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Greifswald Pilotprojekt: Johannisbeeren für die Greifswalder
Vorpommern Greifswald Pilotprojekt: Johannisbeeren für die Greifswalder
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17:02 10.09.2019
Morgana Wätjen und Philipp Thapa setzen sich für urbanes Gärtnern ein. Nahe der Tiefgarage befindet sich diese, aus ihrer Sicht geeignete Fläche. Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

Essbare Pflanzen für jedermann in der Stadt anbauen, das wünschen sich Greifswalder Initiativen. So etwas gibt es beispielsweise schon in Rostock. „Es geht uns um nachhaltige Stadtentwicklung“, sagt die Soziologin und begeisterte Gärtnerin Morgana Wätjen. „So ein Garten soll gleichzeitig lecker und schön für alle sein.“ Andere essbare Pflanzen, wie Gemüse oder Obstbäume, könnten ebenfalls angebaut werden, aber man müsse stets den Pflegeaufwand im Auge haben.

Denkmalschutz: keine Johannisbeeren im Rosengarten

Wätjen und Philipp Thapa gehören einer Gruppe des BUND an, die die urbane Landwirtschaft in Greifswald etablieren will. Bisher fehlt ein Pilotprojekt, obwohl sich die Gruppe etwa ein Jahr darum bemüht. „Ende 2018 haben wir ein Konzept für den Rosengarten erstellt, um Teilbereiche mit Johannisbeersträuchern zu bepflanzen“, erzählte Thapa. „Das scheiterte am Denkmalschutz. Aus der Nutzung einer Grünfläche am Museumshafen am Parkplatz wurde nichts, weil hier künftig mehr Stellplätze entstehen sollen.“

Gespräch mit Bausenatorin macht Hoffnung

Nach einem Gespräch mit Bausenatorin Jeannette von Busse (CDU), haben die beiden Naturschützer berechtigte Hoffnung, dass es endlich vorwärtsgeht. „Es geht um einen Platz an der Pestalozzistraße“, informiert Thapa. „Wir erarbeiten ein Konzept für die Bepflanzung mit Beerensträuchern und sprechen mit den Anwohnern, um sie zum Beispiel bei der Pflege einzubeziehen.“

SPD pro Karte mit Angeboten fürs urbane Gärtnern

Thapa ist Mitglied der SPD. Der Landschaftsökologe arbeitet als Umweltphilosoph, befasst sich damit, wie Städte in Zukunft aussehen könnten. Er ist an der Uni Ansprechpartner für GETIDOS, eine Plattform für sozial-ökologische Innovationen. Gemeinsam mit der sozialdemokratischen Bürgerschaftsabgeordneten Monique Wölk hat er ein Papier erarbeitet, das die Bürgerschaft am Montag beschließen könnte: Der OB soll im Internet eine Übersicht mit Karte zur Verfügung stellen, auf der freie Flächen für urbane Landwirtschaft und Grünflächenpatenschaften dargestellt sind. „Ein Studierender ist derzeit Praktikant beim BUND“, so Thapa. „Er könnte die Karte in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung in einer Qualifizierungsarbeit erstellen.“

Stadt hat bisher vor allem Pflegepatenschaften im Blick

Von der Stadt benötige man die Zuarbeit, ob Flächen unter Denkmalschutz stehen, Gestaltungssatzungen gegen urbanes Gärtnern sprechen, Bauvorhaben oder Leitungen den Anbau von essbaren Pflanzen verhindern. Wer derzeit in der Verwaltung bei der zuständigen Mitarbeiterin vorspreche, könne zwar leicht Patenschaften für Grünflächen übernehmen, aber bei Flächen fürs urbane Gärtnern sei das nicht so, schätzt Thapa ein. „Eine Plattform mit Karte würde das Verfahren erheblich beschleunigen“, wirbt Monique Wölk. Lange Prüfverfahren würden vermieden.

Auf der Sitzung des Bauausschusses gab es viele ablehnende Stimmen zum SPD-Vorschlag. Der Aufwand sei zu groß und geprüft werden müsse jeder Antrag trotzdem, so Bausenatorin von Busse. Bei Problemen könnten Interessenten direkt zu ihr kommen.

Uni dementiert Vorreiterrolle

Laut SPD ist die Uni schon ein Stück weiter. Die Hochschule führe gerade probeweise ein System zur Übernahme von Grünflächenpatenschaften beziehungsweise dem Anbau essbarer Pflanzen probeweise ein, heißt es in dem Papier für die Bürgerschaft. Unisprecher Jan Meßerschmidt dementiert. Es gebe kein Projekt. Richtig sei, dass Studierende über urbane Landwirtschaft diskutieren würden, sagt er unter Berufung auf den Allgemeinen Studierendenausschuss.

Amtsleiter schlägt Nutzung von Kleingärten vo

Bauamtsleiter Thilo Kaiser verwies auf die vielen leer stehenden Kleingärten, die für den Anbau essbarer Pflanzen für jedermann genutzt werden könnten. Kathrin Buchholz, die Vorsitzende des Vereins der Gartenfreunde Greifswald, sieht das kritisch. Erstens seien nur zwei Prozent der Parzellen nicht besetzt. Zweitens müsste ein Mitglied des Kleingartenvereins Pächter und die Bedingungen des Bundeskleingartengesetzes erfüllt sein.

Verband: Es fehlen zusammenhängende Flächen

Drittens würde eine Fläche irgendwo in der Anlage nicht sinnvoll sein, zusammenhängende Flächen seien nötig. „Wir haben geprüft, ob die Kaninchenzüchter von der verlängerten Scharnhorststraße in die Sparten ’Fortschritt’ und ,Erholung’ umziehen könnten“, erläutert Buchholz das Problem an einem Beispiel. Man habe keine zusammenhängenden Flächen gefunden. Die Kaninchenzüchter sollen für den Neubau eines Schulzentrums weichen.

Von Eckhard Oberdörfer

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