Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Als Arndt sich in eine 14-Jährige verliebte
Vorpommern Greifswald Als Arndt sich in eine 14-Jährige verliebte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:06 19.08.2019
Löbnitz um 1800 Quelle: OZ-Archiv
Anzeige
Vorpommern

Im Dezember dieses Jahres wäre Ernst Moritz Arndt 250 Jahre alt geworden. Im Barther Vineta-Museum ist dazu eine Ausstellung geplant. Die OZ blätterte aus diesem Anlass im von Gert-Helge Vogel erarbeiteten Ausstellungskatalog. Darin heißt es, dass Ernst Moritz Arndt 1793 die Greifswalder Hochschule verließ und zur Fortsetzung seines Studiums nach Jena ging. In seinen Erinnerungen lobt Arndt besonders die Lehrveranstaltungen des Philosophen Johann Gottlieb Fichte (1762 bis 1814). Aus dessen Schriften zog er den größten Gewinn in seiner Studentenzeit, schätzt Vogel ein. 1794 wanderte er im Herbst nach Löbnitz zurück und ließ sich dabei Zeit.

Verliebt in eine 14-Jährige aus Barth

Im gleichen Jahr lernte Arndt in der Pension von Anna Elisabeth Fischer in Barth die „lebensfroh heitere“ Charlotte Quistorp kennen und verliebte sich in sie. Die uneheliche Tochter des Greifswalder Medizinprofessors Johann Quistorp (1758 bis 1834) aus dessen Studentenzeit war zu diesem Zeitpunkt erst 14 Jahre alt. Ein Jahr später verlobte sich das Paar heimlich. Arndt beschrieb Charlotte so: „Um den schönsten Kopf die schönsten Locken, Blaue Augen, Rosenwangen rund, Süßes Schelmenlächeln um den Mund, Gleich geschickt zu küssen und zu locken.“

 In den folgenden beiden Jahren unterrichtete Ernst Moritz Arndt im Haus seines Vaters in Löbnitz seine jüngeren Geschwister und bereitete sich auf das theologische Examen in Greifswald vor. Das bestand Arndt 1796 dann auch. Laut Vogel hätten seine Eltern gern gesehen, wenn der angehende Pfarrer eine Pastorentochter geheiratet hätte.

Erster Sohn wuchs in Trantow auf

 Arndt heiratete indes am 21. Februar 1801 die schwangere Charlotte Quistorp in der Greifswalder Marienkirche. Sie starb schon am 25. Juni des selben Jahres nach der Geburt des Sohnes Karl Moritz am Kindbettfieber. Der kleine Mann wuchs zunächst bei den Großeltern in Löbnitz und nach dem Tod von Arndts Mutter bei Schwester Dorothea und Großtante Sophie in Trantow auf. Die dortige Domäne übernahm übrigens 1805 Ernst Moritz Arndts Vater Ludwig. Er starb drei Jahre später. Das Grab auf dem Trantower Friedhof ist erhalten.

Im Herbst 1796 war Arndt nach Altenkirchen auf Rügen gezogen, um die Kinder Gotthard Ludwig Kosegarten (1758 bis 1818), des reichsten Pfarrherren der Insel, zu unterrichten. Im Haus des auch als Dichter bekannt gewordenen Pastors „wesentliche literarische Impulse aus dessen Sturm-und-Drang-Empfinden und präromantischer Weltsicht, die sein eigenes dichterisches Bemühen genauso anfachten, wie sie sein Gespür für die sozialen Probleme seiner Heimat sensibilisieren halfen: Denn in der Kritik an der Leibeigenschaft der rügenschen Bauern waren sich Pastor wie Hauslehrer einig.“

Vom schwedischen Untertan zum preußischen Patrioten

Arndt erinnert sich auch, dass er während seines Aufenthalts auf Wittow „mit Schall und Beifall predigte“, beerdigte aber seinen Wunsch, Pfarrer zu werden. Im April 1798 kehrte er für zwei Wochen nach Löbnitz zurück, ehe er sich für etwa eineinhalb Jahre auf Bildungsreise durch Europa begab. Nach Einschätzung von Manfred Herling und Horst-Diether Schroeder wandelte er sich auf der Reise vom schwedischen Untertan zum deutschen Patrioten.

Nach der Rückkehr nach Pommern legte er 1800 in Greifswald die Magisterprüfung ab, habilitierte sich an der Hochschule noch im gleichen Jahr und begann an der Alma Mater zu lehren (wird fortgesetzt).

Lesen Sie weiter:

Schwarz. Rot. Arndt. Rügen setzt umstrittenem Dichter dieses neue Denkmal

Arndt und Kroos in Greifswald verbunden

Kontakt Zum Autor:

Oberdörfer

Von Eckhard Oberdörfer

Ernst Moritz Arndt bewegt bis heute die Gemüter.

19.08.2019

29 Großsteingräber, 401 Urnenfriedhöfe und 1239 Hügelgräber sind auf einer berühmten Rügenkarte verzeichnet. Sie erschien vor 190 Jahren und ist bis heute für Historiker unverzichtbar.

19.08.2019

In Kaisers Zeiten starben viele Kinder sehr früh. In Preußen war sie im pommerschen Kreis Franzburg besonders hoch. Das rief den Greifswalder Kinderarzt Prof. Peiper auf den Plan.

19.08.2019