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Greifswald Gefahren für Arndt
Vorpommern Greifswald Gefahren für Arndt
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14:09 07.09.2019
Logo Initiative Arndt 250 Logo der Arndt-Gesellschaft anlässlich des 250. Geburtstages von Ernst Moritz Arndt Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-HGW
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Vorpommern

Das Barther Vineta-Museum plant eine Ausstellung zum 250. Geburtstag von Ernst Moritz Arndt. In der OZ-Serie auf der Grundlage des Katalogs von Gerd-Helge Vogel ging es zuletzt um das Duell zwischen dem Oberleutnant Gustav Adolf Gyllensvärd und Ernst Moritz Arndt im Juli 1806. Dazu schrieb Werner Buchholz, emeritierter Professor für pommersche Geschichte, der OZ: Was Arndt in seinen 1840 erschienenen „Erinnerungen“ als Hintergrund angebe, sei dem zuletzt noch von dem Biografen des Freiherren vom und zum Stein, Heinz Duchhardt, festgestellten „ausgeprägten Hang Arndts zur Legendenbildung“ geschuldet.

Offizier hätte Arndt töten können

Am 7. Juli 1806 fand eine von General Armfelt, dem Oberbefehlshaber der in Pommern aus Anlass des 3. Koalitionskrieges stationierten schwedischen Truppen, veranstaltetes Fest statt. Alle Stralsunder und alle, die sich in der Stadt aufhielten, konnten teilnehmen. „Zu später Stunde, als laut Rådberg die Abstände zwischen den „Erfrischungen“, die man zu sich nahm, kürzer wurden und die Anwesenden bereits „något för mycket muntra“ (etwas zu ausgelassen) waren, provozierte der 24-jährige Oberleutnant den 36-jährigen Professor vor aller Augen in einer Art und Weise, dass letzterer bei Verlust seiner bürgerlichen Ehre gezwungen war, Gyllensvärd zum Duell zu fordern. Dieses fand innerhalb der vorgeschriebenen Frist von drei Tagen, am folgenden Dienstag, statt. Hätte Gyllensvärd Arndt töten wollen, dürfte ihm das nicht schwergefallen sein. Aber das hatte der junge Offizier aus Västergötland nicht vor – und auch nicht seine Hintermänner. Die Kugel, die Arndt stellvertretend traf, galt Gustav IV. Adolf zur Warnung. Da der König diese – wie auch alle anderen Warnungen – in den Wind schlug, kam es keine drei Jahre später, im März 1809, zu seiner Absetzung.“

Schweden näherte sich Frankreich an

Gustav IV Adolf von Schweden, König Quelle: HGW

Dass Arndt nach Pommern zurückkehrte, weil Schill Ende Mai 1809 in Stralsund erschossen wurde, wie Vogel meint, ergibt für Buchholz keinen rechten Sinn. „Fakt ist vielmehr, dass der schwedische Reichstag am 6. Juni den napoleonfreundlichen Christian August von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg zum Kronprinzen (als Karl August) wählte und damit zum Nach-Nachfolger des abgesetzten Gustav IV. Adolf, als der er jedoch mit sofortiger Wirkung die Regierungsgeschäfte übernahm. Die schwedische Politik nähert sich Frankreich an, im Oktober tritt das Land der Kontinentalsperre bei.

Karl XIV. Johann, eigentl. Jean-Baptiste Bernadotte (1763 - 1844) Quelle: SB58

Als Karl August im Mai 1810 überraschend starb, wählte der schwedische Reichstag den französischen Marschall Jean Baptiste Bernadotte unter dem Namen Karl Johan zum Kronprinzen. Arndts Gönner, der Generalgouverneur, Unikanzler und kommissarische Reichsmarschall Hans Henrik von Essen, wurde enger Vertrauter Bernadottes, was für Arndt bedrohlich werden konnte. Bernadotte erklärte auf Geheiß Napoleons im November 1810 England den Krieg.

