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Greifswald Leben retten: über den Tod hinaus
Vorpommern Greifswald Leben retten: über den Tod hinaus
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18:55 07.02.2019
Ein Organspendeausweis ist eine schriftliche Erklärung, ob und welche Organe nach dem Tod gespendet werden. Quelle: Christin Lachmann
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Greifswald

Organe spenden: ja oder nein? Für die Angehörigen sei es oft schwierig, direkt nach dem Tod eine Entscheidung zu treffen, sagt Dr. Sven-Olaf Kuhn, Transplantationsbeauftragter der Greifswalder Unimedizin. Doch die Bereitschaft zur Organspende nehme zu. So spendeten laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) im vergangenen Jahr bundesweit 955 Menschen ihre Organe nach dem Tod. Im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 26 Prozent. Gleichzeitig willigen immer mehr Menschen ein, auch Gewebe zu spenden. „Es ist ein sehr wichtiger Aspekt geworden“, sagt Dr. Kuhn. So tragen heutzutage mehr Menschen einen Organspendeausweise bei sich und denken im Vorfeld darüber nach, ob sie nach ihrem Tod spenden wollen.

Gewebespende von Leichen oder nach Operationen

Über die Organspende ist einiges bekannt. Doch wie sieht es bei einer Gewebespende aus? „Zu den gängigsten Gewebespenden gehören Haut, Hornhaut, Knochen, Sehnen und Herzklappen“, erklärt Dr. Kuhn. Knochen können dabei sowohl von einer Leiche als auch von einer lebenden Person bei einer Operation entnommen werden. Aus nicht mehr benötigten Knochen, die etwa durch das Einsetzen eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenkes ausgetauscht werden, könne zum Beispiel Knochengewebe gewonnen werden.

Ist ein Spender aus dem Leben geschieden, wird eine Gewebespende ähnlich wie eine Organspende durchgeführt. Bestimmtes Gewebe, wie etwa Augenhornhäute, können auch noch einige Tage nach dem Tod entnommen und weiterverarbeitet werden, da die Hornhaut nicht mit direkten Blutgefäßen versorgt wird. Einzig bei der Transplantation der Herzklappen muss es, wie bei Organen, schnell gehen.

Auch nach dem Tod können anderen mit einer Gewebe- oder Organspende geholfen werden.

Transplantation von Eigengewebe nach Verbrennungen oder Unfällen

Möglich ist zudem auch die Transplantation von eigenem Gewebe. „Häufig ist das der Fall bei Verbrennungen oder bei Verletzungen der Haut,“ sagt Dr. Kuhn. Sobald Knochen am Bein wieder aufgebaut wurden, die Haut allerdings nicht mehr genesen kann, könne bei einem Patienten die oberflächliche Schicht der Haut, beispielsweise vom Oberschenkel, abgetragen werden. „Die wird dann speziell geschlitzt, so dass sie, wenn sie auseinander gezogen wird, einem Maschendrahtzaun ähnelt“, erklärt Kuhn die Herangehensweise bei einer Eigentransplantation.

Seit über 20 Jahren hat sich die Augenklinik der Unimedizin auf die Transplantation von Augenhornhäuten spezialisiert und arbeitet eng mit der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) zusammen. „Es ist ein etabliertes Verfahren, das beispielsweise bei Verbrennungen oder Verätzungen der Hornhaut angewendet wird“, sagt Dr. Dorothea Hübner, Stationsärztin in der Augenklinik Greifswald.

Nachbehandlung ist ein langwieriger Prozess

Dabei gebe es unterschiedliche Formen. So könne die gesamte Hornhaut oder nur bestimmte Anteile der vorderen oder inneren Schicht transplantiert werden. „Zweitere Verfahrensweise wird häufiger genutzt, da oftmals nur die eine Schicht verändert ist“, sagt Dr. Hübner. Je nach Verfahrensweise kann die Transplantation der Hornhaut ein langwieriger Prozess sein. Dabei nehme das Präparieren im Vorfeld viel Zeit ein, das Transplantieren selbst gehe recht schnell. „Die Nachbehandlung kann je nach Pathologie bis zu zwei Jahre andauern“, sagt Dr. Hübner. Wie viele Hornhauttransplantationen die Greifswalder Augenklinik durchführt, kann die Ärztin nicht genau bestimmen. „Deutschlandweit sind es aber pro Jahr über 400.“

Allerdings: Auch wenn ein Verstorbener im Organspendeausweise ein Kreuz bei sämtlichen Spenden gesetzt hat, können sich die Angehörigen schlussendlich doch dagegen entscheiden. Daher, empfiehlt Dr. Kuhn, solle schon im Vorfeld mit den Angehörigen über das Thema Organ- und Gewebespende gesprochen werden. So kann man über den Tod hinaus Leben retten.

Über die Gewebespende

Die Spende von Gewebe ist im Gegensatz zur Organspende noch bis zu 72 Stunden nach dem Stillstand des Herz-Kreislauf-Systems (Klinischer Tod) möglich. Rund zwei Drittel aller Verstorbenen kommen somit für eine Gewebespende infrage. Im Gegensatz zur Organspende ist eine Gewebespende abhängig vom Alter. Für Augenhornhäute und Knochen gibt es keine Altersgrenze, Sehnen und Bänder können bis zum Alter von 65 Jahren gespendet werden. Für eine Hautspende gilt eine Obergrenze von 75 Jahren. Bei Kindern bis zum 14. Lebensjahr entscheiden die Eltern über die Zustimmung oder Ablehnung zur Organ- und Gewebespende. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet kostenlose Organspendeausweise in analoger und digitaler Form. Außerdem gibt es die Ausweise häufig bei Ärzten, in Kliniken oder Apotheken. Mehr Infos auf: www.organspende-info.de

Christin Lachmann

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