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Greifswald Glückskeks contra Böller: Greifswald startet ins neue Jahr
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Glückskeks contra Böller: Greifswald startet ins neue Jahr

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01:49 01.01.2020
Die Greifswalder feierten ausgelassen ins neue Jahr. Viele schauten sich das Feuerwerk am Museumshafen an Quelle: Anne Ziebarth
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Greifswald

Friede, Freude, Feuerwerk! Die Greifswalder haben das neue Jahr gebührend gefeiert – zumindest in der Innenstadt zeigte sich im „Fridays for Future“-Jahr ein anderes Bild als im vergangenen Jahr. Am Marktplatz, wo sich Passanten noch beim vergangenen Jahreswechsel vor aggressivem Böllerbeschuss in Hauseingänge geflüchtet hatten, wurde dieses Silvester getanzt. „Angels“ von Robbie Williams, „Wonderwall“ von Oasis oder sogar „Wind of Change“ brachten die Menschen zum mitsingen, -schunkeln und -tanzen. Sicherlich sammelte sich hier nach dem Feuerwerk am Himmel auch einiges an Müll am Boden, zumindest im Vergleich zum Vorjahr dürfte die Knallerei hier aber abgenommen haben.

Am Museumshafen, traditionell der Ort in Greifswald, wo die meisten Feuerwerke steigen, versammelten sich Hunderte von Menschen um ins neue Jahr zu feiern und schauten sich das bunte Spektakel an. Doch wie stehen die Greifswalder nun zu Silvester zum viel diskutierten Feuerwerksverbot? Während es in Städten wie Hamburg bereits solche Zonen gibt, steht eine Entscheidung darüber in Greifswald vermutlich 2020 an.

Für die Freiheit nach Lust und Laune zu Böllern, spricht sich Hannes Krüger aus. „Das ist einfach Tradition. Genau wie Dinner for one, nur älter“, sagt der 31-Jährige. „Wir vertreiben Dunkelheit und Kälte.“ Gerade in Zeiten, wo versucht werde, den Menschen alles zu verbieten, müsse man akzeptieren, dass die Menschen gerne knallen. Ein bisschen Rücksichtnahme gehöre natürlich dazu.

Am Museumshafen blieb es ruhig, im vergangenen Jahr waren hier Menschen mit Böllern beworfen worden. Quelle: Anne Ziebarth

„Wir haben in den vergangenen Jahren viel Geld für Feuerwerk ausgegeben“, erzählt Kati Portner. „Dieses Silvester haben wir nur eine Rakete symbolisch in den Himmel steigen lassen.“ Seitdem die Familie in die Dorfregion um Greifswald gezogen ist, leben sie bewusster, meint sie. Ihre Kinder würden auch regelmäßig bei den Fridays-for-future-Demonstrationen teilnehmen, weshalb sie mehr über das Feuerwerk diskutierten als zuvor. „Aber die eine Rakete ist ein guter Kompromiss, wie ich finde“, so Portner. Statt Böller gab es zum Jahresstart auch noch einen Glückskeks.

Der 39-Jährige Dima Wulff verbrachte Silvester mit seiner Tochter. Geld für Feuerwerk gab er nicht aus. „Für mich ist das Geldverschwendung“, findet er. „Ich habe aber nichts dagegen, wenn andere Leute Feuerwerk zünden. Aber noch besser würde er ein zentrales Feuerwerk finden, organisiert von der Stadt. „Das ist nicht so gefährlich und wahrscheinlich schöner anzusehen“, meint er.

Gleicher Meinung ist auch Ursula Paditz. „Das private Feuerwerk ist unverhältnismäßig geworden“, sagt die 64-Jährige. „Die Leute lassen dann ihren Dreck liegen, das muss nicht sein.“ Schließlich könne jeder einen Beitrag dazu leisten, die Umwelt zu schützen. Dafür wäre das öffentliche Feuerwerk ideal, meint sie. „Dann macht nicht jeder sein eigenes Ding, sondern die Leute kommen auch wieder mehr zusammen.“

Feuerwerk gab es an vielen Ecken Greifswalds, hier in der Nähe des Bahnhofs Quelle: Stefanie Ploch

Fast etwas verschämt standen Silvia Blümel (28) und Carsten Aschmann (30) in der Knopfstraße, vor ihnen kringelte sich ein winziger Leuchtstern. „Ich kaufe jedes Jahr eine kleine Packung Kinderfeuerwerk, das passt genau in die Tasche“, erzählt die Krankenschwester. „Damit es etwas funkelt“. Mehr brauchen die beiden an Pyrotechnik nicht, sowohl aus Kosten- als auch aus Umweltgründen. „Man sieht ja auch so genug. Wir haben einen Balkon, von dem wir direkt auf den Museumshafen schauen können.“ Im vergangenen Jahr sei es „krass“ gewesen. Der Rauch habe stark in den Augen gebrannt. Einen zentrales Feuerwerk können sich beide gut vorstellen. „In der Stadt macht das Sinn“, meint Carsten Aschmann, der Biomedizintechnik studiert. „Aber dann müsste man sich natürlich auch überlegen, wo das stattfinden soll.“

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