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Greifswald Wund gelegen – Familie kritisiert Pflege in Greifswald
Vorpommern Greifswald Wund gelegen – Familie kritisiert Pflege in Greifswald
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14:18 09.11.2018
Das Uniklinikum in Greifswald
Das Uniklinikum in Greifswald Quelle: Unimedizin Greifswald
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Greifswald

 Gisela Kapitzke ist von der Behandlung im Universitätsklinikum schwer enttäuscht. „Was mit meinem Mann vom 9. bis 17. Oktober passiert ist, grenzt an schwere Körperverletzung“, sagt sie.

Jürgen Kapitzke (78) litt unter Druckgeschwüren (Dekubitus). Sie sind für Betroffene schlimm, die Behandlung ist langwierig. Nach älteren Schätzungen des Robert-Koch-Instituts gibt es jährlich über 400 000 Neufälle von Dekubitus, die behandelt werden müssen. Die Zahl stieg laut Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen von 2018 in den letzten Jahren stark an.

Jürgen Kapitzke war im Februar/März etwa vier Wochen zur Behandlung auf einer Station der Inneren Medizin. Er hatte eine Dekubituswunde von bis zwei zu Zentimetern Tiefe. Doch im Klinikum sei nichts besser geworden, sondern schlechter. Wie Gisela Kapitzke weiter erzählt, hatte ihr Mann eine Lungenentzündung, Fieber, Schluckbeschwerden und war durch Keime belastet. Er sei bei ihren Besuchen schläfrig und teilweise desorientiert gewesen und habe Gewicht verloren. „Die Ausrede, dass das Pflegepersonal überlastet ist, lasse ich nicht gelten“, schrieb sie Pflegevorstand Peter Hingst. Ihr Mann sei sehr krank, vor drei Jahren seien beide Beine amputiert worden.

In der Antwort des Lob- und Beschwerdemanagements des Uniklinikums an sie heißt es, dass es bei sehr schweren Krankheitsbildern trotz leitliniengerechter und konsequenter Durchführung einer Dekubitusprophylaxe zur Schädigung der empfindlichen Haut kommen könne. Man nehme die Beschwerden sehr ernst und werde das Personal, sensibilisieren, „noch stärker auf die Bedürfnisse unserer älteren Patienten einzugehen.“

Am 8. Oktober wird Jürgen Kapitzke durch den Rettungsdienst erneut ins Krankenhaus gebracht und landet auf der gleichen Station wie im März. An der Behandlung durch die Ärzte sei sicher nichts auszusetzen, meint Gisela Kapitzke. „Aber er hat wieder einen Dekubitus am Gesäß und Pilzbefall im Genitalbereich. Auch dieses Mal habe es bei der Entlassung am 17.Oktober keine Informationen und Hinweise für den häuslichen Pflegedienst gegeben. Bei der Einlieferung habe es nur leichte Rötungen im Genitalbereich gegeben, die sofort hätten weiter behandelt werden müssen. Stattdessen sei nur Salbe aufgetragen worden. „Das häusliche Pflegepersonal hatte sehr große Mühe, diese dicke Schicht von verhärteter Salbe in mehreren Schichten abzutragen“, schildert Gisela Kapitzke. Die ambulante Pflegerin Manuela Schult bestätigt die Darstellung und berichtet von weiteren anscheinend problematischen Behandlungen in der Uniklinik in den letzten Jahren. Gisela Kapitzke lobt indes ausdrücklich die Arbeit des Pflegepersonals der Odebrechtstiftung und den Hausarzt.

„Wir haben uns die Beschwerde über die Wundbehandlung des Patienten im März sehr zu Herzen genommen und hatten der Ehefrau ein Gespräch angeboten, um das Wundmanagement der Pflege noch einmal ausführlich zu besprechen“, sagt der Direktor der Klinik für Innere Medizin A, Prof. Markus Lerch in einer schriftlichen Stellungnahme. Leider sei ein Gesprächsangebot nicht angenommen worden. Auf die Salbe geht Lerch nicht ein. „Im Oktober wurde die pflegerische Behandlung der immer noch vorhandenen Wunden sehr sorgfältig dokumentiert und dafür eine Spezialwundauflage mit Hydrokolloidverband verwendet“, informiert er. Der sei wasserdicht, sodass auch Körperpflege, Duschen oder Baden möglich seien.

Lerch bietet erneut ein Gespräch an. „Für Beschwerden, die uns helfen, die Versorgung zu verbessern, sind wir überaus dankbar, in diesem Fall im besonderen Maße“, betont der Klinikdirektor. Die Beschwerde sei Anlass, die Kommunikation mit den Hausärzten zu verbessern. Gleiches gelte für die Informationsübermittlung.

Gisela Kapitzke will den Fall nicht auf sich beruhen lassen. Sie erwägt die Gründung einer Selbsthilfegruppe. „Angehörige müssen den Mut aufbringen, für ihre Liebsten zu kämpfen.“

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