Arndt stand für das Regime Gustav IV. Adolf

„1810 wird in Schweden die Pressefreiheit, die 1766 eingeführt, von Gustav IV. Adolf aber auf kaltem Wege abgeschafft worden war, in vollem Umfang wiederhergestellt und mit Verfassungsrang versehen. Arndt steht als Identifikationsfigur für das gustavianische Regime, als die er 1816 denn auch mit Einreiseverbot nach Schweden belegt wird und als die er auch schon 1806 zum Duell gefordert worden war ... Essen intervenierte auch nicht, als Arndt 1816 die Einreise nach Schweden verweigert wird. Auch konnte Arndt nicht wissen, dass die schwedische Regierung 1812 eine antinapoleonische Politik einschlagen würde.

Der vollständige Brief von Prof. Buchholz auf www.ostsee-zeitung.de

Leserbrief von Werner Buchholz

Mit großem Interesse habe ich gestern (Montag, 2. September) den - namentlich nicht gekennzeichneten (?) - Artikel über Arndt auf Seite 10 der OZ, Greifswalder Lokalausgabe, gelesen. Anscheinend wird hier aus dem Ausstellungskatalog von Gerd-Helge Vogel zitiert. Soweit ich es dem Artikel entnehmen konnte, scheint mir Herrn Vogels Text der am besten recherchierte zu sein, den ich bisher im Bereich der Heimatgeschichte zum Duell zwischen dem Oberleutnant Gustav Adolf Gyllensvärd und Ernst Moritz Arndt lesen konnte. Dennoch enthält auch dieser leider einige Fehler:

Die beiden wichtigsten Quellen zum Duell zwischen Gustav Adolf Gyllensvärd und Ernst Moritz Arndt sind das Tagebuch des Bataillonsarztes Johan Jacob Rådberg und die Briefe Arndts an Charlotte von Kathen. Für die Datierung des Duells (auf den 10. Juli 1806) ist der Brief Arndts an Friedrich Bogislaw von Schwerin maßgeblich. Zum politischen Hintergrund und die Verbindung Gyllensvärds zur Opposition gegen Gustav IV. Adolf geben Uno Willers` Forschungen Auskunft. Was dagegen Arndt in seinen über drei Jahrzehnte später, im Jahre 1840, erschienenen „Erinnerungen“ als Hintergrund angibt, gehört in die politische Vorstellungswelt des Jahres 1840 (Stichwort: Rheinkrise) und ist dem zuletzt noch von dem Stein-Biografen Heinz Duchhardt festgestellten „ausgeprägten Hang Arndts zur Legendenbildung“ geschuldet.

Demnach fand am Sonnabend, dem 7. Juli 1806die von General Armfelt, dem Oberbefehlshaber der in Pommern aus Anlass des 3. Koalitionskrieges stationierten schwedischen Truppen, veranstaltete große Festlichkeit nach dem Vorbild eines englischen Vauxhall statt, an der sämtliche Einwohner Stralsunds und auch alle anderen, die sich in der Stadt aufhielten, unabhängig von Stand und Herkunft teilnehmen konnten. Zu später Stunde, als laut Rådberg die Abstände zwischen den „Erfrischungen“, die man zu sich nahm, kürzer wurden und die Anwesenden bereits „något för mycket muntra“ (etwas zu ausgelassen) waren, provozierte der 24jährige Oberleutnant den 36jährigen Professor vor aller Augen in einer Art und Weise, dass letzterer bei Verlust seiner bürgerlichen Ehre gezwungen war, Gyllensvärd zum Duell zu fordern. Dieses fand innerhalb der vorgeschriebenen Frist von drei Tagen, am folgenden Dienstag, statt. Hätte Gyllensvärd Arndt töten wollen, dürfte ihm das nicht schwergefallen sein. Aber das hatte der junge Offizier aus Västergötland nicht vor – und auch nicht seine Hintermänner. Die Kugel, die Arndt stellvertretend traf, galt Gustav IV. Adolf zur Warnung. Da der König diese – wie auch alle anderen Warnungen – in den Wind schlug, kam es keine drei Jahre später, im März 1809, zu seiner Absetzung.

