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Greifswald Gibt es nur in Greifswald: 17 000 Bücher über das Moor
Vorpommern Greifswald Gibt es nur in Greifswald: 17 000 Bücher über das Moor
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16:20 05.11.2019
Professor Hans Joosten (r.) ist nicht nur Moorkundler, sondern auch Buchliebhaber. Beides zusammen macht die Literaturabende in der Moorbibliothek so besonders. Quelle: Anne Ziebarth
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Greifswald

Ein Herbstabend in Greifswald, leichter Nebel zieht durch die Ellernholzstraße, es ist schon kalt für diese Jahreszeit. Perfektes Wetter, um einen der außergewöhnlichsten Orte Greifswalds kennenzulernen. Die Moorbibliothek. Im ersten Stock der Michael-Succow-Stiftung verbirgt sich ein ganz besonderer Raum, der die Herzen aller Bibliophilen höherschlagen lässt. Bücher, wohin das Auge blickt, Regale bis an die Decke, doppelt und dreifach bestückt mit Büchern aus aller Welt über das Moor. „Moor Stöber“, „Wetlands“, „Pommersche Volkssagen“ oder „Pfarrei im Moor“ stehen dort in trauter Einigkeit nebeneinander.

Das Ziel: Alle Bücher über das Moor

Initiiert hat diese international einmalige Sammlung der Professor Hans Joosten. „Wir haben ein ganz einfaches Ziel. Wir wollen alles, wirklich alles, zusammenbringen, was es weltweit an Büchern zum Thema Moor gibt“, sagt der 64-jährige Moorforscher. „Nicht nur naturwissenschaftliche Werke, sondern auch Literatur. Schließlich ist die Geschichte vom Moor auch historisch immer im Bezug zum Menschen zu sehen.“ Rund 17 000 Bücher haben Joosten und seine Mitstreiter vom Greifswald Moor Centrum mittlerweile zusammengetragen, neben der Bibliothek hat der Professor noch fünf weitere Räume der Universität mit den Büchern in Beschlag genommen. „Wir bekommen auch Sammlungen oder sogar vollständige Bibliotheken vermacht“, sagt Joosten und deutet auf eine Kiste, die bis zum Rand mit Büchern gefüllt ist. „Mit dem Archivieren kommen wir nicht immer so schnell nach, aber viele Bücher sind bereits im digitalen Bibliothekskatalog OPEC registriert.“

Mehr Platz ist nötig

Doch bei aller Freude über die kostbaren Moorbücher: Sie brauchen Platz und die Räumlichkeiten in der Succow-Stiftung sind dafür einfach zu klein. „Wir sind auf der Suche nach einem neuen Ort für die Bibliothek“, so Joosten. Mehr als Andeutungen möchte der Professor noch nicht machen. „Es gibt einen bedeutenden Altbau hier in der Nähe, der interessant für uns ist. Aber ob und wann das etwas wird, kann ich noch nicht sagen.“ Doch die Zeit drängt, denn der außerplanmäßige Professor geht auf die Rente zu und müsse Ende nächsten Jahres seine Räume an der Uni räumen. Ein Ende der außerordentlich erfolgreichen Tradition Greifswalds in der Moorforschung ist aber nicht in Sicht. Es soll einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin geben, die Einrichtung einer Professur für Moorforschung/Peatland-Science plus wissenschaftlichen bzw. technischen Mitarbeitern ist beschlossen, die Bewerbungen sind eingegangen.

Neue Professur für Moorkunde

Finanziert wird die Stelle über eine Beteiligung von Landwirtschaftsministerium, Universität und Bildungsministerium. Das Thema Moor und Moornutzung rückt angesichts der weltweit angestrebten Reduzierungen von CO2 immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Trockengelegte Moore sind mit Abstand die größte Treibhausgas-Einzelquelle des Landes, sie setzen große Mengen Kohlendioxid frei. Ihre Wiedervernässung gilt als eine der effektivsten Methoden im Kampf gegen den Klimawandel. In Greifswald wird zum Beispiel erforscht, wie solche Flächen mit Hilfe der sogenannte Paludikultur bewirtschaftet werden können. „Man darf nicht unterschätzen, wie viele Menschen in Greifswald rund um das Thema Moor forschen“, sagt Joosten. „Das sind etwa 60 Leute.“ Auch die Plettner-Stiftung hat Unterstützung zugesichert, frohlockt Joosten. „Das ist ein gutes Zeichen für die Bibliothek.“

Moorbibliothek lädt zu Literaturabenden

Ein besonderes Erlebnis sind die Literaturabende in der Moorbibliothek, in denen es nicht nur um wissenschaftliche Forschung geht, sondern auch um Poesie und Philosophie. Dann präsentiert Joosten bei „Rotwein für alle“ verschiedene Moorbücher aus den Jahrhunderten, liest Textpassagen und Gedichte vor und bereichert das Vorgetragene noch durch deftige Geschichten aus dem Nähkästchen. Die Literaturabende stehen jedes Mal unter einem anderen Thema, immer jedoch ist das ambivalente Verhältnis zwischen Mensch und Moor in der Literatur zu spüren. Inspiration und Schönheit, Schrecken und eine Melancholie, die kaum in Worte zu fassen ist. Da passen ein paar eingestreute wissenschaftliche Erkenntnisse über Ökobilanzen sehr gut, um den Zuhörer wieder ins Jetzt zu holen, aufzurappeln für die Herausforderungen der Zukunft. Denn hier wird die Frage, wie man mit dem Gut Moor umgeht, eine immer größere Rolle spielen, sind sich die Greifswalder Moorexperten sicher. Das Programm der Moorbibliothek ist online abrufbar unter www.greifswaldmoor.de/literaturabende.html oder bei der Succow-Stiftung unter der Telefonnummer 038 34 / 83 542 10 zu erfragen. Anmeldung unbedingt erforderlich.

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