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Greifswald Gleis Vier: Die Kritik ist verstummt
Vorpommern Greifswald Gleis Vier: Die Kritik ist verstummt
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09:23 21.06.2018
Ein Jahr nach der Eröffnung des Einkaufszentrums Gleis Vier in Greifswald. Der Geschäftsführer des Edeka-Marktes Sven Schneider und seine Assistentin Jenny Feuerstein sind mehr als zufrieden. Quelle: Anne Ziebarth
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Greifswald

Der Parkplatz ist voll, die Kunden zufrieden, die Einzelhändler aus der Innenstadt beruhigt: Gut ein Jahr nach der Eröffnung des Einkaufszentrums Gleis Vier am Greifswalder Bahnhof ziehen Investor, Händler und Kunden eine durchweg positive Bilanz. „Ich habe nur gute Rückmeldungen der Mieter“, informiert Projektentwickler Jürgen Sallier. „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, dranzubleiben.“ Befürchtete Negativeffekte auf die Innenstadt seien weitestgehend ausgeblieben. Vom prognostizierten Verkehrskollaps auf der Bahnhofsstraße bis zum Einzelhandelssterben in der Fußgängerzone reichten die Prognosen.

Einzelhandel in der Innenstadt nicht betroffen

„Die Umsätze der Einzelhändler in der Fußgängerzone sind nicht signifikant zurückgegangen“, sagt Frank Embach, Vorsitzender des Greifswalder Innenstadtvereins. „Das Angebot der Nahversorger Edeka und Aldi macht den Läden in der Innenstadt keine Konkurrenz.“ Vor der Eröffnung des Einkaufszentrums Gleis Vier gab es innerhalb des Innenstadtvereins Proteste, weil einzelne Händler die Konkurrenz durch am Gleis Vier angesiedelte Unternehmen wie das Dekorationshaus Depot fürchteten. „Schöner wäre es natürlich gewesen, wenn sich die Läden nicht am Gleis Vier sondern in der Fußgängerzone, dem eigentlichen Oberzentrum Greifswalds, angesiedelt hätten. Das hätte man forcieren müssen“, so Embach. Im Vorfeld der Gleis-Vier-Eröffnung wurde lange gestritten und verhandelt, welche Geschäfte Teil des Einkaufszentrums werden dürfen. Im Gespräch waren unter anderem ein Matratzenladen, ein Elektronikmarkt und ein Textilfachgeschäft.

Kunden sind mit dem neuen Standort zufrieden - Situation der Supermärkte unterschiedlich

Bei den Kunden scheint die Mischung der Geschäfte, es befinden sich unter anderem eine Aldi-Filiale, ein Edeka-Markt und ein Drogeriemarkt sowie weitere kleine Geschäfte auf dem Gelände, gut anzukommen. „Für uns ist es total schön, dass man jetzt nicht mehr mit dem Auto los muss, sondern zu Fuß mit dem Kinderwagen gehen kann“, sagt Julia Blaszczyk (29) die gemeinsam mit ihrer Freundin Sophie Podzus (27) beim Drogeriemarkt war. „Vorher sind wir immer zu Marktkauf oder Real gefahren.“ Bei Marktkauf in Neuenkirchen gibt man sich entspannt. „In der Anfangszeit gab es sicherlich eine kleine Verschiebung der Kundenströme, aber heute können wir sagen, dass die Eröffnung keine nennenswerten Auswirkungen auf Kundenzahlen und Umsatz hatte“, so der Marktleiter Karsten Heuer. Ute Pahnke vom Rewe-Markt in der nahegelegenen Grimmer Straße allerdings sieht das anders. „Ich merke schon einen Rückgang der Kundenzahlen“, meint die Filialleiterin. „Dadurch, dass nun der Aldi in der Grimmer Straße auch noch zugemacht hat, ist die Situation für mich unglücklich.“

Verwaltung spricht von normalem Verkehrsfluss

Sorge hatten Bürgerschaftsmitglieder auch auf die mögliche Verkehrsbelastung durch das neue Einkaufszentrum hingewiesen. „In der Anfangszeit staute sich der Verkehr vor dem Gleis Vier, vor allem im Berufsverkehr“, kann Sophie Podzus, selbst regelmäßig Kundin beim Gleis Vier, bestätigen. „Die Ampelschaltung ist aber offensichtlich verändert worden.“ Informationen über Verkehrsprobleme seien nicht bekannt, informiert Andrea Reimann von der Hansestadt Greifswald. „Es ist normal, dass man an der Ampel einen Moment warten muss. Aber Staus gibt es nicht.“ Kritischer sieht das Ulrich Rose, der für die Alternative Liste in der Bürgerschaft sitzt. „Der Verkehr hat bereits in diesem noch nicht abgeschlossenen Stadium deutlich zugenommen, die Staus haben sich merklich verlängert, vor allem durch die zusätzliche Ampel. Der absolute Verkehrskollaps ist aber – bis jetzt – ausgeblieben.“Mehr als zufrieden mit dem Standort zeigt sich der Edeka-Geschäftsführer Sven Schneider. „Wir haben die Erwartungen bei weitem übertroffen“, sagt der 29-Jährige. „Im Mai haben wir 76<TH>000 Kunden gezählt. Das entspricht rund 35 Prozent mehr als im Vorjahr.“ Das führt auch zu mehr Personalbedarf. „Mit 47 angestellten Mitarbeitern sind wir gestartet, 63 haben wir aktuell“, sagt Jenny Feuerstein vom Edeka Markt. „Es werden mit Sicherheit aber noch über 70.“ Insbesondere Studenten würden das Angebot des Marktes schätzen. „ Viele Studenten legen Wert auf Bio-Qualität. Wir haben das größte Sortiment in Norddeutschland.“

Kommen Arztpraxen statt des geplanten Hotelbaus?

Einziger Kritikpunkt von Schneider ist die Größe des Parkplatzes am Gleis Vier, hier stehen bislang 250 Plätze bereit. „Das reicht gerade am Wochenende leider nicht aus“, so Schneider. Um hier gegenzusteuern, hat Projektentwickler Jürgen Sallier bereits Pläne. „Auf dem benachbarten Grundstück, auf dem eine Mischnutzung geplant ist, entsteht auch ein Parkdeck mit über hundert Plätzen“, sagte er. „Das kann die Situation weiter entspannen.“ Auch was die Hotelpläne angeht gibt es eventuell ein Umsteuern. „Arztpraxen und Büroflächen sind sehr gefragt“, so der Lüneburger. „Vielleicht entscheiden wir uns auch für diese Nutzung.“ Ursprünglich geplant war ein Hotel mit 60 Betten, der Bebauungsplan würde aber auch eine Nutzung für Praxen oder Büroflächen ermöglichen.

Ziebarth Anne Friederike

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