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Greifswald Ein Strandkorb ist künftig „Bischofssitz“ für Hans-Jürgen Abromeit
Vorpommern Greifswald Ein Strandkorb ist künftig „Bischofssitz“ für Hans-Jürgen Abromeit
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11:58 15.09.2019
Große Überraschung: Kai Becker aus Ducherow übergibt einen Strandkorb an Hans-Jürgen Abromeit (r.) und seine Frau Iris. Quelle: Christine Senkbeil
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Greifswald

„Viele wertvolle Weggemeinschaften haben mir das Land am Meer zur Heimat werden lassen.“ Die Abschlusspredigt des Bischofs Hans-Jürgen Abromeit im voll besetzten Dom St. Nikolai war ein Bekenntnis zu Vorpommern. 18 Amtsjahre in Greifswald, ein Weg mit Höhen und Tiefen. Der Gottesdienst am Sonnabend drückte vor allem eines aus: Dankbarkeit.

Vertreter aus sieben Ländern der Welt zu Gast

Vertreter aller Partnerkirchen aus sieben Ländern der Welt waren angereist. Gemeinsam mit den Bischöfen und Pröpsten und Pastoren der Nordkirche wurden die Gäste schon vor dem Dom von Greifswalder Bläsern begrüßt und zogen festlich nach St. Nikolai ein.

Sehen Sie hier, wie 500 Gäste Bischof Abromeit in den Ruhestand verabschieden

Weggemeinschaften und -gefährten nahmen in der Predigt des Bischofs, unter dem die Pommersche Evangelische Kirche mit Mecklenburg und Nordelbien zur Nordkirche fusionierte, einen besonderen Raum ein. „Ohne die kostbare Gemeinschaft in der Bischofskanzlei wären die 18 Jahre nicht zu überstehen gewesen“, sagte er. Besonders hervor hob er auch die Kulturen überschreitende Gemeinschaft in der Ökumene. „Am meisten habe ich gelernt durch unsere Geschwister aus den Partnerkirchen, aus Polen, Tansania, Südafrika, Schweden, aus den USA und aus Palästina. Es gibt andere Logiken, andere Erfahrungen und einen Frieden – trotz aller Verletzungen, die wir uns in der Vergangenheit zugefügt haben. Die Kirche Jesu Christi lebt die Versöhnung, die diese Welt so sehr braucht.“

Lob für Geradlinigkeit des Bischofs Abromeit

Verletzungen. Versöhnung. Diese Themen spielten auch in den Worten des Bischofs Ralf Meister bei der Entpflichtung Abromeits eine Rolle. Der leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) bezog sich auf den Geradlinigkeit seines Amtskollegen. „Du hast Dinge gesagt, die sonst kaum einer sagt“, so Meister. „Auch wenn sie in einigen Punkten nicht die Zustimmung einiger Amtsbrüder und -schwestern fanden, übrigens auch meine nicht.“ Er unterstrich das Engagement Abromeits für die pommersche Kirche, die durch sein Wirken eine starke Region geblieben sei. „Wochen ohne Schlaf, Krisen, Unruhe – du warst mit Leib und Seele und vollem Einsatz pommerscher Bischof.“

Die Menge der 500 Gäste erhob sich, als der Greifswalder Bischof sein Amtskreuz feierlich übergab und Ralf Meister es bis zur Weitergabe zurück auf den Altar legte.

Einen Moment der Fröhlichkeit gab es, als Bischof Sani Ibrahim Azar aus Jerusalem in seiner Ansprache dem entwidmeten Bischof eine neue Kette umhängte – ein Jerusalemkreuz. „Uns verbindet soviel“, erklärte er aus vollem Herzen.

Dank für einen „leidenschaftlichen Dienst“

Den anschließenden Empfang lockerten Liedbeiträge des Gospelkombinats Nordost und von der Band Seeside des Pommerschen Diakonievereins auf. Die Grußworte kirchlicher und staatlicher Vertreter betonten immer wieder die Entschiedenheit und das Engagement Abromeits. „Sie haben sich eingemischt und Diskussionen nicht gescheut. Ihre Haltung war und ist stets erkennbar“, sagte der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich. Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt dankte für seinen „leidenschaftlichen Dienst“.

Die Vizepräses der Landessynode, Elke König, hob seine Rolle bei der Bildung der Nordkirche hervor. Landsjustizministerin Katy Hoffmeister (CDU) quittierte ihm Weitblick und Entschlusskraft und lobte sein Verdienst, das Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung an der Universität Greifswald ins Leben gerufen zu haben. „Er setzte sich dafür ein, dass die Kirche im Dorf bleibt und sich für alle öffnet“, sagte sie.

Der polnische Bischof Waldemar Pytel erheiterte mit der Nachricht, das letzte Grußwort zu bringen. Er drückte aus, wie wichtig angesichts von „Schmerz, Zerstörung und bleibender Wunden“, die der Zweite Weltkrieg über Polen gebracht hat, kirchliche Bindungen und Freundschaften seien.

Strandkorb in Farben der Nordkirche als Geschenk

Kurz vor dem großen Sturm aufs Buffet gelang Pastor Kai Becker im Namen des Diakoniewerks Bethanien Ducherow eine Überraschung. Einen Strandkorb in Nordkirchenfarben durften Bischof und seine Frau Iris auswickeln, gefertigt in den geschützten Werkstätten. „Als zukünftiger Bischofssitz“, erklärte Becker augenzwinkernd. „Das haut mich um!“, gab der Bischof gerührt zu.

Dreieinhalb Stunden mit vielen emotionalen Momenten, großen Worten und großer Musik. Ein bewegender Abschied nach der bisher längsten Dienstzeit eines Bischofs in Vorpommern. Der neue Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern, Tilman Jeremias, wird am 31. Oktober, dem Reformationstag, in sein Amt eingeführt – ebenfalls im Greifswalder Dom.

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Von Christine Senkbeil

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