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Greifswald Diskussion entbrannt: Gibt es 2020 noch ein Feuerwerk beim Greifswalder Fischerfest?
Vorpommern Greifswald Diskussion entbrannt: Gibt es 2020 noch ein Feuerwerk beim Greifswalder Fischerfest?
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17:02 25.07.2019
Ryck in Flammen Fischerfest 2019 Quelle: Peter Binder
Greifswald

 Das Feuerwerk gehörte bislang zum Fischerfest wie der Sound der Möwen zur Küste. Nachdem Greifswald im Juni den Klimanotstand ausrief, werden zweifelnde Stimmen laut, ob ein Feuerwerk noch zu einer Stadt passt, die den Umwelt- und Klimaschutz groß schreibt. Besucher des Fischerfestes kommentieren auf der OZ-Facebook-Seite das Feuerwerk nicht nur positiv.

Im Fokus der Kritik steht weniger die Knallerei selbst, sondern die vermeintlich inkonsequente Haltung der Stadt. „Klimanotstand ausrufen und dann rumballern – früher nannte man das Doppelmoral“, schreibt Florian Leiffheidt.

CDU will nicht an Tradition rütteln

CDU-Fraktionschef Axel Hochschild möchte auf keinem Fall am Feuerwerk rütteln, sieht zwischen dem moralischen Anspruch der Stadt und deren Handeln ebenfalls einen Widerspruch. „Wir waren komplett gegen den Klimanotstand. Wir freuen uns über das Feuerwerk zum Fischerfest“, stellt Hochschild die Position seiner Fraktion dar. „Aber Feuerwerk und Klimanotstand passen nicht zusammen.“

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Die Stadtverwaltung unter dem grünen OB Stefan Fassbinder sei nun gezwungen, den unpopulären Bürgerschaftsbeschluss umzusetzen. Und Hochschild wettert weiter: „Der SPD, Linken und den Grünen, die den Klimanotstand beschlossen haben, müsste jetzt die Schamesröte ins Gesicht steigen.“ Auf der einen Seite werde ein stärkerer Umweltschutz gefordert, auf der anderen Seite ducke man sich weg, wenn unpopuläre Konsequenzen drohen.

SPD und Linke suchen umweltfreundliche Alternativen

Bürgerschaftsmitglied Monique Wölk (SPD) hält nichts von einer Entweder-oder-Diskussion. „Wir sollten mit der Begründung des Klimanotstandes nicht den Spaß am Feuerwerk gegen Klimamaßnahmen ausspielen.“ Wölk ist gegen ein generelles Verbot des Feuerwerks beim Fischerfest. „Aber wir sollten überlegen, ob es nicht umweltfreundlichere Alternativen gibt, die weniger Müll und Feinstaub verursachen“, so die Sozialdemokratin.

650 Kilogramm Pyrotechnik gezündet

Das Feuerwerk zum Fischerfest-Gaffelrigg weist eine längere Tradition auf. Seit 1993 beendeten ein Feuerwerk, das Abbrennen bengalischer Feuer und ein Bootskorso auf dem Greifswalder Bodden den Veranstaltungstag am Samstag. „Ryck in Flammen“ wurde erstmals 2006 veranstaltet. Mit der Multimediashow sollte der Sonntag zu einem vollständigen Veranstaltungstag für Händler und Gastronomen aufgewertet werden. In diesem Jahr wurden insgesamt 650 Kilogramm Pyrotechnik gezündet.

„Das Feuerwerk hat für viele Besucher des Fischerfestes Höhepunktcharakter“, merkt auch Linken-Fraktionschef Jörn Kasbohm an. Ein Verbot hält auch der Linkspolitiker – selbst kein Freund von abendlicher Knallerei – für überzogen. Er kann sich eine reine Lichtshow vorstellen – eventuell mit den Segeln der Schiffe als Projektionsfläche. „Auf keinen Fall sollte eine solche Entscheidung von oben durchgedrückt werden.“

Grüne für Licht- und Lasershow

Die Grünen sind gegen die Abschaffung des Fischerfest-Feuerwerks. Aber: „Ryck in Flammen sollte wieder eine reine Licht- und Lasershow sein, nicht wie in diesem Jahr mit einem Feuerwerk“, sagte Grünen-Politikerin Ulrike Berger. Zudem sei zu überlegen, ob die Stadt ein bis zwei große Feuerwerke im Jahr, zum Fischerfest und Silvester, veranstaltet und im Gegenzug private Feuerwerke einschränkt.

