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Greifswald Greifswalder Kreisel-Kunstwerk: Bürger wollen keine Experimente
Vorpommern Greifswald Greifswalder Kreisel-Kunstwerk: Bürger wollen keine Experimente
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16:02 26.02.2019
Die Schönwalder Bewohner Alfred Wohlrab und Siegfried Steinhövel diskutieren über die Gestaltung des Kunstwerks. Quelle: Martina Rathke
Greifswald

Gegenständlich-realistisch, mit Bezug zum heutigen Stadtteil und nicht mehrfarbig: Wenn es nach dem Wünschen der Bewohner des Stadtteils Schönwalde I geht, wird das geplante Kunstwerk am Kreisel der Lomonossowallee im Stil eher gediegen als experimentell gestaltet sein. Zumindest ist das das Ergebnis einer Dialogveranstaltung, zu der das städtische Kulturamt vor wenigen Tagen eingeladen hatte. Zwar nutzen nur etwa 30 Bürger – davon 19 Schönwalder – die Gelegenheit, ihre Wünsche zu äußern. Das Ergebnis der Veranstaltung soll dennoch in die Ausschreibung, die das Amt in Kürze auf den Weg bringen will, einfließen, versicherte Amtsleiterin Anett Hauswald am Ende der etwa einstündigen Veranstaltung.

Kein zweiter Kunst-Kubus

Der Frust bei den Teilnehmern der Diskussion war groß: Einen „Paepke ohne Kopf“ oder etwas ähnliches wie den Kunst-Kubus am Karl-Marx-Platz wünschte sich niemand. „Wichtig ist, dass diesmal etwas Gutes herauskommt, anders als in jüngster Vergangenheit“, betonte Otto-Andreas Festge, der in der benachbarten nördlichen Mühlenvorstadt wohnt. Vertreter der Ortsteilvertretung pochten darauf, auch bei Ausschreibung und Auftragsvergabe einbezogen zu bleiben. Ibrahim Al Najjar, der zunächst dem abwesenden Peter Multhauf zu seinem 75. Geburtstag gratulierte, machte deutlich, was sich die Bewohner wünschen: „Wir wollen einen Künstler aus der Region unterstützen. Diese sind hochqualifiziert, kennen die Geschichte.“

Rund 830 000 Euro, davon 30 000 für ein Kunstwerk, nimmt die Stadt für die voraussichtlich im Sommer startende Umgestaltung der Kreuzung Lomonossowalle-Dubnaring-Einsteinstraße zu einem Kreisverkehr in die Hand. „Diese Kreuzung gehört zu den unfallträchtigsten Verkehrspunkten in Greifswald“, begründete Björn Treber vom Tiefbau- und Grünflächenamt die Bauarbeiten. Der Kreisverkehr werde die Situation deutlich verbessern, vor allem für Radfahrer, Fußgänger und Linksabbieger.

Einfarbig und gegenständlich soll es sein

Die Planungen der Stadt sehen für die Mitte der Kreisels mit einem Durchmesser von 14 Metern eine niedrige Bepflanzung mit kleinen Büschen und mit Frühjahrsblühern vor. Den Akzent soll das Kunstwerk setzen. Ein Bürger forderte an diesem Unfallschwerpunkt eine unauffällige Gestaltung des Kunstwerkes. Für eine Abstimmung verteilte das Amt Punkte, die die Einwohner nach vier Aspekten auf Flipcharts verteilen konnten: Demnach wünschen sich 14 einen Bezug zur Gegenwart, acht einen zur Vergangenheit; 20 Bürger votierten für eine gegenständliche Darstellung, sieben für eine abstrakte; 13 stimmten für ein Kunstwerk, dass sich eher ins Straßenbild integriert. Dagegen wünschten sich 12 eine Betonung der Blickachse. 16 wünschen eine einfarbige Gestaltung, sieben dagegen eine mehrfarbige.

Unter den interessierten Zuhörern war der Künstler Heinrich Zenichowski, der neben dem Katzower Bildhauer Thomas Radeloff von der Ortsteilvertretung als Wunschkandidat für das Kunstwerk genannt worden war. Es sei gut, dass die Bevölkerung miteinbezogen werde, sagte er. Letztendlich sei es aber die Entscheidung des Künstlers selbst, wie das Kunstwerk auszusehen habe.

Weitere Künstler sollen angeschrieben werden

Das Kulturamt will nun die Ausschreibungsinhalt vorbereiten, in den die Ergebnisse der Einwohner-Befragung einfließen. „Wir werden wohl nun in den figürlich-realistischen Bereich gehen“, sagte Amtsleiterin Hauswald. Basierend auf der Ausschreibung sollen neben Zenichowski und Radeloff noch mindestens drei weitere Künstler angeschrieben werden, die einen Entwurf einreichen können. In die Auswahl soll in beratender Funktion auch die AG „Kunst im öffentlichen Raum“ einbezogen werden. Den Auftrag selbst will die Stadt im Frühsommer vergeben, so dass nach Abschluss der Bauarbeiten das Kunstwerk aufgestellt werden könne.

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Martina Rathke

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