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Greifswald Grandios musizierte Landschaften zum Auftakt der Spielzeit
Vorpommern Greifswald Grandios musizierte Landschaften zum Auftakt der Spielzeit
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00:00 20.09.2014
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Greifswald

Es war ein veritables akustisches Donnerwetter, mit dem das Philharmonische Orchester des Theaters Vorpommern unter Generalmusikdirektor Golo Berg vorgestern in Greifswald die Konzertspielzeit 2014/15 eröffnete. Dabei waren die Wahl der Spielstätte (der Dom), die geladenen Gäste (Orchester der Oper Stettin, Agnieszka Piasse, Sopran, Pawel Wolski, Tenor, Jerzy Wolosiuk, Dirigent) und das Ausnahmeprogramm kein Zufall.

Die aufgebotene Riesenbesetzung brauchte man für Richard Strauss‘ gigantomanische „Alpensinfonie“ und nutzte die Gelegenheit, dabei gleich musikalisch Artverwandtes aus der polnischen Musiktradition zu präsentieren: die Tondichtung „Litauische Rhapsodie“ von Mieczyslaw Karlowicz (1906) und Ausschnitte aus der Oper „Manru“ (1901) von Ignacy Jan Paderewski. Erstere ist als schillernd farbiges Landschaftsbild mit elegischem Grundton hörbar Meister Strauss verpflichtet, letzterer — bekannt als legendärer Pianist und Staatsmann, dessen Name auch unter dem Versailler Vertrag steht — mit einem klangopulent hochdramatischen Beitrag zur realistisch expressiven frühen Oper des 20. Jahrhunderts. Starke Musik mit starken Gästen!

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Dann — unter Golo Berg und mit vereinten orchestralen Kräften — Richard Strauss. Seine „Alpensinfonie“ (1914), eher eine ausufernde sinfonische Dichtung, ist der 23-teilige Präzedenzfall einer „musikalischen Bildberichterstattung“ (Krause) über einen Tag in den Alpen. Da war es folgerichtig, diese virtuos instrumentierte und detailtreu Naturempfindungen „beschreibende“ Musik optisch zu untersetzen, was dem Fotografen Tobias Melle auf einer riesigen Leinwand mit faszinierenden Fotos der Berchtesgadener Alpen auch bestens gelang.

Der Gesamteindruck dieses Abends im Dom war gewaltig; überrumpelnd in teils enormer, den Raum geradezu körperlich ausfüllender Lautstärke und auch im Leisen, Zarten überbordender Klanglichkeit. Wenig Philosophie und viel direkte Sinnlichkeit, eine raffinierte Einfachheit und schiere Lust am virtuosen Spiel mit Eindrücken und Tönen — das alles kam glänzend über die Rampe. Eine tolle Vorstellung!

Weniger toll ist die reale Befürchtung, dass die im Schweriner Kultusministerium beabsichtigte Orchesterfusion im Lande solche Unternehmen für künftige Zeiten unmöglich machen dürfte.



Ekkehard Ochs