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Greifswald Für neue Bäume: Zapfenernte in 40 Metern Höhe
Vorpommern Greifswald Für neue Bäume: Zapfenernte in 40 Metern Höhe
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17:16 10.09.2019
Die Baumkletterer: Moritz Swars, Angelo Brenkewitz und Robert Köster (v.l.). Quelle: Christin Lachmann
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Greifswald

Ein ganz normaler Arbeitstag beginnt bei Robert Köster mit Augenmaß: Per Fernglas schaut der 33-Jährige heute nach ertragreicher Ausbeute in den bis zu 40 Meter hoch gelegenen Kronen der Ahornbäume im Elisenhain. Danach heißt es Ausrüstung an und ab in die Lüfte.

Robert Köster ist einer von drei Baumkletterern, die seit Mitte August in den Forstliegenschaften der Universität Zapfen ernten. Es dauert etwas bis die ersten Bäume des Tages gefunden wurden, die sich gut für die Ernte eignen. Mit einer Zwille, einer Art Schleuder, schießt Kösters Kollege, Angelo Brenkewitz, ein erstes dünnes Seil über einen Tragast.

Beim zweiten Versuch sitzt der Treffer. Das Ende des Seils kommt auf der anderen Seite des Baumes hinunter, der 34-Jährige befestigt nun ein zweites, dickeres Seil und zieht es mit Hilfe des ersten Stranges hoch. Das Gerüst für den heutigen Auftrag steht. Mit mehreren Karabinerhaken sichert er sich und testet mit einem Sprung, ob alles sitzt.

Dann geht es los: Angelo Brenkewitz klettert mit einigen Säcken hoch bis in die Baumkrone. Es wirkt, als verlange ihm das Hochklettern kaum etwas ab. Das Ernten beginnt. Heute steht das Sammeln von Samen eines Ahornbaumes auf dem Programm.

Eine Aufgabe für den Naturschutz und den Fortbestand von Wäldern

Es ist ein durchaus gefährlicher Job, den die drei Baumkletterer ausüben. In bis zu 40 Metern Höhe fühlt sich jeder Windhauch anders an als auf dem Boden. Konzentration ist eines der wichtigsten Gebote. „Das Adrenalin, das man oben verspürt, sorgt dafür, dass man konzentriert bleibt“, sagt Robert Köster, der in Eberswalde Landwirtschaft studierte.

Baumkletterer, auch Baumpfleger genannt, ist kein anerkannter Beruf. „Wer das machen möchte, muss auch viel Eigeninitiative zeigen“, sagt Moritz Swars. Der 29-Jährige studierte Umweltwissenschaftler sieht in seiner Arbeit mehr als die reine Leistung. „Es ist auch eine Aufgabe für den Naturschutz und für den Fortbestand von Wäldern.“

Denn die geernteten Zapfen und Samen, ob von Küstentannen, Douglasien oder eben von Ahornbäumen, werden an Baumschulen oder an Privatbesitzer weiterverkauft. „Bevor die Samen allerdings eingepflanzt werden, wird das Saatgut gedarrt, also getrocknet und somit haltbar gemacht“, erklärt Uniförster Sebastian Erkel. Nachdem die Bäume aufgepflanzt wurden, dauere es zwischen zwei bis vier Jahre, bis sie an Wiederverkäufer weitergegeben werden. Je nach Baumart haben die Pflanzen dann eine Höhe zwischen 80 bis 120 Zentimeter.

In drei Wochen fünf bis sechs Tonnen Zapfen und Samen

3400 Hektar Wald, rund um Greifswald gelegen, gehört der Universität. Mecklenburg-Vorpommern ist nach Schleswig-Holstein eines der Bundesländer mit den wenigsten Waldflächen, so Erkel und weißt auf die Wichtigkeit der Waldbestände hin: Neben Klima- und Bodenschutz diene der Wald auch als CO2-Speicher und auch als Erholungsort, so Erkel.

Wie viele Pflanzen durch die drei Baumkletterer bald gepflanzt werden, ist schwer zu schätzen. In den letzten drei Wochen sind zwischen fünf und sechs Tonnen an Zapfen und Samen durch die Baumkletterer zusammen gekommen. Wenn die Witterungsverhältnisse und die Baumstruktur stimmt, erntet Robert Küster pro Tag bis zu 200 Kilogramm Zapfen. „An weniger guten sind es vielleicht nur 50 Kilo.“ Mit den Arbeitsbedingungen haben sich Küster und seine Kollegen arrangiert. „Der menschliche Körper gewöhnt sich an alles. Auch an Angst oder Schmerzen“, sagt Köster.

Und zu Schmerzen kann es durchaus kommen, wie Angelo Brenkewitz, der seit fast drei Jahren als Baumpfleger tätig ist, weiß. Kleine Verletzungen habe er sich bereits zugezogen. Von schlimmeren blieb er verschont. Eine der größten Gefahren: ein Pendelsturz. „Durch die Pendelwirkung kann es bei einem Aufprall gegen einen Baum zu Verletzungen kommen“, erklärt der 34-Jährige. Verletzt haben sich die drei bei ihrem Einsatz für den Klimaschutz im Elisenhain nicht.

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In bis zu 40 Meter Höhe arbeiten die Baumkletterer. In drei Wochen kamen zwischen fünf und sechs Tonnen Zapfen und Samen zusammen.

Von Christin Lachmann

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