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Greifswald Greifswald: Café mit Herz gegen die Einsamkeit am Wochenende
Vorpommern Greifswald Greifswald: Café mit Herz gegen die Einsamkeit am Wochenende
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13:07 11.07.2019
Und selbstgebackenen Heidelbeerkuchen gibt es dazu: Hannelore Vader ist regelmäßig zu Gast beim Café mit Herz. Auch Marita Nachtigall und Ursela Heumann (v.li.) kommen gerne sonntags in die Bachstraße. Quelle: Anne Ziebarth
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Greifswald

Die Lautstärke in den Räumen des „einLadens“ in der Fischstraße ist bereits vor dem offiziellen Beginn des Café mit Herz beachtlich. Einige Teilnehmerinnen sind schon eingetroffen und rücken sich die Stühle zurecht, Gruppenleiterin Renate Hammer stellt klimpernd noch einen Stapel mit Kuchentellern ab, großes Hallo und Begrüßung, „Lange nicht gesehen! Wie geht es Dir?“ Was wirkt, wie eine vertraute Szene unter langjährigen Freunden ist das Ergebnis eines Projektes, was der Bürgerhafen Greifswald vor einem Jahr gestartet hat. „Viele alleinstehende Menschen hatten uns erzählt, dass sie unter den Sonntagen besonders leiden würden“, erinnert sich Bürgerhafen-Chefin Friederike Güldemann. „Dann haben wir überlegt selbst eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Wir haben viele Angebote, bei denen man sich für etwas bestimmtes interessieren sollte. Stricken, Plattdeutsch oder Computer zum Beispiel.“ Das „Café mit Herz“ habe man bewusst niederschwellig angeboten. „Eine Kaffeerunde an jedem zweiten Sonntag um 14.30 Uhr, zu der jeder einfach vorbei kommen kann“, beschreibt Güldemann. „Eigentlich muss man nur Lust auf Gesellschaft haben. Die meisten hier sind zwar 60 plus, aber das Alter spielt keine Rolle.“ Einzige Bedingung: Die Menschen sollten alleinstehend sein. „Einmal hatten wir ein Ehepaar hier“, beschreibt Güldemann. „Wir haben sie natürlich nicht weggeschickt. Aber in der Gruppe ist das nicht gut angekommen.“ Die Situation von Paaren sei eben doch eine andere, bestätigt Hammer. „Die Alleinstehenden wissen, dass zuhause eben niemand auf sie wartet. Nur die leere Wohnung.“

Neue Bekannte und Freunde finden

Mit in der Runde sitzt zum Beispiel Hannelore Vader. Die 72-Jährige ist schick angezogen, strahlt Energie und Tatkraft aus. Das Alleinsein nach dem Tod ihres Mannes aber macht aber auch ihr zu schaffen. „Man muss sehr diszipliniert sein und dem Leben eine neue Struktur geben“, sagt sie. „Das ist nicht leicht. “ Über den Bürgerhafen war sie bereits „Wunschoma“, betreute zwei Enkel einer Familie. „Die sind zwar nach München gezogen, der Kontakt ist aber geblieben. Ich bleibe die Oma, die Familie kommt mich regelmäßig besuchen.“ Trotzdem schaute sie sich nach weiteren Angeboten um. „Ich habe vom Café mit Herz gelesen und gedacht, einen Versuch ist es Wert“, sagt sie. Das Treffen habe sich für sie gelohnt – sie habe nicht nur ehemalige Kollegen wiedergetroffen, sondern auch neue Bekannte gefunden. „Man sollte so etwas einfach Mal ausprobieren und keine Hemmungen haben. Meine Kinder sind ebenfalls froh zu wissen, dass ich am Sonntag nicht allein zu Haus sitze. Da fällt mir ja die Decke auf den Kopf.“