Befragung der Bevölkerung steht noch aus

Zur Erinnerung: Schon drei Monate vor der Ausrufung des Klimanotstandes hatte die Bürgerschaft die Verwaltung beauftragt, eine Einschränkung von privaten Feuerwerken zu prüfen. Die Greifswalder sollten dabei auch zur Akzeptanz einer solchen Maßnahme befragt werden. Diese Befragung steht noch aus. „Inwiefern Feuerwerke auch im Zuge des Fischerfests Gaffelrigg weiterhin stattfinden sollen, ist vom Ergebnis des Prüfauftrages abhängig, der sich aus diesem Bürgerschaftsbeschluss ergibt“, sagt Stadtsprecherin Franziska Vopel. Derzeit werde recherchiert, wie andere Städte mit dieser Thematik umgehen. Auch die Fachämter geben fachliche Einschätzungen ab.

650 Kilo Pyrotechnik werden angezündet

Das große Höhenfeuerwerk am Samstag und die Multimediashow „Ryck in Flammen“ verantwortet die Hanseatische Eventagentur. Rund 650 Kilogramm Pyrotechnik wurden an beiden Fischerfest-Abenden gezündet. „Unser Profifeuerwerk ist nicht vergleichbar mit den Silvesterraketen aus dem Supermarkt“, weist Geschäftsführer Torsten Sitte Kritik am Feuerwerk zurück. „Das für das Fischerfest verwendete Feuerwerk ist ein deutschland- und europaweit zugelassenes Material, das zu 95 Prozent rückstandslos verbrennt – kein polnisches Gelumpe.“ Übrig blieben kleine Papierflusen. „Keine Holzstangen wie nach den privaten Feuerwerken.“

Der Müll hält sich in Grenzen, versichert Sitte. Die Batterien würden eingesammelt und entsorgt. Die PVC-Rohre, aus denen das Feuerwerk über 80 Meter hoch geschossen wird, würden wiederverwendet. Natürlich erzeuge das Feuerwerk Feinstaub, räumt Sitte ein. „Aber wir achten darauf, dass der Qualm möglichst nicht in Richtung Publikum zieht und auch keine Reste ins Publikum fallen.“ Von einem Feuerwerksverbot hält er nichts. „Feuerwerk ist Tradition. Man kann nicht alles verbieten.“

Bei offizieller Umfrage soll Uni helfen

Für die Befragung holt sich die Stadt Hilfe bei der Uni. Im Rahmen des Programms „Demokratie leben!“ forschen Wissenschaftler zu einem neuen Verfahren der Bürgerbeteiligung, der zufallsbasierten Deliberation. Diese Methodik wollen die Forscher testen, indem sie die Einstellung der Greifswalder zu Feuerwerken erfragen.

„Das Verfahren wird voraussichtlich bis Ende 2019 abgeschlossen sein und soll unter anderem in die Beantwortung des Prüfauftrages einfließen“, sagt Stadtsprecherin Vopel. Mit den Ergebnissen liege es dann in der Hand der Bürgerschaft, ob und gegebenenfalls welche einschränkenden Maßnahmen bei Feuerwerken gelten.

SPD-Politikerin Monique Wölk stellt noch einmal klar, was ihre Fraktion mit der Resolution zum Klimanotstand bezweckt. „Keinesfalls geht es darum, alles zu verbieten.“ Angestrebt seien „langfristige und substanzielle Veränderungen“, wie umweltfreundliche Verkehrsformen und der Verzicht auf fossile Energieträger bei den Stadtwerken.

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Martina Rathke

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