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Greifswald Frau benötigt Steckdose für Rollstuhl - Wohnungsgesellschaft lehnt ab
Vorpommern Greifswald Frau benötigt Steckdose für Rollstuhl - Wohnungsgesellschaft lehnt ab
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06:00 14.08.2014
Ilona Schmidt (49) aus der Ernsthofer Wende 2b kann mit dem Rollator im Vordergrund nur noch wenige Meter gehen. Sie zeigt das Schreiben, in dem ihr die WVG mitteilt, dass sie keine Steckdose in dem Abstellraum installieren wird, weil die Anlage des Hauses Bestandsschutz hat. Die Steckdose wäre eine Bedingung, damit die Krankenkasse der Mieterin einen elktrischen Rollstuhl zur Verfügung stellt. Ohne diesen bleibt Ilona Schmidt in ihrer Wohnung gefangen.
Ilona Schmidt (49) aus der Ernsthofer Wende 2b kann mit dem Rollator im Vordergrund nur noch wenige Meter gehen. Sie zeigt das Schreiben, in dem ihr die WVG mitteilt, dass sie keine Steckdose in dem Abstellraum installieren wird, weil die Anlage des Hauses Bestandsschutz hat. Die Steckdose wäre eine Bedingung, damit die Krankenkasse der Mieterin einen elktrischen Rollstuhl zur Verfügung stellt. Ohne diesen bleibt Ilona Schmidt in ihrer Wohnung gefangen. Quelle: Kai Lachmann
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Greifswald

Seit Monaten ist die Greifswalderin Ilona Schmidt in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Ernsthofer Wende mehr oder weniger gefangen. Die 49-Jährige plagen neben einer Krebserkrankung weitere schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen. Zudem erlitt sie einen Schlaganfall und benötigt nun einen elektrischen Rollstuhl, weil eine Körperhälfte nicht mehr so funktioniert, wie sie es sollte. Ein Taubheitsgefühl, vor allem im Bein, breitet sich mehr und mehr aus.

Den E-Rollator habe ihr die Krankenkasse bereits genehmigt. Einzige Bedingung: Im Abstellraum im Erdgeschoss des Hauses muss eine Steckdose angebracht werden, damit der Rolli aufladen kann.

Allerdings ist laut der Greifswalder Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft kein Nachrüsten möglich. Begründung: Die elektrotechnische Anlage des Hauses habe Bestandsschutz. „Erst wenn die gesamte Elektroanlage erneuert wird, kann die Installation einer zusätzlichen Steckdose erfolgen“, ließ die WVG die Mieterin wissen. Weiter heißt es: „Eine Erneuerung der Elektroanlage (...) ist derzeit nicht geplant und auch nicht erforderlich.“

„Ich verstehe das nicht“, sagt Ilona Schmidt bitter enttäuscht. „Die WVG macht jedes Jahr Millionengewinne und kann nicht mal eine Steckdose einbauen?“ Für sie wäre der Stromanschluss weit mehr als eine bloße Steckdose. Denn mit dem elektrischen Rollstuhl könnte sie wieder mehr am Leben teilnehmen, sich so gut es eben ginge freier bewegen.

Bekannte würde die Einkäufe für sie erledigen. Eine Freundin habe zum Greifswalder Fischerfest im Juli einen Rollstuhl leihen können und sie darin mit nach Wieck genommen. „Das war schön“ erzählt die 49-Jährige. Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass sie wieder ihre Wohnung verlassen hat. Alleine schafft sie es gerade noch zum Briefkasten. Arzttermine muss sie aber seit Monaten absagen. Die Wege sind zu weit. Gerade in Bezug auf ihre Diabetes-Erkrankung, die regelmäßige Arztbesuche erfordert, werde die Situation immer kritischer.

Bei der WVG habe sie nachgefragt, ob sie denn eine andere Wohnung bekommen könne. Eine in einem Haus, in dem schon eine Steckdose im Abstellraum ist. „Mir wurde dann eine Wohnung angeboten. Allerdings im 5. Stock und ohne Fahrstuhl“, erzählt sie.

Einer Frau, die einen Rollstuhl benötigt, wird eine Wohnung im 5. Stock angeboten? WVG-Sprecherin Jana Wöller verneint, dass dies geschehen sei. Außerdem erklärt sie auf Anfrage: „Preiswerter Wohnraum für Senioren ist sehr nachgefragt und leider können wir den Bedarf momentan nicht abdecken.“ Die WVG habe sich mit einem Kooperationspartner in Verbindung gesetzt, der gerade ein Wohnhaus in der Nähe seniorengerecht umbaut. Allerdings: „Für die Wohnungen besteht bereits eine lange Warteliste.“

Wöller erklärt: „Sofern wir passenden Wohnraum gefunden haben, werden wir uns umgehend mit der Mieterin in Verbindung setzen, um ihr wohnliches Problem lösen zu können.“ So lange allerdings wird Ilona Schmidt weiterhin in ihrer Wohnung gefangen sein.



Kai Lachmann