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Greifswald Fachschule für Sozialpädagogik erweitert Bildungslandschaft
Vorpommern Greifswald Fachschule für Sozialpädagogik erweitert Bildungslandschaft
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18:07 28.10.2019
Mit Schwung in die Zukunft: Tim Bürger, Leiter des Seminars für kirchlichen Dienst, versetzt Marén Suckert und Lea Gülzow (v.l.) auf der Schaukel im neuen Sportraum in Bewegung. Die angehenden Erzieherinnen freuen sich über die verbesserten Lernbedingungen. Quelle: Petra Hase
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Greifswald

Ein paar Restarbeiten bleiben, doch das Gros der Arbeiten ist geschafft: Nach 18 Monaten Bautätigkeit bei laufendem Ausbildungsbetrieb feiert das Seminar für Kirchen Dienst (SKD) in Greifswald am Mittwoch die Erweiterung seiner Kapazitäten. Kernstück der 2,15-Millionen-Euro-Investition ist ein Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft zum bestehenden Gebäude am Puschkinring im Stadtteil Schönwalde II. Er beherbergt einen etwa 90 Quadratmeter großen Bewegungsraum sowie im Geschoss darüber einen ebenso großen, multifunktionalen Veranstaltungsraum. „Mit ihm haben wir jetzt quasi auch eine eigene Hauskirche“, freut sich Tim Bürger, seit fünf Jahren Leiter der Ausbildungsstätte.

Die staatlich anerkannte Fachschule für Sozialpädagogik in Trägerschaft der Nordkirche stelle mit ihrer Kombination von religions- und reformpädagogisch orientierter Ausbildung ein bundesweit einmaliges Angebot dar, betont Bürger. Mit großem Erfolg. Litt die Ausbildungsstätte für Sozialassistenten und Erzieher noch vor mehr als zehn Jahren unter rückläufigen Bewerberzahlen, zog die Kirchensynode damals sogar eine Schließung in Betracht, „lernen heute bei uns 225 Schüler in zehn Klassen“, berichtet der Schulleiter. Mit dem Neubau sei noch ein bisschen Luft nach oben: Die Kapazität liege bei 250 Schülern. Wobei es neben den jungen Leuten auch Quereinsteiger gebe. Die Fachschule ermögliche ihnen, die Ausbildung mit ihrer Erwerbstätigkeit zu verbinden. Das setze allerdings eine hohe Präsenz an Freitagabenden und an den Wochenenden voraus. „Der älteste Schüler, der in diesem Sommer seine Erzieherausbildung erfolgreich abschloss, war 58 Jahre“, sagt Bürger anerkennend. Im Übrigen: Wer am SKD lernen möchte, muss keiner Konfession angehören.

Nachbarn halfen dem SKD in Bauphase

Die stetig wachsende Resonanz war auch der Grund, die Investition anzuschieben. Die Ausbildungsstätte drohte, aus den Nähten zu platzen. Vornehmlich fehlten große Unterrichtsräume in dem zu DDR-Zeiten als „Kinderkombination“ – also Tagesstätte für Krippen- und Kindergartenkinder – errichteten Haus. Das hat sich nun mit der Bautätigkeit geändert. Neben dem Neubau wurde auch im Bestandsgebäude ganz viel verändert. „Viele Anregungen kamen von den Studenten selbst, die in die Planungen intensiv einbezogen wurden“, berichtet Architekt Bernd Baresel von der beauftragten Tangram Planwerkstatt GmbH Greifswald. Die größte Herausforderung sei es gewesen, bei laufendem Schulbetrieb zu bauen. Immer wieder mussten Gebäudeteile freigezogen werden, bevor Wanddurchbrüche und weitere Arbeiten erfolgen konnten. Lärm und Dreck waren über Monate ein ständiger Begleiter des Unterrichts.

Der Neubau fügt sich ins Gebäudeensemble ein. Quelle: Petra Hase

„Das war manchmal ganz schön belastend und alles andere als gemütlich“, offenbart die angehende Erzieherin Marén Suckert (20). „Wir mussten deshalb auch zeitweise ins Humboldtgymnasium beziehungsweise ins Labyrinth ausweichen“, blickt Mitschülerin Lea Gülzow (19) zurück. Beide absolvierten im Sommer nach zweijähriger Ausbildungszeit ihre Prüfungen zur Sozialassistentin, um jetzt die zweijährige Erzieherausbildung anzuschließen. Eine Ausbildung, die ihnen vielen Spaß bereitet, „denn hier geht es sehr familiär zu“, lobt Suckert und freut sich ebenso wie ihre Mitschülerin über das Ende der Bauarbeiten und die neuen Räumlichkeiten.

Das SKD als Lern- und Lebensort

Auch Schulleiter Tim Bürger zeigt sich erleichtert darüber, dass wieder der normale Schulalltag beginnt. Mit Bedingungen, die sich wesentlich verbessert haben. Die kleinen Kreativwerkstätten seien beispielsweise zu einem großen Raum zusammengelegt worden, es gibt eine schöne Cafeteria mit angrenzender Küche, mehr Einzelarbeitsräume und auch einen neuen Bürobereich für die 30 Lehrkräfte, von denen übrigens die meisten in Teilzeit arbeiten. Bei allen Umbauten sei Wert auf die Barrierefreiheit gelegt worden, denn Inklusion werde im SKD nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt. „Wir sehen uns nicht nur als Lern-, sondern auch als Lebensort“, sagt Tim Bürger. Daher freue ihn besonders, dass es jetzt auch eine räumliche Verbindung zur angrenzenden Kindertagesstätte „Hand in Hand“ gebe, die sich in Trägerschaft der Kreisdiakonischen Kita gGmbH befinde. Ziel sei es, die Kontakte zum beiderseitigen Nutzen zu intensivieren. „Die Konzeptentwicklung dafür steht jetzt an“, sagt Bürger.

Kurse und Erlebnistage für Fachkräfte

Darüber hinaus beschreitet das Seminar für kirchlichen Dienst mit der Einweihung der neuen Räumlichkeiten ganz neue Wege: „Ab November erweitern wir unser Profil mit einem Fort- und Weiterbildungsbereich“, informiert der Schulleiter. Mit Kursen und Workshops, Vorträgen und Erlebnistagen für pädagogische Fachkräfte sowie andere Interessenten will das SKD die pädagogische Bildungslandschaft in Vorpommern erweitern und vor allem auch Raum für Austausch bieten. „Das Angebot richtet sich auch an ehemalige Schüler“, sagt Bereichsleiterin Franziska Kemter. Denn die Erfahrung lehre, dass insbesondere Berufseinsteiger dankbar über eine weitere Begleitung seien.

Franziska Kemper koordiniert jetzt den Bereich der Fort- und Weiterbildung am SKD. Quelle: Petra Hase

Einen Vorgeschmack gibt es bereits am 30. Oktober, wenn das SKD mit einem Festtag das Ende der Bauarbeiten feiert. Neben Vorträgen zu pädagogischen Themen stehen Kreativangebote sowie mehrere Workshops zur Auswahl, die zum Beispiel interreligiöse Herausforderungen in der Arbeit mit Kindern, Medienbildung und erzieherischen Hilfen thematisieren.

Von Petra Hase

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