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Greifswald Gemeinde Karlsburg bangt um ihr Schloss
Vorpommern Greifswald Gemeinde Karlsburg bangt um ihr Schloss
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09:47 07.05.2019
Eckhard Salzsieder, Direktor des Diabetesinstitut, Bürgermeisterkandidat Mathias Bartoszewski, Bundestagsabgeordneter Philipp Amthor und der Bürgermeister Rolf Warkus bei einem Rundgang durchs Schloss. Quelle: Petra Hase
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Karlsburg

Die Farbe blättert von den Wänden, auf dem Parkett sammelt sich Staub, tote Fliegen liegen auf den Fensterbrettern. Der Barocksaal im Schloss Karlsburg hat, wie das gesamte 1731 errichtete Gebäude, schon bessere Zeiten gesehen. Der einst so repräsentative Bau und ganze Stolz der Gemeinde liegt im Dornröschenschlaf, seit das Land als Eigentümer vor nahezu zwei Jahren ankündigte, ihn veräußern zu wollen. Passiert ist seither nahezu nichts. Für Bürgermeister Rolf Warkus am Ende seiner langjährigen Amtszeit ein Trauerspiel. Aus Altersgründen tritt der 77-Jährige nicht mehr zur Kommunalwahl in zwei Wochen an. Trotzdem kämpft er bis zuletzt darum, „dass hier nicht alles den Bach runter geht. Schließlich war Karlsburg mit seinem bedeutenden Ensemble einst international anerkannter Standort von Forschung, Lehre und Krankenversorgung, gab es Kulturveranstaltungen und große Tagungen. Diese lange Tradition darf nicht sterben“, appelliert Warkus an alle Entscheidungsträger und fügt mahnend hinzu: „Noch ist der Bau zu retten, das Dach stabil.“

Das Land will das Schloss Karlsburg verkaufen. Quelle: Andreas Koch

Fakt ist: Das Land hat laut Stefan Bruhn, Sprecher des Schweriner Finanzministeriums, keine Verwendung für das Gebäude. Deshalb gebe es die Bestrebungen, die Liegenschaft zu veräußern. Zu ihr gehören neben dem Schloss auch die benachbarten Häuser A, B und C. Während das Haus B seit langem leer steht, nutzte und verwaltete die Greifswalder Universitätsmedizin bis vor kurzem noch Teile des Schlosses und das in den 1990er Jahren errichtete Haus C. Doch mittlerweile seien die Institute für Physiologie und Pathophysiologie komplett ausgezogen, informierte Sprecher Christian Arns auf OZ-Anfrage. Damit stehe einer Rückübertragung der Liegenschaft von der Unimedizin aufs Land nichts mehr im Wege. „Das soll zum 1. Juni geschehen. Erst danach kann sich ein Interessenerkundungsverfahren anschließen. Vorher waren uns die Hände gebunden“, begründet Ministeriumssprecher Bruhn den langen Zeitraum von der Ankündigung des Verkaufs bis jetzt. In der Zwischenzeit sei ein Verkaufsexposé erarbeitet worden, das nun vorliege. Seit Januar 2019 gebe es zudem ein Wertgutachten – und erste Kaufinteressenten.

Damit scheint in diesem Jahr endlich Bewegung in die Sache zu kommen. Doch Bürgermeister Rolf Warkus fürchtet, dass mit einem Verkauf die Gemeinde womöglich keine Nutzungsrechte für das Schloss mehr erhalte. Ein Privatbesitzer werde kaum Interesse haben, sein Anwesen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Das Weihnachtskonzert konnte noch stattfinden. Obwohl die Stühle schon ausgelagert werden, wurden sie zurückgebracht“, erinnert er. Aber wie werde sich das in Zukunft gestalten? „Als Gemeinde haben wir ein großes Interesse daran, dass Schloss weiter nutzen zu können“, betont Bürgermeisterkandidat Mathias Bartoszewski bei einem Rundgang mit Philipp Amthor. Der CDU-Bundestagsabgeordnete, in dessen Wahlkreis der Ort liegt, zeigte Verständnis für die Sorgen der Karlsburger. „Eine kulturelle Nutzung des Barockschlosses wäre wichtig“, sagt er. Amthor räumt aber auch ein, dass es sich hierbei nicht um ein Problem handele, dass auf seiner Entscheidungsebene liege. Er könne sich lediglich dafür verwenden, eine gute und baldige Lösung zu finden.

Das Haus C auf dem Gelände wurde in den 1990er Jahren gebaut und bis vor kurzem von der Unimedizin Greifswald genutzt. Quelle: Petra Hase

Die sieht Eckhard Salzsieder, Direktor des in Karlsburg beheimateten Instituts für Diabetes „Gerhard Katsch“, mit dem „Gesundheitlichen Infrastrukturprojekt Karlsburg“ gegeben. Diese Konzeptstudie legte er in Kooperation mit Partnern bereits 2017 und 2018 nochmals überarbeitet vor. Kern des Konzepts ist es, Karlsburg als Gesundheitsstandort weiter auszubauen. „Neun bundesweit agierende Unternehmen haben ihr Interesse bekundet, sich hier ansiedeln zu wollen, darunter auch eine Firma aus den USA. Gemeinsam mit könnten wir einen Campus entwickeln, der Klinik, Forschung und Industrie vereint und Karlsburg zum Leuchtturm werden lässt“, sagt Salzsieder. Doch der lange Schwebezustand, in dem sich das Schloss befinde, sei für das Vorhaben kontraproduktiv.

Noch nutzt das Diabetesinstitut Teile des Schlosses sowie das marode Haus A auf dem Gelände, das abrissreif sei. „Wir würden gern in das Haus C einziehen, denn es bietet als klassisches Laborgebäude für uns ideale Arbeitsmöglichkeiten“, sagt Salzsieder. Gespräche indes seien bislang ohne Ergebnis geblieben. Das Institut, das mit drei eigenen Firmen 30 Mitarbeiter zähle, agiere selbst auf internationalem Parkett. „Nur ein Kauf der Liegenschaft würde uns überfordern“, stellt Salzsieder klar.

Das Haus B steht seit langem leer und ist abrissreif. Das Haus A (hinten rechts) ist ebenfalls marode, wird aber noch vom Diabetesinstitut genutzt. Quelle: Petra Hase

Auch der unmittelbare Nachbar, das Klinikum Karlsburg, ziehe keinen Kauf in Betracht, erklärt der Ärztliche Direktor Wolfgang Motz. Nach seiner Ansicht wäre es für alle das Beste, „das Land behält das Schloss, saniert es bescheiden und vermietet es“, sagt er. Dann wäre auch das Klinikum interessiert, bei der Nutzung mitzumachen.

Petra Hase

Hulda Kalhorn ist 18, Eckard Ehrke ist 80 Jahre alt. Frau gegen Mann. Jung gegen Alt. Sie engagiert sich für die Alternative Liste. Er ist Mitglied der konservativen Wählergruppe Kompetenz für Vorpommern. Beide treten am 26. Mai erstmals für die Bürgerschaft an. Die OZ brachte sie zu einem Streitgespräch zusammen.

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