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Greifswald Greifswald: Abschied von Andreas Schorlemmer
Vorpommern Greifswald Greifswald: Abschied von Andreas Schorlemmer
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20:10 20.07.2019
Zur Beisetzung von Andreas Schorlemmer waren über 500 Menschen aus der ganzen Region in den Greifswalder Dom gekommen. Der Pastor aus Groß Kiesow war unter anderem durch seine Tätigkeit als Polizeiseelsorger landesweit bekannt geworden. Quelle: Anne Ziebarth
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Greifswald

Unzählige Menschen hat Andreas Schorlemmer in den vergangenen Jahrzehnten getröstet – nun muss Gott der große Tröster der Zurückgebliebenen sein. Mehr als 500 Menschen nahmen am Wochenende Abschied von Pastor Andreas Schorlemmer, der am 4. Juli im Alter von 70 Jahren an einem Krebsleiden verstorben ist. Schorlemmer hatte nicht nur die Polizeiseelsorge des Landes aufgebaut, sondern spielte auch leidenschaftlich gern Theater, engagierte sich für Kunst und gegen Rechtsextremismus. Entsprechend groß war die Anteilnahme bei der Trauerfeier am Sonnabend im Greifswalder Dom.

„Für ihn hatte jeder ein Gesicht“

Ein großer Verlust für so viele Menschen sei es, sagte Dompastor Tilman Beyrich in seiner Eingangsrede. „Für Freunde, Weggefährten, Kollegen aus Kirche und Polizei, aber auch für Menschen, die mit ihm das Leben geliebt haben.“ Als „Mutig, klar, strahlend. Manchmal auch allein und suchend“, beschrieb Probst Gerd Panknin Andreas Schorlemmer in seiner Predigt. „Aber er war auch jemand, der problemlos ein Festzelt unterhalten konnte und dem der Schalk im Nacken saß. Immer aber nah dran an den Menschen.“ Diese besondere Fähigkeit auf jeden Einzelnen eingehen zu können, sei bemerkenswert gewesen. „Für ihn hatte jeder ein Gesicht“, so Panknin. Und sein Gesicht habe er wiederum jedem gezeigt, sei immer für die Menschen da gewesen. Es habe aber auch Grenzen der Offenheit gegeben, betonte Panknin. Das hätte man beispielsweise auf den Fahrten mit seinen Konfirmanden zur Gedenkstätte Auschwitz erleben können. Es habe ihn geärgert und mit Sorge erfüllt, dass dieser Ungeist dieser Zeit des Nationalsozialismus wieder an die Stammtische zurückkehre.

Pastor Tilman Beyrich erinnerte sich an den 70. Geburtstag Schorlemmers in Groß Kiesow. Das Pfarrhaus sei voller Menschen gewesen, Andreas Schorlemmer, bereits schwer von der Krankheit gezeichnet, habe sich gefreut. „In einem Moment der Zweisamkeit haben wir noch einmal miteinander gesprochen“, so Beyrich. Auch hier habe Schorlemmer nach vorne schauen wollen. „Sie brauchen uns, die Menschen, hat er gesagt. Lass uns Gutes tun an jedem.“

Beisetzung in Groß Kiesow

Am Ausgang wurden kleine, schlichte Anstecknadeln mit einem weißen Kopf gereicht. Schorlemmer hätte solche gerne weitergegeben, ob in der U-Bahn oder bei Veranstaltungen, sagte Frank Niehöster vom Innenministerium des Landes. Als Zeichen und Bekenntnis zur Taufe, zur Gesprächsbereitschaft und zur Menschlichkeit. Viele Besucher des Trauergottesdienstes hefteten sich eine dieser Nadeln ans Revers. Ob mit oder ohne Nadel – Das Gedächtnis an Andreas Schorlemmer wird in der Region weiterleben. Andreas Schorlemmer wurde auf dem Friedhof der St. Laurentius Kirche in Groß Kiesow beigesetzt.

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Nachruf:Trauer um Pastor Andreas Schorlemmer

Anne Ziebarth

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