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Greifswald 80 Stralsunder Gebäude wurden weggespült
Vorpommern Greifswald 80 Stralsunder Gebäude wurden weggespült
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05:59 11.03.2019
Ausschnitt aus dem sogenannten Staudeplan von Stralsund von 1647 mit dem Hafen oben links und dem noch teilweise zerstörten Johanniskloster unten links. Original im Reichsarchiv Stockholm Quelle: Stadtarchiv Stralsund
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Stralsund

Das Jahr 2019 begann in Stralsund und anderenorts an der Küste mit einem Wetterphänomen, das man durchaus schon als kleineres Hochwasser bezeichnen könnte. Die Küstenbewohner hatten immer wieder mit solchen Naturereignissen, die sich bis zu regelrechten Katastrophen ausweiten konnten, auseinanderzusetzen. Am bekanntesten dürfte dabei wohl die Sturmflut von 1872 gewesen sein, der ganz am Rande bemerkt das Stralsunder Museum eines seiner größten Highlights, den Goldschatz von Hiddensee, verdankt. Aber vielleicht ist das auch nur eine gut ausgedachte Geschichte schlitzohriger pommerscher Fischer? Auch 1904 gab es ein verheerendes Hochwasser, das insbesondere in und um Greifswald enorme Schäden anrichtete. 1304 soll eine Sturmflut das Neue Tief südlich der Halbinsel Mönchgut geschaffen haben. Der Stralsunder Chronist Johann Berckmann schreibt dazu: „Item anno 1300 vnnd 4 iß dat Nyedep vor dem Sunde uth middel eines stormes gekamenn.“ Aber erst die Sturmflut vom 10. Februar 1625 ist die erste, von der umfangreichere schriftliche Nachrichten vorliegen.

1976 hat Helge bei der Wieden einen Aufsatz zu dieser Sturmflut in dem Jahrbuch „Baltische Studien“ veröffentlicht. Er musste sich dabei aber auf die Auswertung gedruckter Quellen beschränken, da Anfragen an DDR-Archive unbeantwortet blieben. Darum stehen Rostock und Warnemünde in seinen Ausführungen im Zentrum, weil zu diesen Orten die meisten gedruckten Nachrichten vorliegen. Aber auch in Vorpommern richtete das Hochwasser schwere Zerstörungen an. Zeitgenössische Chronisten wie der Stettiner Johannes Micraelius (Lütkeschwager), Rektor des dortigen Pädagogiums, brachte das Unwetter mit dem wenige Tage zuvor (6. Februar) erfolgten Tod Herzog Philipp Julius von Pommern-Wolgast in Zusammenhang. In einer Zeit, in der die Hexenverfolgung ihren Höhepunkt erreicht hatte und man Wetter- oder andere Phänomene, z. B. den Halleyschen Komet von 1607, zu düsteren Prophezeiungen heranzog, nimmt dies nicht wunder, zumal mit dem Tod von Philipp Julius klar war, dass die Dynastie der pommerschen Herzöge, die Greifen, aussterben würde. Denn von dem einzig noch lebenden Herzog Bogislaw XIV. war kein Nachwuchs zu erwarten, das war den Menschen 1625 bereits klar.

Über die Flut in Pommern und speziell in Stralsund berichtet die wichtigste Chronik des 17. Jahrhunderts, das seit 1646 im Druck erscheinende „Theatrum Europaeum“ in seinem ersten Band. Dort heißt es: „Den 10. Februarii [1625] seynd in Pommern durch ein gewaltigen Nord-Ostwind die Ströme auß der See so hoch in das Land getrieben / vnnd die Springfluth so groß gewesen / als bey Menschen-Gedencken nicht gesehen worden; wordurch viel Häuser weggerissen / auch am Seestrand etliche Dörffer überschwemmet; wie dann auch sonderlich zu Stralsund bey 80. am Strand gelegene Gebäwe hinweg getrieben / vnd verdorben. Ingleichem seynd die Dämme / Brücken vnd Fähre sehr beschädiget / viel Schiffe zerschmettert worden / vnnd zu Grund gangen; viel Viehe / wie auch Menschen / alte und junge seynd ertruncken / vnd ein unüberwindlicher Schaden geschehen.“ Die Chronik berichtet dann im unmittelbaren Anschluss von zwei weiteren Hochwassern am 14. Februar bei Lübeck und Travemünde und am 26. Februar in Hamburg.

Auch in den Dokumenten des Stadtarchivs Stralsund finden sich Schriftzeugnisse. Allerdings enthalten die überlieferten Ratsprotokolle dieser Wochen nichts dazu, ganz im Gegensatz zu einer anderen Katastrophe, die die Stadt wenige Wochen zuvor ereilte; der Brand des Johannisklosters. Aber es hat sich ein Brief des Stralsunder Rates an König Christian IV. von Dänemark vom 2. Mai 1625 erhalten. In diesem wird um Anweisung an die königlichen Amtleute auf Gotland, das damals zu Dänemark gehörte, gebeten, den Stralsundern bei der Beschaffung von Bauholz behilflich zu sein. Das Bauholz werde für den Wiederaufbau des Johannisklosters und die Behebung der durch die Sturmflut vom 10. Februar im Hafen angerichteten Schäden benötigt. Speziell dazu heißt es im Brief: „ein grausamb ungewitter und wasserfluth aus dem norden entstanden, welches an dieser ganzen see-custen großen schaden gethan und insonderheit alhie [d. h. in Stralsund] alle bollwerken und bruggen nebst dem thorhaus und andern zimmern [Gebäuden] eingerissen und die schiffe zerschmettert.“ Offenbar ist der Brief, aus welchen Gründen auch immer, nicht abgesendet worden, denn in der Akte befindet sich das unterschriebene und gesiegelte Original, nicht etwa eine Kopie oder Entwurf.

Auch aus anderen Orten Vorpommerns liegen Berichte zu den Zerstörungen der Sturmflut vor. Für Barth und Umgebung, insbesondere Zingst und Darß, gibt die sogenannte Wichmannsche Chronik eine detaillierte Schilderung. Der Wolgaster Landtagsabschied vom 30. Juni 1626 behandelt als vierten Punkt die Flutschäden und ihre Beseitigung. Dazu wurden die beiden Adligen Erasmus Küssow, vormaliger herzoglicher Kanzler zu Wolgast, und Joachim Mörder sowie der Stralsunder Bürgermeister Lambert Steinwich zu Kommissaren ernannt, die mit Hinzuziehung der Betroffenen und in der Sache erfahrener Leute die Schäden begutachten und Vorschläge zu ihrer Beseitigung und künftigen Verhinderung erarbeiten sollten. Man ahnte damals noch nicht, welche ganz andere Sorgen und Nöte knapp anderthalb Jahre später auf das Land zukommen würden. Mit der Einquartierung von zehn kaiserlichen Regimentern wurde Pommern im Spätherbst 1627 direkt und unmittelbar in jene schon seit 1618 tobende kriegerische Ereignisse mit einbezogen, die man später den Dreißigjährigen Krieg nennen würde.

 

Dirk Schleinert

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