Alleinstehende fühlen sich oft ausgeschlossen

Auch Ursela Heumann ist vom Konzept des Café mit Herz angetan. „In der Woche kann man immer noch mal durch die belebte Innenstadt bummeln, aber am Sonntag ist es schwer allein zu sein.“ Im Bürgerhafen habe die 71-jährige eine Freundin gefunden, mit der sie sich auch außerhalb des Café mit Herz treffe. „Wir haben gleich gemerkt, dass das passt“, erzählt Ursela Heumann. „Jetzt treffen wir uns immer mal wieder auf einen Kaffee oder unternehmen etwas.“ Für Marita Nachtigall, die erst seit kurzem in Greifswald wohnt, war das Café sogar erster Anlaufpunkt. „Ich bin zu den Treffen gegangen, bevor ich hergezogen bin“, sagt die 60- Jährige. „Es tut so gut, hier mal etwas von sich erzählen zu können.“ Es sei gar nicht so einfach für Alleinstehende, an Aktivitäten teilzunehmen, sind sich Marita Nachtigall und Ursela Heumann einig. „Bei vielen Busreisen zum Beispiel trifft man überwiegend auf Pärchen“, sagt Heumann. „Da fühlt man sich ja erst recht alleine und ausgeschlossen.“

Neues Angebot: Sprech-Stunde in Zweierrunde

Bürgerhafen-Chefin Friederike Güldemann. Quelle: Anne Ziebarth

Genau dagegen will der Bürgerhafen, der zum Pommerschen Diakonieverein gehört, etwas tun. „Der beste Schutz vor Einsamkeit sind soziale Kontakte“, findet Friederike Güldemann. „Wir freuen uns, dass das Café mit Herz so gut angenommen wird. Die Teilnehmerzahl hat sich bei acht bis zehn Leuten eingependelt, es kommen zwar deutlich mehr Frauen, aber es sind auch Männer dabei.“ Das Projekt „Café mit Herz“ ist eines von drei Projekten mit denen sich der Bürgerhafen beim Engagementpreis der Ehrenamtstiftung MV beworben hat. „Am 17. Juli startet ein ganz neues Angebot, die wöchentliche Sprech-Stunde “, erzählt Friederike Güldemann. „Jeden Mittwoch zwischen 15 und 17 Uhr nehmen sich unsere Ehrenamtler Zeit für Zweiergespräche.“ Egal ob Lebensgeschichte, Alltägliches oder Sorgen, man wolle die Menschen einfach die Möglichkeit geben im privaten Gespräch zu erzählen. „Wir können keine Fachberatung für Probleme anbieten“, stellt Güldemann klar. „Aber manchmal ist das Zuhören ja ein erster Schritt.“ Für den Fall das die Menschen mit schwierigen Situationen und Problemen kommen, steht eine Mappe mit Ansprechpartnern bereit.

Hier geht es zur Abstimmung für den Engagementspreis

Engagementpreis MV 2019

Die Ehrenamtsstiftung MV verleiht unter Schirmherrschaft von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig den Engagementpreis 2019. Aus 127 Vorhaben hat eine Jury fünf Preisträger ausgewählt und 20 für den Publikumspreis nominiert. Das Projekt oder die Initiative mit den meisten Stimmen gewinnt.

Der Bürgerhafen Greifwald hat sich mit drei Angeboten beworben, die sich auf unterschiedliche Weise dem Thema Einsamkeit widmen: dem „Café mit Herz“ – ein Treffpunkt für alleinstehende Menschen am Sonntagnachmittag (ungerade Kalenderwochen, Sonntags 14 Uhr, J,-Seb.-Bach-Straße 24); dem „Erzählcafé“ (3. Dienstag im Monat, 15 Uhr, Peter Warschow- Straße 12/13) – ein Angebot wo es um Gespräche zu einem Thema geht, sowie die „Sprech-Stunde“ – ein Projekt für direkte Kommunkation (mittwochs 15-17 Uhr, J.-Seb.-Bach-Straße 12/13 ).

Abstimmen kann man im Internet unter: http://bit.ly/Engagementpreis19 Nach Eingabe der Emailadresse bekommt man eine Nachricht, mit der man die Stimmabgabe bestätigen muss.

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