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Greifswald Geplante Eigenheime: Anwohner wollen sich gegen neue Straße in Greifswald wehren
Vorpommern Greifswald

Greifswald: Anwohner wollen sich gegen neue Straße wehren

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14:14 15.08.2021
Am Freitagnachmittag gründete sich die neue Bürgerinitiative in Hinrichshagen. Rund 50 Anwohner sind gekommen.
Am Freitagnachmittag gründete sich die neue Bürgerinitiative in Hinrichshagen. Rund 50 Anwohner sind gekommen. Quelle: Christin Lachmann
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Greifswald/Hinrichshagen

Was die einen bereits haben, wollen die anderen unbedingt: In der Hansestadt mangelt es an Grundstücken für Einfamilienhäuser. Trotz gestiegener Preise, vor allem für den Bau, ist die Nachfrage weiterhin größer als das Angebot.

Deshalb soll ein rund 4,6 Hektar großes Stück landwirtschaftliche Fläche am südlichen Stadtrand erschlossen werden. Der Entwurf des B-Plans 118 – südlich Fontanestraße – wird derzeit durch das Stadtbauamt erarbeitet. Stand heute könnten dort rund 50 neue Wohneinheiten entstehen.

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Neue Gemeindeverbindungsstraße ist geplant

Vorgesehen ist langfristig auch eine Verlängerung der Herrenhufenstraße bis zur Chausseestraße in der Nachbargemeinde Hinrichshagen. So soll die Schillerstraße in der Stadtrandsiedlung künftig entlastet werden. Denn bislang rollt der Verkehr stadteinwärts von der Gützkower Landstraße bis zur Stadtrandsiedlung ausschließlich über die Siemensallee, die später zu Schillerstraße übergeht.

Doch während die einen somit entlastet werden, fürchten die anderen wiederum eine Belastung. Allen voran die Anwohner der Chausseesiedlung in Hinrichshagen gehen davon aus, dass es durch die neue Gemeindeverbindungsstraße, die von der Herrenhufenstraße aus eine Abkürzung zur Stadtrandsiedlung darstellt, zu erheblichem Straßenlärm und Abgasbelastungen kommen könnte.

Anwohner schließen sich zu einer Bürgerinitiative zusammen

Gegen die geplante Gemeindeverbindungsstraße will ein Teil der Anwohner der Chausseesiedlung nun vorgehen. Am späten Freitagnachmittag riefen sie zu einer Informationsveranstaltung vor Ort auf und gründeten eine Bürgerinitiative. Rund 50 Menschen – größtenteils aus der Gemeinde – folgten dem Aufruf.

„Diese Straße ist nicht nur eine Wohngebietsstraße, sondern wird dann zu einer inneren Ringstraße“, sagt Karin Richter, die gemeinsam mit einer Handvoll weiteren Anwohnern zur Infoveranstaltung eingeladen hat und seit 25 Jahren in Hinrichshagen wohnt. Die neuen Wohngebiete würden damit belastet werden, so Richter weiter: „Das ist keine Lösung. Es muss ein anderes Verkehrskonzept her.“

Christian Gadewoltz wohnt seit 2016 in der Chausseesiedlung. Er sagt: „Die Stadt will den Lärm nach außen verlagern und das auf unsere Kosten. Ich bin der Meinung, dass die Verwaltung die Erschließung beispielsweise von der Herrenhufenstraße zur Heinrich-Heinrich-Straße wagen und die Wohngebiete verkehrstechnisch voneinander trennen sollte.“ Gegen das neue Wohngebiet haben die Anwohner nichts. Nur eben die geplante Straße ist ihnen ein Dorn im Auge.

Angrenzend zur Chausseesiedlung in Hinrichshagen soll südlich der Fontane-Straße ein neues Wohngebiet entstehen. Quelle: Grafik: Arno Zill

Bürgerinitiative will Gemeindevertretung konfrontieren

Der erste Schritt der neu gegründeten Bürgerinitiative ist es, die Gemeindevertretung Hinrichshagen mit ihren Bedenken zu konfrontieren. Von den Gewählten würden sie sich vor allem mehr Unterstützung wünschen, sagt Gadewoltz. Vorab hätten Karin Richter und Christian Gadewoltz versucht, Gehör in dem Gremium zu finden. Doch das war offenbar nicht so erfolgreich.

Denn in der Gemeindevertretung Hinrichshagen war der B-Plan 118 im März dieses Jahres Thema. Jedoch gab es keine Hinweise oder Anmerkungen. Begründung: „Planungsziel ist die Schaffung von allgemeinen Wohngebieten mit Einzel-, Doppel-, und Mehrfamilienhäusern. Mit der Planung (...) werden keine Belange der Gemeinde Hinrichshagen berührt“, wie im Protokoll nachzulesen ist.

Und was sagt die Stadt Greifswald zu den Bedenken der Bewohner? „Die neuen Bauflächen des B-Plans werden zu weit entfernt sein, um die Immissionssituation der Chausseesiedlung erheblich beeinflussen zu können“, erklärt Sprecherin Andrea Reimann auf OZ-Anfrage. „Auch eine erste Prüfung zu erwartender Emissionen der vorgesehenen Gemeindeverbindungsstraße und erforderlicher Maßnahmen insbesondere zum Schallschutz erfolgt im Zuge des Bebauungsplanverfahrens.“

Stadt will Anwohnern die Hand reich

Zudem würde der Korridor der vorgesehenen Straßentrasse näher an dem neuen Wohngebiet liegen als an der Chausseesiedlung, wie es weiter heißt. „Auch im noch ausstehenden Planverfahren der Gemeindeverbindungsstraße wird auf Basis der Ermittlung der Eingriffe in Natur und Landschaft deren Vermeidung, Minderung und Kompensation zu behandeln sein. Bislang hat dieses Planungsverfahren aber noch nicht begonnen“, so die Sprecherin weiter.

Doch wie stehen die Chancen der Anwohner, die Straße zu verhindern? Die Stadt sei gesetzlich verpflichtet, die öffentlichen und privaten Belange gegeneinander und untereinander gerecht abzuwägen, erklärt Andrea Reimann. „Darüber hinaus ist es bei Bedarf auch denkbar, direkt mit den Bürgern in den Dialog zu treten und eine eigenständige Informations- und Diskussionsveranstaltung durchzuführen.“ Ob das reicht?

Von Christin Lachmann