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Greifswald Riems: Mehr Einsatz für Tiergesundheit in der Welt nötig
Vorpommern Greifswald Riems: Mehr Einsatz für Tiergesundheit in der Welt nötig
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17:35 09.07.2019
Julia Klöckner (mitte) besuchte das Friedrich-Loeffler-Institut, rechts neben ihr Präsident Prof. Thomas Mettenleiter Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

Neue Krankheiten bzw. ihre Überträger erreichen infolge des Klimawandels und der Globalisierung Deutschland. Ein markantes Beispiel ist die Asiatische Tigermücke, die beispielsweise den Zika-Virus, den Chikungunya-Virus und den Dengue-Virus überträgt. Sie hat unsere Breiten vor allem durch den weltweiten Altreifenhandel erreicht, so Prof. Thomas Mettenleiter beim Besuch von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) beim Besuch des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems.

Am 8. Juli wurde gerade der erste Fall der Infektion eines Vogels mit dem West-Nil-Virus in Sachsen-Anhalt gemeldet. „Das war sechs Wochen früher als im letzten Jahr, das lässt aufhorchen.“ Dieses Virus verursacht das Westnilfieber und wurde erst 2018 erstmals in Deutschland nachgewiesen.

Expertise in Sachen Afrikanische Schweinepest China gefragt

„Seuchen kennen keine Grenzen“, erinnerte Mettenleiter. Darum seit es wichtig international bei der Forschung und Bekämpfung zusammenzuarbeiten. „Wir sind schon international sehr aktiv und in vielen Ländern unterwegs“, betonte der Präsident. Klöckner und er waren gerade erst in China. Dort bestehe sehr großes Interesse an den deutschen Erfahrungen im Umgang mit der Afrikanischen Schweinepest, eine der großen Gefahren für Haus- und Wildschweine. Das Loefflerinstitut will nun noch einen Schritt weitergehen und dieses Interesse institutionalisieren.

Riems will weiter in der Champions League spielen

„Unser Ziel ist ein Institut für internationale Tiergesundheit“, sagte Mettenleiter bei der Versammlung mit den Mitarbeitern der Bundesforschungseinrichtung in Gegenwart der Ministerin. Basis wäre der Riems mit seinen exzellenten Laboren, wo besonders herausfordernde Untersuchungen laufen sollten.

Unter Federführung des Landwirtschaftsministeriums wäre es außerdem eine „flexible Basispräsenz in den Zielgebieten“, zum Beispiel in Afrika vonnöten. Bisher gibt es eine dreiköpfige Arbeitsgruppe internationale Tiergesundheit, die Teil des neuen Instituts werden könnte. Auf dem Riems sollte dann auch die Geschäftsstelle angesiedelt werden. „Wir brauchen das Institut essenziell um weiter in der Champions League der ersten fünf Institute der Welt zu spielen“, sagte Mettenleiter.

Ein Blick in den Hochsicherheitstrakt Quelle: Eckhard Oberdörfer

Dass der Riems aktuell hier vertreten ist, verdankt das Friedrich-Loeffler-Institut den 350 Millionen Euro, die das Landwirtschaftsministerium bis 2013 auf „Deutschlands gefährlichster Insel“ investierte. Unter anderem entstanden Hochsicherheitslabore. Eines nahm die Ministerin auf ihrem Rundgang von außen durchs Fenster in Augenschein. Das Gespräch mit den in Vollschutzanzügen arbeitenden Forschern erfolgte durch die Wechselsprechanlage. Vergleichbare Labore gebe es nur an zwei weiteren Standorten, so Prof. Martin Groschup, der Chef des Instituts für neue und neuartige Tierseuchenerreger.

Nötige weltweite Vernetzung kostet Geld

Gegenüber den Wünschen des FLI nach einem Institut für internationale Tiergesundheit zeigte sich Klöckner offen, ohne aber etwas zu versprechen. Tierseuchen zu erkennen, ihrem Ausbruch möglichst vorzubeugen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sei sehr wichtig. „Wer nichts investiert, den kommt das später teuer zu stehen“, sagte die Ministerin. Eine weltweite Vernetzung koste Geld. Es sei aber auch nicht einfach, zusätzliche Mittel in den Haushaltsberatungen zu bekommen.

Die von den Forschern als gut aussehend bezeichnete Asiatische Tigermücke bekam die Ministerin dann auch noch zu sehen. Sie wurde im September 2007 erstmals in Deutschland an einer Autobahnraststätte entdeckt. Die Tierchen reisen gern über weite Strecken mit dem Pkw und mögen die Wärme, ihre Ausbreitung wird also durch den Klimawandel gefördert.

Die Landwirtschaftsministerin schaut sich Tigermücken an Quelle: Eckhard Oberdörfer

In Deutschland gibt es aktuell rund 50 Stechmückenarten. Ihre Verbreitung kann man in einem Mückenatlas im Internet nachvollziehen, erläuterte Helge Kampen der Ministerin. Dafür sei man auf die Bevölkerung angewiesen, die regelmäßig zur Mitarbeit aufgerufen wird. „Wir bekommen Tausende Einsendungen von Stechmücken, die wir dann bestimmen“, informierte Kampen. „Jeder Einsender bekommt eine Antwort, Kinder eine Urkunde.“ Schließlich müssen sie die Tiere einfangen, einfrieren und abschicken.

Das Friedrich-Loeffler-Institut

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) beschäftigt etwa 850 Mitarbeiter an fünf Standorten.

Hauptsitz des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit ist der Greifswalder Ortsteil Riems. Hier wird vor allem zur Prävention, Diagnose, Bekämpfung und Epidemiologie viraler Infektionen geforscht. Hier stehen die nötigen Labore und Ställe zur Verfügung. Insgesamt gibt es 218 Tierräume und 210 Labore.

Ein Grundgedanke der Arbeit ist die Einheit der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt.

Das Institut, eine Bundesoberbehörde, ist auch als Politikberater tätig.

Das FLI ist nationales Referenzlabor für anzeigepflichtige Tierseuchen und einige meldepflichtige Tierkrankheiten. Am Institut sind 80 Referenzlabore angesiedelt.

Für seine hoheitlichen Aufgaben bekommt das Institut etwa 100 Millionen Euro im Jahr, Forschung wird über die Drittmitteleinwerbung finanziert.

 

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