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Greifswald Einmaliges in der Greifswalder Marienkirche
Vorpommern Greifswald Einmaliges in der Greifswalder Marienkirche
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11:31 14.07.2019
Der Ostgiebel der Marienkirche Quelle: Eckhard Oberdörfer
Greifswald

Reiseführer preisen gern den gewaltigen Ostgiebel der Greifswalder Marienkirche als Meisterwerk der Architektur. Für den bekannten Greifswalder Bauhistoriker ist das nichts als eine schöne Übertreibung. „Das ist schnöde Maurerkunst“, so Lutze bei einer Führung am Tag der Backsteingotik. Denn die verwendeten Formsteine gleichen Typs habe es in großer Stückzahl gegeben, es war Fabrikware, die vergleichsweise schnell für den Aufbau auch eines Giebels dieses Ausmaßes verwendet werden konnte. Da kam es sozusagen nur darauf an., dass die Handwerker ordentlich mauern können.

Lutze kennt sich mit St. Marien gut aus, seit 25 Jahren ist er mit dem Bauwerk befasst. Ganz andere Anforderungen seien an die Steinmetze gestellt worden, die die gotischen Kathedralen Frankreichs aus Natursteinen errichteten. „Das mussten wirklich qualifizierte Bildhauer sein.“

Lutze wäre indes nicht Lutze, wenn er nicht auch auf einige Dinge verwiesen hätte, die die Marienkirche als Denkmal von nationaler Bedeutung einzigartig machen. So die in Europa wohl einzigartige Gerichtsvorhalle des geistlichen Gerichts und die Darstellung des 1560 in Wieck gestrandeten Wals, die es nur noch ein zweites Mal in der Greifswalder Nikolaikirche gibt. Die jetzt durch die Westvorhalle verdecke Gerichtsvorhalle im Turmuntergeschoss wurde im Mittelalter wahrscheinlich nach außen geöffnet.

Das sei seinerzeit üblich gewesen, so der Bauhistoriker mit Hinweis auf die Rathausarkaden. Die Gerichtsvorhalle mit ihrem interessanten skulpturalen Schmuck sei ein weiterer Beleg für die Bedeutung des Gerichtsortes Greifswald, die sich bis heute mit drei Obergerichten Mecklenburg-Vorpommerns erhalten hat. Frühgotischen Stuckelemente sind an den Wänden zu bewundern. Lutze verwies auch auf Farbreste und Ritzungen. Wahrscheinlich war der Raum bunt ausgemalt. Die Zierscheibe im Gewölbe zeigt einen thronenden und richtenden Christus, ein wichtiges Argument für die Nutzung als Gericht. Dass in St. Marien im 14. Jahrhundert Gericht gehalten wurde, ist auch urkundlich belegt.

Welche Funktion die um 1420 entstandene Westvorhalle hat, ist bisher nicht bekannt. Sie ist der jüngste Teil des Gebäudes. Hier gibt es auch gelbe Backsteine an der Fassade wie man sie in Anklam schon im 13.Jahrhundert verwendet hat. Wahrscheinlich stamme der Ton aus einer anderen Lagerstätte.

Erst auf den zweiten Blick spektakulär ist der vertikale Glasurwechsel der Steine an einem inneren Portal. „Das ist ein echtes Highlight“, sagte Lutze. „Das gibt es sonst nur noch am Westportal der Greifswalder Jacobikirche und sonst nicht im südlichen Ostseeraum.“

Eckhard Oberdörfer

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