Wiederum fünf Tage später, am 15. Juli 1806, wurde Arndt die Kugel, die auf der linken Seite „einen halben Zoll tief über der letzten Rippe sich fand“ herausoperiert. Die Wunde kurierte Arndt in Stralsund aus, nicht in Trantow. Hier hielt sich auch sein Freund Weigel, der Leibarzt des Königs, auf. Am 31. Juli schreibt Arndt an Charlotte von Kathen, dass er „heute oder morgen“ erstmals das Bett verlassen würde, am 4. August berichtet er, dass er „nun wieder auf den alten Füßen“ sei, aber erst am 28. August – Arndt befindet sich immer noch in Stralsund.– hat er wieder den „Muth und das Gefühl eines Gesunden“. Noch muss er einen Verband tragen, der täglich gewechselt wird. Er geht um halb neun Uhr abends zu Bett, schläft bis 5 Uhr, dann liest er und treibt „Fantasterei“, um 8 Uhr wird ihm das Frühstück – „mit Schinken und Porter“ - ans Bett gebracht. Um neun Uhr steht er auf, vorerst aber nur „für ein halbes Stündchen“, um 10 Uhr ist dann, wie schon angeführt, „großer Verband“. Dann steht er auf, spaziert, sitzt auf dem „Sopha, auch mal wieder auf dem Bette“. Zum Mittagessen trinkt er ein Glas Rheinwein, nachmittags empfängt er Besuche. Gern möchte er „sich noch einmal eine Kugel durch den Leib schießen lassen, um noch einmal so viele Stimmen der Freundschaft und Theilnahme zu vernehmen“, schreibt er an Charlotte von Kathen.

Dass Arndt nach Pommern zurückgekehrt sein soll, weil Schill Ende Mai 1809 in Stralsund erschossen wurde, ergibt keinen rechten Sinn. Fakt ist vielmehr, dass der schwedische Reichstag am 6. Juni den napoleonfreundlichen Christian August von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augusten­burg zum Kronprinzen (als Karl August) wählte und damit zum Nach-Nachfolger des abgesetzten Gustav IV. Adolf, als der er jedoch mit sofortiger Wirkung die Regierungsgeschäfte übernahm. Die schwedische Politik nähert sich Frankreich an, im Oktober tritt das Land der Kontinentalsperre bei.

Aber es kommt noch schlimmer: im Mai 1810 stirbt Kronprinz Karl August ganz überraschend. Nun wählt der schwedische Reichstag den französischen Marschall Jean Baptiste Bernadotte unter dem Namen Karl Johan zum Kronprinzen. Arndts Gönner, Hans Henrik von Essen, begrüßt in seiner Eigenschaft als kommissarischer Reichsmarschall den Kronprinzen, als dieser am 20. Oktober 1810 in Hälsingborg erstmals schwedischen Boden betritt. v. Essen gelangt un­mittelbar in die Gunst Bernadottes. Dieser betreibt zunächst eine napoleonfreundliche Politik und erklärt auf Geheiß Napoleons im November 1810 England den Krieg. 1810 wird in Schweden die Pressefreiheit, die 1766 eingeführt, von Gustav IV. Adolf aber auf kaltem Wege abgeschafft worden war, in vollem Umfang wiederhergestellt und mit Verfassungsrang versehen. Arndt steht als Identifikationsfigur für das gustavianische Regime, als die er 1816 denn auch mit Einreiseverbot nach Schweden belegt wird und als die er auch schon 1806 zum Duell gefordert worden war.

Noch bedrohlicher für Arndt dürfte gewesen sein, dass v. Essen im Laufe des Jahres 1811 zu einem engen Vertrauten des Kronprinzen wird. Hätte es sich ergeben, dass v. Essen in einen Loyalitätskonflikt zwischen Arndt und Bernadotte geraten wäre, unterliegt es keinem Zweifel, wie er sich entschieden hätte. Essen intervenierte auch nicht, als Arndt 1816 die Einreise nach Schweden verweigert wird. Auch konnte Arndt nicht wissen, dass die schwedische Regierung 1812 eine antinapoleonische Politik einschlagen würde. Erst im Oktober 1811 erfährt Arndt von ersten Anzeichen, dass zwischen „dem Kronprinzen und dem Bonipart“ Spannungen aufkommen. Aber das machte keinen Unterschied, denn jetzt drohte die Besetzung Pommerns durch französische Truppen. Wie auch immer aus damaliger Sicht sich die Situation entwickeln würde, für Arndt wurde es so oder so Zeit, die Identität zu wechseln und das Land zu verlassen.

Last but not least: Schleiermacher hieß mit vollständigem Namen Friedrich Daniel Ernst und war nicht der Schwiegervater Arndts, sondern der Halbbruder seiner Frau.

 

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