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Greifswald Frech, frivol und mächtig rhythmisch
Vorpommern Greifswald Frech, frivol und mächtig rhythmisch
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00:00 27.06.2013
Tanzprobe für die „Glückliche Reise“. Erst Sonntag wird‘s bunt: 180 Kostüme gibt es im Stück.
Tanzprobe für die „Glückliche Reise“. Erst Sonntag wird‘s bunt: 180 Kostüme gibt es im Stück. Quelle: Fotos: ph/Theater
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Greifswald

Die Uraufführung im November 1932 war ein durchschlagender Erfolg. Eduard Künneke riss das Publikum mit seiner neusten Operette geradezu von den Plätzen. Kein Wunder angesichts der prägnanten Tanzrhythmen und witzigen Episoden. Die „Glückliche Reise“ ist ein Unterhaltungsstück im besten Sinne des Wortes. „Es trägt Revuecharakter, versprüht viel Charme und verdeutlicht, welch eine unglaublich fantasievolle Zeit es damals gewesen sein muss“, schwärmt Horst Kupich.

Genügend Gründe für den Operndirektor des Theaters Vorpommern, die bis heute andauernde Erfolgsgeschichte um Robert und seinen Freund Stefan als Open Air selbst einmal auf die Bühne zu bringen.

Genauer gesagt — auf die Bühne am Museumshafen, womit die Ostseefestspiele dort nach mehrjähriger Pause zu neuem Leben erweckt werden. Musikdramaturgin Katja Pfeifer ist voller Vorfreude: „Künnekes Qualität spricht für sich. Seine Titel haben alle Ohrwurmcharakter — es sind unglaublich schöne Melodien“, wertschätzt sie die Ideen des Produzenten.

Deshalb sei auch sehr früh klar gewesen, dass die Operette zu einem großen Bühnenstück wird. Nicht nur Chor und Orchester treten auf, sondern auch das Ballett Vorpommern. Etwa 100 Akteure wollen an zehn Abenden für ein unvergessliches Sommertheater sorgen und hoffen natürlich, dass die 600 Plätze am Hafen stets gut besetzt sind. Die Gastchoreographin Bärbel Stenzenberger aus Bonn gibt dafür alles. „Sie ist unser Energydrink, unser Red Bull“, lobt Kupich, der die Tänzerin einst bei einem gemeinsamen Projekt in Dresden kennenlernte. Am Ryck arbeitet Stenzenberger nun zum ersten Mal und ist über die große Inszenierung „überglücklich“. Schließlich gebe es nur noch wenige Häuser in Deutschland, in denen den Operettenkünstlern für derlei Stücke ausgebildete Tanzprofis zur Seite gestellt werden. Dass es sich im Falle Greifswalds um vorwiegend junge Tänzer unterschiedlicher Nationen handele, sehe sie als willkommene Herausforderung an.

Heißt: Das Publikum darf gespannt sein auf die Geschichte um ein leichtes Leben, das sich Robert und Stefan von Brasilien versprechen. Doch das Paradies entpuppt sich als langweilig. Das Abenteuer, vielleicht besser gesagt — die Liebe, wartet in Berlin. Und so kommt es, wie es kommen muss: Ein turbulentes Verwirrspiel um Lust und Leid nimmt seinen Lauf. „Die Lebensphilosophien der Darsteller erscheinen zunächst etwas spätpubertär und verspielt“, räumt Horst Kupich ein. Doch das Stück sei bei weitem nicht so oberflächlich, wie der Zuschauer womöglich denken mag. „Man kann sich sehr gut mit den Protagonisten identifizieren“, versichert Katja Pfeifer. Schließlich kenne wohl jeder dieses Gefühl von Fernweh nach Sonne, Strand und Palmen: „Und am Ende bleibt das Gefühl, dass man jede noch so verfahrene Kiste mit eigenem Zutun verändern kann“, sagt sie. Eben Sommerfeeling pur. Hoffentlich spielt auch der Wettergott mit.

Open Air am Hafen

5500 Zuschauer sahen 2012 das Stück „Ein irrer Duft von frischem Heu“ am Museumshafen. Im verregneten Jahr 2011 kamen nur 3300 Gäste. Die Kooperation aus Vorpommerscher Landesbühne und Theater Vorpommern bespielte die Bühne. In beiden Jahren zusammen schrieben die Veranstalter eine schwarze Null.
Premiere der „Glücklichen Reise“ ist am 30. Juni. Weitere Vorstellungen:

3., 5., 6., 9., 12., 13., 16., 18. und 19.

Juli — immer um 20 Uhr.

Karten: an der Theater- oder an der Abendkasse, zwischen 8 und 32 Euro.

Petra Hase