Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Der schonende Eingriff über die Nasenlöcher
Vorpommern Greifswald Der schonende Eingriff über die Nasenlöcher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:11 28.10.2019
Prof. Henry Schroeder (l.) und Prof. Werner Hosemann bei einer OP an der Schädelbasis, die schonend durch die Nase durchgeführt wird. Quelle: UMG/Manuela Janke
Anzeige
Heringsdorf

Hirntumore sind schwerwiegende Erkrankungen und oftmals sehr kompliziert zu operieren. 120 Spezialisten rund um die Chirurgie an der Schädelbasis trafen am Freitag und Sonnabend im Kaiserbädersaal zur 27. Jahrestagung ihrer Fachgesellschaft in Heringsdorf zusammen. Die Mediziner aus ganz Deutschland tauschten sich zu modernsten Operationsmethoden und Hilfsmitteln aus, um Eingriffe noch sicherer zu machen. Organisiert wurde sie von den beiden Greifswalder Professoren Henry Schroeder, Direktor der Klinik für Neurochirurgie, und Werner Hosemann, Direktor der Hals-Nasen-Ohren-Klinik.

Zudem wurde umfangreich besprochen, wie sich die Folgen einer Operation für Patienten minimieren lassen. Das Besondere der Tagung in Heringsdorf: Nicht nur Neurochirurgen und HNO-Ärzte sind dabei, sondern auch Experten für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Augenärzte sowie Radiologen und Strahlentherapeuten.

30 bis 40 dieser Operationen jährlich in Greifswald

Der interdisziplinäre Austausch ist zentraler Grundgedanke der Gesellschaft für Schädelbasis-Chirurgie, betont Prof. Henry Schroeder. „Operationen an der Schädelbasis kann oftmals nie mein Fachgebiet allein bestreiten. Sich fachübergreifend zu verständigen ist wichtig, auch um das gegenseitige Verständnis für bestimmte Abläufe zu schärfen“, erklärt Schroeder.

Prof. Henry Schroeder (r.), Direktor der Klinik für Neurochirurgie und Prof. Werner Hosemann, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen der Universitätsmedizin Greifswald Quelle: Cornelia Meerkatz

Ein Schwerpunktthema in Heringsdorf war die Entfernung von Hirntumoren durch die Nasenlöcher. Diese Methode ist in Greifswald mittlerweile Standard für viele Tumore, die an der Schädelbasis sitzen, versichert Prof. Henry Schroeder. Der weltweit anerkannte Greifswalder Neurochirurg berichtet, dass von den 1900 Operationen, die alljährlich in seiner Klinik durchgeführt werden, an die 40 durch die Nasenlöcher erfolgen.

Schroeder sagt, dass in vielen deutschen Krankenhäusern auch bei unterhalb des Gehirns liegenden Tumoren, „die man besser durcch die Nase operieren kann, nach wie vor die Schädeldecke geöffnet und um das Gehirn herum operiert“ werde. Dabei blieben nicht nur die auffälligen Narben, der Eingriff sei auch schwerwiegender. „Leider sind die schonenderen Operationstechniken noch nicht überall etabliert“, bedauert Schroeder: „Daher hoffen wir, dass unsere diesjährige Tagung dazu beiträgt, dass dieses Verfahren den Patienten bald überall zur Verfügung stehen.“

Schädeldecke muss viel seltener geöffnet werden

Ein weiteres auf der Jahrestagung behandeltes Thema war Mikrochirurgie durch den Kopf. „Heutzutage sind die sogenannten Schlüsselloch-Operationen auch am Kopf keine Seltenheit mehr. Das kleine Loch, durch das die OP durchgeführt wird, sieht man später gar nicht mehr. „Sehr große Tumore werden manchmal kombiniert endoskopisch-mikrochirurgisch entfernt – ein Teil durch das Loch in der Schädeldecke und der andere Teil durch die Nase“, erläutert der 56-Jährige. Die fachübergreifende Zusammenarbeit biete nach seiner Ansicht noch viele bislang nicht genutzte Potenziale. „Es ist ein Segen, dass man so viel zusammen machen kann. Da können wir wirklich viel für die Patienten rausholen“, betont er.

Die 27. Jahrestagung der Gesellschaft für Schädelbasis-Chirurgie mit Teilnehmern aus Deutschland, Österreich und den USA fand in Heringsdorf statt. Quelle: privat

Amerikaner geben ihr Fachwissen weiter

Wichtige Hinweise bekamen die Teilnehmer auch von den beiden amerikanischen Spezialisten Jacques Morcos aus Miami und William Couldwell aus Salt Lake City. Die beiden Professoren für Neurochirurgie haben große Erfahrung in der Schädelbasischirurgie und arbeiten ebenfalls schon seit langer Zeit interdisziplinär mit Medizinern anderer Bereiche zusammen. „Die beiden haben uns beispielsweise wertvolle Informationen zu Operationen von Tumoren gegeben, die in unmittelbarer Nähe zur Hauptschlagader oder zum Hörnerv sitzen. Von diesen Erfahrungen profitieren zu dürfen, ist ein großes Glück“, wertschätzen Henry Schroeder und Werner Hosemann.

Von Cornelia Meerkatz

Die Greifswalder Stadtwerke stärken die Elektromobilität. Im nächsten Jahr werden drei neue Ladestationen aufgebaut. Fürs Tanken muss dann gezahlt werden.

28.10.2019

Im Greifswalder Universitätsklinikum sind in der Woche vom 20. bis zum 28. Oktober 20 Mädchen und Jungen geboren worden. Im Anklamer Ameos-Klinikum waren es zwei Kinder.

28.10.2019

In einer von der Ortsteilvertretung geplanten Aktion setzten die Einwohner am Samstag tausende Pflanzenzwiebeln rund um die Klosterruine in die Erde.

28.10.2019