime in Greifswalder Plattenbausiedlungen geplant
Vorpommern Greifswald

Eigenheime in Greifswalder Plattenbausiedlungen geplant

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18:00 16.01.2020
An der Ecke Loitzer Straße/Grimmer Straße könnten Wohnungen geschaffen werden. Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

In den Stadtteilen Schönwalde I und II sollen Standorte für Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser ausgewiesen werden. Darüber informierte Bauamtsleiter Thilo Kaiser auf der Sitzung des Bauausschusses der Bürgerschaft. „Wir denken dabei immer ganzheitlich“, betonte er. Die Ortsteile würden als Ganzes betrachtet. Auch der Garagenkomplex Lise-Meitner-Straße habe nicht als Ganzes Bestandsschutz, so Kaiser. Die dortige Wiese sei eine Möglichkeit für Eigenheime.

Für das Immobilienverwaltungsamt der Hansestadt ist diese Wiese in Schönwalde I laut eines Beschlussvorschlags für das Stadtparlament eines der „möglichen Grundstücke für den sozialen, bezahlbaren und sonstigen Wohnungsbau“ außerhalb von Bebauungsplänen. Das Amt schlägt aber für die Wiese sozialen Wohnungsbau vor. Der Bauausschuss ist dagegen.

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Frei finanzierbarer Wohnraum an der Ecke Loitzer/Grimmer Straße

Auf der jüngsten Sitzung des Gremiums wurde ohne Gegenstimmen beschlossen, dass stattdessen im Sinne einer guten sozialen Durchmischung Eigenheime entstehen sollen – sprich Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser. Das hatte zuvor Monique Wölk (SPD) im Namen der Arbeitsgruppe „Bezahlbarer Wohnungsbau“ beantragt. Auch der Finanzausschuss konnte sich mehrheitlich für diese Idee erwärmen. Der Einwurf von Immobilienverwaltungsamtsleiter Winfried Kremer, die vorhandenen 7000 Quadratmeter seien für ein Eigenheimgebiet nicht gerade groß, wurde beiseitegewischt.

Dagegen votierte eine knappe Mehrheit des Bauausschusses gegen den Vorschlag der AG, eine Fläche am Franz-Wehrstedt-Weg in Eldena für den sozialen Wohnungsbau zu verkaufen. Im Finanzausschuss gab es zu dieser Idee ein Patt. Wie letzten Endes die Bürgerschaft entscheidet, bleibt abzuwarten. Denn der Sozialausschuss war mehrheitlich dafür. Alle drei Fachgremien geben dem geförderten sozialen Wohnraum an der Ecke Loitzer Straße/Grimmer Straße den Vorrang gegenüber dem Verwaltungsvorschlag für frei finanzierten bezahlbaren Wohnraum. Das könnten dann schon Kaltmieten von 8,50 Euro je Quadratmeter sein.

Feldstraße 86 soll Sportfläche bleiben

Neben den genannten drei Flächen schlägt das Immobilienverwaltungsamt vier weitere Grundstücke außerhalb von Bebauungsplänen vor. Ihre Bebauung muss mit anderen Interessen und Beschlüssen der Bürgerschaft wie der Sportentwicklungsplanung abgewogen werden, weil es hier beispielsweise Garagen, Kleingärten und auch eine Turnhalle gibt.

Diese Grundstücke stehen zur Debatte

Schönwalde I

Lise-Meitner-Straße (Wiese)

– Ernsthofer Wende (Nähe Fischerschule)

Innenstadt

– Gützkower Landstraße (Garagenkomplex)

– Feldstraße 86 (Turnhalle/Sportplatz)

– Ecke Grimmer Straße/Loitzer Straße

Schönwalde II

– Makarenkostraße (Gärten)

Eldena

– Wolgaster Landstraße/am Franz-Wehrstedt-Weg

Die Meinungen der Kommunalpolitiker gehen hier teilweise stark auseinander. Mitglieder des Finanzausschusses etwa stimmten mehrheitlich gegen eine Bebauung der Feldstraße 86, wo heute noch eine Einfeld-Sporthalle zu finden ist, und folgten damit den Auffassungen von Gerd-Martin-Rappen (CDU) und Alexander Krüger (Grüne). „Dieses Grundstück sollte auch künftig dem Sport vorbehalten sein“, fordert Krüger. Zudem konnte der Grünen-Fraktionschef mit der Idee punkten, das von der Verwaltung vorgeschlagene Flurstück an der Makarenkostraße nur zu einem Teil für eine Bebauung zuzulassen. Dort existiert unter anderem der Gemeinschaftsgarten Bunte Flora. „Die Gartenanlage sollte erhalten bleiben“, erklärte Krüger deshalb.

Amtsleiter moniert wechselnde Prioritäten der Politik

Die ganze Debatte ging Amtsleiter Kremer gegen den Strich. Es gebe viele auch politisch gewollte Restriktionen. Mal würden die Abgeordneten dies und dann wieder das vorschlagen. Mal seien Kleingärten tabu, dann Garagen, ein anderes mal hätten Spielplätze Vorrang. In der Zwischenzeit würden die Grundstückspreise immer weiter steigen. Man müsse auch mal unbequeme Sachen angehen, sonst komme man nicht weiter. „Man traut sich schon nicht mehr, etwas vorzuschlagen“, sagt er. Kremer sprach sich daher für nichtöffentliche Debatten aus, erntete aber Widerspruch.

1500 Euro Zuschuss pro Quadratmeter für Investoren?

Kopfschüttelnd begegnete er auch dem Vorschlag der SPD-Fraktion, den sozialen Mietwohnungsbau in Greifswald künftig mit einem Investitionszuschuss in Höhe von 1500 Euro je Quadratmeter Wohnraum zu fördern. Die Verwaltung hatte 100 Euro vorgeschlagen. „Vom Land gibt es über das Förderprogramm bereits 750 Euro je Quadratmeter. Dann bekommt der Investor die Baukosten ja mit öffentlichen Mitteln quasi geschenkt. Das kann nicht sein“, kritisiert er. SPD-Fraktionschef Andreas Kerath hält trotzdem daran fest: „Unser Ziel ist doch, wesentlich mehr sozialen Wohnungsbau zu fördern. Ein Zuschuss von 100 Euro halte ich daher für gänzlich unzureichend.“

„100 Euro sind sicher ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber 70 Prozent der Baukosten – das müssen wir erst einmal in der Fraktion diskutieren“, zeigte sich Alexander Krüger überrascht. Ähnlich äußerte sich Rappen für die CDU. Auch die maximale Fördersumme wurde kontrovers diskutiert: maximal 100 000 Euro pro Objekt oder maximal 300 000 Euro pro Jahr, wie es die AG „Bezahlbarer Wohnraum“ vorschlägt? Während der Bau- und der Sozialausschuss den Ideen der AG mehrheitlich folgen konnte – und damit auch einer fünfjährigen Bindungsfrist für die Startmiete bei frei finanziertem, bezahlbaren Wohnraum – nahmen die Finanzexperten die Vorschläge nur zur Kenntnis. Bis zur entscheidenden Bürgerschaftssitzung am 3. Februar gebe es noch erheblichen Diskussionsbedarf, befand die Mehrheit.

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