Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Greifswald: Burschenschafts-Mitglieder offenbar bedroht
Vorpommern Greifswald Greifswald: Burschenschafts-Mitglieder offenbar bedroht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:03 11.10.2019
Etwa 250 Menschen hatten im Juli 2018 gegen die aus ihrer Sicht bestehende Kriminalisierung des Ikuwo demonstriert. In der Nacht zum 10. Juni hatte es vor dem Ikuwo eine tätliche Auseinandersetzung gegeben, bei der einem Verbindungsstudenten sein Verbindungsband entrissen wurde. Quelle: Archivbild: Degrassi Katharina
Anzeige
Greifswald

Ein Jahr nach dem Überfall auf einen Verbindungsstudenten vor dem internationalen Kultur- und Wohnprojekt (Ikuwo) gab es erneut Ärger um die Zugehörigkeit zu studentischen Verbindungen. Die Polizei bestätigte, dass in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag Anzeigen wegen Nötigung und Beleidigung erstattet wurden. „Die Situation hat mit einem kleinen Geplänkel begonnen und sich offenbar hochgeschaukelt“, so Polizeisprecher Jörg-Peter Käding. Verletzt wurde niemand. Ein Mitglied der Burschenschaft Rugia berichtete von Bedrohungen und vermummten Personen, die der Gruppe von Verbindungsmitgliedern vor dem Café Ravic aufgelauert hätten. Diese Personen hätten dann die Bedienung nach draußen geholt, die dann wiederum die Burschenschaftler aufgefordert habe, das Ravic zu verlassen, so unsere Quelle. Als gegen drei Uhr die Polizei gerufen wurde, entspannte sich die Lage. Die Burschenschaft, die im rechten Spektrum angesiedelt ist, vermutet einen politischen Hintergrund. Der Inhaber des Café Ravic, Michael Hosang, sagte, er habe von den Aktionen nichts mitbekommen, erst am nächsten Tag sei er durch seine Mitarbeiter informiert worden. „So ein Vorfall ist sehr unüblich für unser Café.“ Die Polizei sieht derzeit keinen politischen Zusammenhang.

Anklage nach Überfall vor Ikuwo nicht zugelassen

Die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Überfall auf ein Mitglied einer katholischen Studentenverbindung vor dem Ikuwo hat die Staatsanwaltschaft inzwischen abgeschlossen. Bei dem Überfall in der Nacht zum 10. Juni 2018 war dem 25-Jährigen das Verbindungsband entrissen worden. „Wir haben Anklage gegen einen 35-jährigen Mann erhoben“, sagte Oberstaatsanwalt Martin Cloppenburg. Allerdings hat das Amtsgericht Greifswald das Verfahren nicht eröffnet. Laut Staatsanwaltschaft begründete das Gerichts die Ablehnung damit, dass dem Mann, der in der Nacht das Hausrecht im Ikuwo gehabt haben soll, der Tatverdacht nicht hinreichend nachgewiesen werden konnte. „Wir haben gegen diese Entscheidung Beschwerde vor dem Landgericht eingelegt“, sagte Cloppenburg. Eine Entscheidung steht noch aus.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Strafvereitelung, Begünstigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt vor. Er soll maßgeblich daran beteiligt gewesen sein, der Polizei nach dem Überfall den Zugang zum Ikuwo verwehrt zu haben. Besucher des Ikuwo hatten damals eine Absperrung gebildet, um eine Durchsuchung durch die Beamten zu verhindern. Der mutmaßliche Täter soll nach dem Überfall ins Ikuwo geflüchtet sein.

Das Verfahren gegen den 29-jährigen mutmaßlichen Räuber hat die Staatsanwaltschaft inzwischen eingestellt, nachdem DNA-Proben am Band und des Beschuldigten verglichen worden waren. „Das Ergebnis dieses Abgleichs war negativ“, sagte Cloppenburg. Der Überfall hatte damals für viel Wirbel gesorgt. CDU und AfD hatten gefordert, jegliche Finanzierung des Ikuwo mit öffentlichen Mitteln zu stoppen. Linke und SPD solidarisierten sich mit dem Projekt und warnten vor einer Vorverurteilung.

Anne Ziebarth und Martina Rathke