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Greifswald Greifswald: Lokführer werden in elf Monaten
Vorpommern Greifswald Greifswald: Lokführer werden in elf Monaten
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14:27 29.08.2019
Ausbilder Ede Merkel unterrichtet am Greifswalder Standort Quereinsteiger, die Lokführer werden wollen. Quelle: Carla Blecke
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Greifswald

Der Kindheitstraum vom Lokführer wird für einige Greifswalder demnächst Realität. Neun Teilnehmer der „Ausbildung zum Triebfahrzeugführer“ beginnen diesen Montag den ersten Schultag. Statt Mathe, Englisch und Deutsch stehen Module wie Bremstechnik, Wagenprüfen und Betriebsdienst auf dem Stundenplan. Im neu errichteten Standort in der Bahnhofsstraße 44 können Quereinsteiger in weniger als einem Jahr Lokführer werden.

Der Beruf des Lokführers sei vielversprechend und sicher, sagt Dirk Vogel, Geschäftsführer der Ausbildungsstelle, denn es herrsche Fachkräftemangel. „Wir brauchen jeden Mann. Fertige Lokführer können sich ihren Arbeitgeber aussuchen und müssen sich keine schlechten Arbeitsbedingungen gefallen lassen.“ Die Deutsche Bahn gab zu Beginn des Jahres in einer Pressemitteilung bekannt, 2000 Lokführer einstellen zu wollen.

„Der Führerschein, den wir hier anbieten, passt sich dem Leben an“, erklärt Vogel, dessen Firma „ dispo Tf GmbH“, eine durch das Eisenbahn-Bundesamt anerkannte Ausbildungsstelle ist. In den frisch eingeweihten Kursräumen erwerben die Teilnehmer die notwendigen Grundlagen, um Lokführer im Personen- oder Güterverkehr zu werden. „Die Zugfahrer können ohne Probleme zwischen beiden Bereichen wechseln“, erklärt er. Das sei beispielsweise für werdende Eltern praktisch, da die Anstellung im Personenverkehr familienfreundlicher sei.

Vom Bäcker zum Eisenbahnfahrer

Die elfmonatige Umschulung richtet sich an Menschen mit Berufserfahrung. „Wer direkt nach der Schule eine Ausbildung machen möchte, kann das an unserem Standort in Berlin“, sagt Vogel. Im Schulungszentrum in Greifswald würden vor allem Menschen im Alter zwischen 30 und 50 ausgebildet. „Hierher kommen zum Beispiel Leute, die mal Bäcker waren, aber ihr Handwerk jetzt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können“, erklärt der Geschäftsführer. „Wenn diese beim Arbeitsamt angeben, dass sie jetzt Lokführer werden wollen, können sie hier beginnen.“

Unter den Quereinsteigern ist auch Cindy Huth. „Ich wollte als Frau gerne einen typischen Männerberuf ausüben“, sagt die 26-Jährige. In der Greifswalder Klasse ist sie die einzige Frau: „Früher habe ich im Autogas-Handel gearbeitet und war dann in Elternzeit.“ Für sie sei im neuen Job die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besonders wichtig.

Zusammen mit den anderen acht Kursteilnehmern wird sie die nächsten Monaten montags bis freitags von 08.00 bis 15.15 die Theorie- und Praxisstunden absolvieren. „Die Atmosphäre im Kurs ist eher locker“, beschreibt die Pressesprecherin der dispo-Tf, Sara Schäfer, „Die Stunden haben nicht wirklich Schulcharakter.“ Geleitet werden diese von einem „Trainer“, der regelmäßig von Pädagogen unterstützt wird. Dirk Vogel erläutert: „Die meisten Teilnehmer hatten bereits einen Job und müssen sich erst wieder ans Lernen gewöhnen. Zwei Mal im Monat kommen deshalb Pädagogen und zeigen ihnen verschiedene Lerntechniken.“

Drogentest vor der Einstellung

„Das Arbeitsamt übernimmt die Kosten, die sich auf 25.000 Euro belaufen, in Form eines Bildungsgutscheins“, so Vogel. Voraussetzung für den Beginn der Umschulung sei eine Tauglichkeitsprüfung. Bei dieser stellen Ärzte die geistige und körperliche Eignung der Bewerber fest. Dabei werde auch Urin und Blut der Teilnehmer untersucht und auf Rückstände von Drogen getestet. „Die Verantwortung, die Lokführer tragen, ist groß. Es wäre unvorstellbar, wenn sie berauscht Personen oder Gefahrgüter wie Benzin transportieren.“ Bewerber, bei denen es Hinweise auf Drogenkonsum gibt, dürfen nicht an der Ausbildung teilnehmen.

Ab August starten am Greifswalder Standort mehrmals jährlich Kurse, in denen Berufseinsteiger dem Traum vom Lokfahren näher kommen können. Informationsveranstaltungen finden dort jeden Dienstag um 14.00 statt.

Von Carla Blecke

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