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Greifswald Flüchtlingshilfe: Strukturen in der Kritik
Vorpommern Greifswald Flüchtlingshilfe: Strukturen in der Kritik
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06:51 28.12.2015
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Greifswald

Kein Wasser, kein Strom, keine Heizung. Laura-Ann Schröder, die sich seit Wochen in Greifswald freiwillig und ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiert, war angesichts dieser Zustände in zwei Wohnungen für neu angekommene Flüchtlinge schockiert. Schon öfter habe sie die Arbeit der Behörden als kritikwürdig empfunden. „Doch was ich jetzt im Ostseeviertel Ryckseite erlebte, ist unvorstellbar. Die Bedingungen für die zwölf Syrer, darunter Kinder und schwangere Frauen, waren unzumutbar. Deshalb muss das jetzt mal raus“, macht sich die 26-Jährige, die beruflich in der Kinder- und Jugendarbeit tätig ist, Luft.

Gerd Hamm, beim Kreis Vorpommern-Greifswald als Sozialamtsleiter auch für die Unterbringung von Asylsuchenden verantwortlich, weist die Vorwürfe energisch zurück: „Die Wohnungen wurden zuvor abgenommen und als zumutbar eingestuft. Wasser, Strom und Heizung waren garantiert vorhanden. Richtig ist, dass eine Steckdose nicht in Ordnung war“, sagt er. Zugleich räumt er ein, dass die Wohnungen nicht ideal seien. Sie sollten schrittweise für Neuankömmlinge hergerichtet werden. „Aber wir bekamen Ende voriger Woche noch einmal kurzfristig 200 Flüchtlinge zugewiesen. Da wir die Turnhalle in der Feldstraße nicht mehr nutzen wollten, mussten wir schnell Lösungen finden“, so Hamm. Er selbst habe die Wohnungen nicht gesehen. „Aber sie sind ganz sicher menschenwürdig, auch wenn sie nicht mit deutschem Standard vergleichbar sind.“

Die Masse der zugewiesenen Flüchtlinge — in diesem Jahr etwa 3400 — habe den Kreis vor große Herausforderungen gestellt. „Natürlich kann man die Dinge immer besser machen. Und keiner ist fehlerlos.

Aber ich behaupte mal, dass wir unter den schwierigen Bedingungen die Aufgaben so gut wie möglich gelöst haben“, beteuert der Amtsleiter.

Bigi Schulz, ebenfalls ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe aktiv, sieht das anders: „Es gibt definitiv zu wenig Personal. Die vorhandenen Leute sind oftmals überfordert. Ansprechpartner sind nach Büroschluss nicht zu erreichen. Deshalb muss dringend etwas an den Strukturen in der Flüchtlingshilfe geändert werden“, fordert sie. Zudem würde die angebotene Hilfe der Ehrenamtlichen von Seiten der Behörden kaum genutzt.

Das sieht auch Laura-Ann Schröder so: „Untereinander sind wir super vernetzt und organisiert. Deshalb bekamen wir auch schnell Kenntnis von den Missständen im Ostseeviertel. Aber die Hauptamtlichen kontaktieren uns nicht.“

Darüber hinaus spricht sie von Problemen mit dem Integrationsbeauftragten des Kreises, Ibrahim Al Najjar. „Vereinbarungen und Termine wurden öfter nicht eingehalten“, sagt Schröder auch im Namen anderer Helfer. „Wir können nur unterstreichen, was das Netzwerk Migration bereits öffentlich kritisierte: „Wir sehen bei ihm mit seinen unterschiedlichen Funktionen einen erheblichen Interessenskonflikt. Es kann nicht sein, dass die Landrätin dies einfach so abtut“, kritisiert Schröder. Al Najjar ist nicht nur Integrationsbeauftragter des Kreises, sondern auch dezentraler Betreuer. Zudem hat er ein Dolmetscherbüro, das nach eigenen Angaben zurzeit ruht. Wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe läuft jetzt ein Rechtsstreit (die OZ berichtete).

Aus diesem Grund will sich Gerd Hamm zu diesen Dingen auch nicht äußern. Stattdessen betont er die verlässliche Arbeit all jener Betreuer, die bei den freien Trägern der Wohlfahrtspflege wie Volkssolidarität, DRK, AWO u.a. arbeiten. Sie werden auch im nächsten Jahr gefordert sein, versichert Hamm: „Zwischen den Festtagen erwarten wir keine Flüchtlinge, doch in der ersten Januarwoche bekommen wir neue zugewiesen.“

Darunter werden Frauen sein, ist sich Anne Wolf, Sprecherin des Frauenbeirats der Hansestadt, sicher. Das Gremium fordert deshalb nicht nur, eine längst überfällige zweite Stelle eines Integrationsbeauftragten zu schaffen, sondern „diese mit einer Frau zu besetzen“. Zudem dränge auch der Frauenbeirat auf eine lückenlose Aufklärung der vom Netzwerk Migration erhobenen Vorwürfe, so Anne Wolf.

Die Wohnungen sind menschenwürdig, auch wenn sie nicht mit deutschem Standard vergleichbar sind.“Gerd Hamm, Sozialamtsleiter
Für alle Helfer, die private Unterkünfte zur Verfügung stellen möchten, findet am 14. Januar um 17 Uhr eine Infoveranstaltung im Bürgerschaftssaal des Rathauses statt.



Petra Hase

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Ich komme aus Brasilien und wohne seit März dieses Jahres in Greifswald. Im Moment studiere ich Jura.

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